tests/15-01-12_audioquest
 

Audioquest Fire

12.01.2015 // Dirk Sommer

Selbstverständlich ist auch das Fire mit Audioquests patentiertem Dialectric Bias System oder kurz DBS ausgestattet: Hier werden ein zentral im Kabel angeordneter Leiter und eine Folie unter der äußeren Isolierung mit Knopfzellen verbunden, die sich in einem außerhalb des Kabels angebrachten Batteriepack befinden und eine Spannung von 72 Volt bereitstellen. Die soll das Isolationsmaterial, das laut Audioquest bei einem neuen oder über mehrere Wochen nicht benutzten Kabel in keiner Weise ausgerichtet sei und erst durch das Musiksignal eine partielle Ausrichtung erfahre, elektrostatisch komplett polarisieren. Dabei sei allein die Gleichförmigkeit der Ausrichtung, nicht aber ihre Richtung wichtig. Eine elektrostatisch nicht polarisierte Isolierung bewirke unterschiedliche zeitliche Verzögerungen für Signale verschiedener Amplitude und Frequenz. Bei einer vollständig ausgerichteten Isolierung träten jedoch keine Verzerrungen durch unterschiedliche Signalverzögerungen auf. Theoretisch hätte ichdas Fire also nicht einmal einzuspielen brauchen. Ich habe ihm dennoch weit über 100 Stunden gegeben, bevor ich mich kritisch damit auseinander gesetzt habe.

Ein paar Tage zuvor hatte ich den AudioMachina Lautsprechern eine kurze Pause gegönnt und die LumenWhite DiamondLight wieder im Hörraum aufgestellt, die ja im oberen Bass-, unteren Mitteltonbereich deutlich schlanker sind als die teilaktiven AudioMachina in einer vollmundigen Einstellung. Daher habe ich auch statt der Swiss Cables wieder einmal die Göbel Lacorde angeschlossen, die ein sattes Tiefton-Fundament perfekt mit Auflösung verbinden – allerdings zu einen wirklich prohibitiven Preis. Zum fröhlichen Start in den Tag las Amarra Muddy Waters' „Good Morning School Girl“ in der MFSL-Version aus dem Arbeitsspeicher und schickte es an den Mytek Manhattan-Wandler: Drive, Tonalität, der – damals wohl noch natürliche – Hall und die feine Modulation in der ausdrucksstarken Stimme lassen keine Wünsch offen. Und daran ändert sich auch nichts, als ich statt des Göbel-Kabels das Fire zwischen Vor- und Endstufen einschleife – und das ist wirklich eine ebenso große wie positive Überraschung: Wie erwähnt, ist das Fire gewiss kein Schnäppchen, aber zumindest in der von mir benötigten Länge dennoch „nur“ etwas mehr als halb so teuer wie das Lacorde,, das mich in meiner Kette bisher am meisten überzeugte. Da hätte ich einen ohrenfälligeren Unterschied erwartet. Ein Super-Einstieg für das Fire!

Audioquest kauft die Stecker nicht zu, sondern entwickelt sie selbst. Rechter und linker Kanal sind durch den Aufdruck in schwarz oder weiß zu unterscheiden
Audioquest kauft die Stecker nicht zu, sondern entwickelt sie selbst. Rechter und linker Kanal sind durch den Aufdruck in schwarz oder weiß zu unterscheiden

Vielleicht fordert Muddy Waters vorwärtstreibende Energie die Kette ja nicht hundertprozentig. Mir ist noch gut in Erinnerung, dass beim Test des Manhattan erst Musikstücke mit eher filigranen Signalen wie in halliger Umgebung verklingenden Trommelschlägen die wahren Fähigkeiten des Wandler offenbar werden ließen. Deshalb jetzt noch einmal die „Improvisation Patrice Heral“ von Michel Godards Album Le Concert Des Parfums: Hier kann das Lacorde dann doch minimale Vorteile für sich verbuchen. Der riesige Raum im Kloster erscheint noch einmal etwas größer, das Schlagwerk wird minimal besser differenziert. Allerdings hat das Audioquest etwas sattere Klangfarben in die Waagschale zu werfen. Zudem lässt es den Saal etwas wärmer wirken, wenn man denn Temperatur akustisch erfassen kann. Da muss ein jeder für sich entscheiden, welche Eigenschaft auf seiner individuellen Werte-Skala höher rangiert. Ich möchte aber noch einmal festhalten, dass das Fire in diesem aufgrund der Preisdifferenz recht unfairen Vergleich eine herausragende Figur macht.

Leiter und Stecker werden unter hohem Druck kaltverschweißt, um das Kabel keinen größeren thermischen Belastungen auszusetzen
Leiter und Stecker werden unter hohem Druck kaltverschweißt, um das Kabel keinen größeren thermischen Belastungen auszusetzen

In meiner Playlist mit aussagekräftigen Stücken befindet sich auch die „Polka“ aus Schostakowitschs Ballett Das goldene Zeitalter, gerippt von der Classic Records Gold-CD. Diesen Tanz macht das Fire zu einem Hochgenuss: Auf einer realistisch anmutenden Bühne agieren besten voneinander getrennt präzise fokussierte, plastisch wirkende Instrumente und Instrumentengruppen. Der musikalisch Fluss strotz nur so vor Energie. Die Farben sind satt und warm strahlend. Dennoch besitzen die Streicher genügend Biss, von Weichzeichner-Effekten keine Spur. Einfach fantastisch, wie eine stimmige Kette – inklusive dem Fire – diese weit über 50 Jahre alte Aufnahme zum Leben erwecken kann.


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