Musical Fidelity M8-700m

26.06.2015 // Peter Banholzer

Wer möchte nicht gerne der Nachfolger eines Titanen sein? Fußballweltmeister Manuel Neuer hat den Titan Oliver Kahn erfolgreich beerbt und Musical Fidelity Gründer Antony Michaelson preist die Monoblöcke M8 700m als preisgünstige und mindestens ebenbürtige Nachfolger zu den nicht mehr gebauten Limited-Edition-Referenzendstufen Titan.

In die Fußstapfen eines 158 Kilogramm schweren Vorbildes zu treten ist beileibe kein einfaches Unterfangen – vor allem dann, wenn man selbst „nur“ 30 Kilogramm (pro Monoblock) in die Waagschale wirft. Vielleicht ist das aber auch die Chance, eigene Fußspuren im High End Olymp zu hinterlassen. Das schafft bekanntlich nur der, der nicht in die Fußstapfen eines anderen tritt. Antony Michaelson ist Mr. Musical Fidelity und verfügt über fast 35 Jahre High-End-Erfahrung. Bei seinen Entwicklungen war er aber nie ideologisch auf ein Konstruktionsprinzip festgelegt. Neben Röhren hat er Transistoren verwendet und Class-A Konzepte ebenso verwirklicht wie AB-Endstufen. Im Class-A Bereich schuf er den legendären A1 Vollverstärker und zuletzt die AMS Serie. Für viele wohl überraschend bleibt er jedoch bei der klanglichen Weiterentwicklung von Verstärkern nicht beim Class-A Konzept. Besonderen Wert legt er auf ein ausgeklügeltes Platinenlayout und Schaltungsdesign. Beim Auspacken der Endstufen stößt man auf den ersten Blick auf eher unauffälliges britisches Understatement und eine sehr gute Verarbeitung. Als ich dann die Rückseite betrachte, meine ich dort zu meiner eigenen Überraschung die Info „Made in Germany“ entdeckt zu haben. Etwas verwirrt sehe ich daraufhin nochmals genauer hin und tatsächlich lese ich hier nun „Made for Germany“. Ansonsten bieten die Monos vielfältige Anschlussmöglichkeiten auf der Rückseite. Neben den RCA- Eingängen stehen die für die Hörtests verwendeten XLR-Eingänge und insbesondere für Bi-Amp Betrieb auch noch RCA- sowie XLR-Loop Out Verbindungen zur Verfügung. Die Lautsprecherterminals sind aus hochreinem Kupfer gefertigt.

Klassisches britisches Understatement, aber Vorsicht: Hier steckt ein echter lupenreiner Wolf im Schafspelz
Klassisches britisches Understatement, aber Vorsicht: Hier steckt ein echter lupenreiner Wolf im Schafspelz

Die Typbezeichnung M8-700m steht bei den Monos übrigens für die Nennleistung von 700 Watt an acht Ohm. Ein gewaltiger Wert für vergleichsweise kompakte Endstufen, zumal die Monos bei vier Ohm eine Nennleistung von sagenhaften 1300 Watt abgeben. Damit sind sie von der Titan mit 1000 Watt an acht Ohm nicht allzu weit entfernt. Das macht natürlich neugierig, wie diese Leistung erzeugt wird. Nach dem Öffnen eines Monoblocks wird die Sache klarer. Zunächst einmal sind die M8-700m absolut vollsymmetrisch ausgelegt. Schaltungstechnisch sollen Sie mit der Titan identisch sein. In jedem Monoblock befinden sich zwei vollkommen identische Verstärkerzüge und auch jeweils zwei großzügig dimensionierte kräftige Trafos.

Das Zauberwort für die enorme Leistung der AB-Endstufen lautet Brückenschaltung, bei der sich durch eine Phasenverschiebung um 180 Grad der Spannungshub verdoppelt und die Leistung sogar vervierfacht. Ausdrücklich wird in der Bedienungsanleitung darauf hingewiesen, dass man aufgrund der Brückenschaltung besonders bei Elektrostaten, aktiven Subwoofern und anderen teilaktiven Systemen auf die Masseverbindung unbedingt verzichten soll. Als Leistungstransistoren kommen insgesamt 20 Sanken Darlington-Transistoren zum Einsatz, deren Wärme über massive geriffelte Kühlkörper abgeleitet wird. Diese Kühlkörper sind so groß dimensioniert, dass sie wohl auch jederzeit bei einem Class-A Konzept verwendet werden könnten.

Gerippte Hochleistungskühlkörper, die von der Dimension auch für ein Class-A Konzept ausreichen würden
Gerippte Hochleistungskühlkörper, die von der Dimension auch für ein Class-A Konzept ausreichen würden

Ich muss gestehen, dass ich bei Endstufen immer ein Faible für große Class-A Endstufen hatte und auch privat einige dieser besonders üppigen Exemplare wie Mark Levinsons 20.5, die Classé Audio Omega Monos und zuletzt auch ein Paar Gryphon Antileon Monos lange Jahre mit großer Begeisterung gehört habe. Eine gewisse Skepsis, ob eine brückengeschaltete Class-AB Endstufe in diese Klangsphähren vorstoßen kann, möchte ich daher nicht ganz verhehlen. Gott sei Dank ist guter Klang aber keine Glaubensfrage.


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