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Transrotor Alto

30.04.2019 // Wolfgang Kemper

Hat man die Justierung mit einer 180-Gramm LP vorgenommen, würde eine dünnere Schallplatte der Korrektur bedürfen, um perfekt und tonal stimmig abgetastet zu werden. Bei einem Millimeter dünnerem Vinyl, wie es bei alten Scheiben gern vorkommt, wird die Armbasis ganz bequem um zehn Kerben nach links gedreht und somit abgesenkt. Das lässt sich ohne Weiteres im Spielbetrieb machen und auf diese Weise nach Gehör einstellen. Und so sollte man es auch tun. Richtig ist nach meiner Auffassung der Einstellpunkt, wo die Höhen nicht mehr als solche auffallen, sondern ein Streichinstrument oder eine menschliche Stimme authentisch klingen und Übertriebenes und Lästiges verschwindet. Dafür gewinnt man bei musikalisch richtiger Einstellung Sauberkeit, seidige Obertöne, Glanz und sogar mehr Räumlichkeit. Für mich ist diese Option, die nur der Alto bietet, eine wirklich sinnvolle und musikalisch wertvolle Bereicherung. Für den alltäglichen Betrieb halte ich diese Einrichtung für so relevant, dass ich mir aktuell keinen anderen Plattenspieler kaufen würde. Es sei denn, ich besäße einen der wenigen Tonarme, der mir das Einstellen ähnlich leicht macht. Die komfortable und rekonstruierbare Höhen-Verstellung ist eine Einladung, mal eben, und sei es nur für eine einzige Schallplatte, den Arm optimal einzustellen. Ich habe das Figaro mal in meinen magnetisch Einpunkt-gelagerten Musical Life-Tonarm eingebaut und versucht, den beim Alto erzielten Wohlklang durch die richtige Höhenjustage zu kopieren. Das ist mir auch gelungen, aber fragen Sie nicht nach Zeit und Nerven.

Wie hier beim TR-1200 S ist eine Armsäulen-Verklemmung mittels Inbus der gängige Weg zur Höhenverstellung bei den meisten Tonarmen und Plattenspielern: hakelig, unpräzise und enervierend
Wie hier beim TR-1200 S ist eine Armsäulen-Verklemmung mittels Inbus der gängige Weg zur Höhenverstellung bei den meisten Tonarmen und Plattenspielern: hakelig, unpräzise und enervierend

Nach der erfolgreichen Höhen-Ausrichtung des Tonarmes, oder besser des Tonabnehmers, am Alto wird die Drehmechanik mit einer griffigen Stellschraube arretiert. Bei der Präzision der Verstellmechanik zeugt diese im Grunde nicht notwendige Arretierung vom Perfektionismus im Hause Räke – es darf sich halt unter keinen Umständen etwas verstellen oder Resonanzen erzeugen. Ich weiß schon jetzt, dass ich diese geniale Vorrichtung am Alto vermissen werde, wenn er in wenigen Tagen wieder zurück geht. Aber die Höhenverstellung ist ja noch nicht alles, was den Alto ausmacht. Denn das Laufwerk selber klingt hervorragend, der Alto spielt mit dem Figaro in dem Zwölf-Zoll-Tonarm wirklich großartig. Als ich zum Vergleich mein ART 9 im Musical Life am Bardo dagegen hörte, stellte sich unweigerlich Besitzer-Frust ein. Man weiß natürlich, dass dieses in sehr großem Maße den Qualitäten des Figaro geschuldet ist. Es kostet ja auch das Doppelte eines ART 9. Aber so viel Klanggewinn für gut tausend Euro mehr ist anderswo schwer zu machen. Doch auch der Arm und der Alto leisten ihren klanglichen Beitrag, was nach dem Umbau meines ART 9 in den TR-1200 S am Alto sofort klar zu hören war. Der Alto entlockte nach schnell gefundener, klanglich richtiger Armneigung auch dem für sein Geld erstklassigen ART 9 sein ganzes dynamisches und farbenprächtiges Können. Der Alto löste ausgezeichnet auf und gefiel insgesamt durch ein sehr geordnetes Klangbild bei lebendiger Gangart.

Die Markierung am feststehenden Teil der Basis erleichtert das Rekonstruieren der richtigen Position. Darüber sieht man den gerändelten Feststeller
Die Markierung am feststehenden Teil der Basis erleichtert das Rekonstruieren der richtigen Position. Darüber sieht man den gerändelten Feststeller

Nach dem Rückbau des Figaro in den Transrotor habe ich meine Musik dann auf dem hohen Niveau genossen, das der Alto und das Figaro im TR-1200 S gemeinsam erreichen. Nur zwei Beispiele: Der Live-Mitschnitt von Deep Purples Concerto For Group And Orchestra von 1969 in der Drei-LP-Box von Parlophone habe ich wegen der Freude am bestechenden Klang komplett gehört. Es war wirklich ein audiophiles Erlebnis, wie filigran seidig, im ersten Satz aber auch gewollt bissig, die Streicher erklangen, wie Roger Glovers Bassgitarre sich konturiert und energisch abzeichnete und das Schlagzeug von Ian Pace kraftvoll dynamisch, aber dennoch wohl gestaffelt explodierte. Jon Lords Orgel malte ihre Klangbilder meist fein strukturiert im Hintergrund. Ritchie Blackmores virtuoses Gitarrenspiel gefiel auch wegen seiner kleinen, neckischen Ausschweifungen. Faszinierend war für mich jedoch die Stimme von Ian Gillan. Sie klang glaubhaft jugendlich, er war damals 24 Jahre jung. Bei „Child in Time“ ist in den Gesangpausen deutlich sein Atmen zu vernehmen und man spürt, wie er sich auf den nächsten Einsatz konzentriert und sich in seinem Atemrhythmus vorbereitet. Auch mit Gregory Porters Album Be Good konnte ich schönste Klangdimensionen erfahren. Die Farbigkeit der Instrumentierung zeigte sich besonders auffällig und packend bei der dynamischen und feingliedrigen, grandiosen Reproduktion der Schlagzeug-Becken, so im Stück „When Did I Learn“. Die räumliche Tiefe und Stabilität waren erstklassig. Die Akkuratesse in den tiefen Tonlagen war beachtlich. Bässe klangen klar strukturiert und plastisch. Der Alto verbindet eine angenehme innere Ruhe mit der Fähigkeit zur spektakulärer Explosivität. Er musiziert auf eine Weise, die den Hörer nicht belastet. Er lässt ihn in die Musik eintauchen. Gleichzeitig, und das ist die Kunst, unterbindet er mit seinem dynamischen Impulsverhalten jegliche Gleichförmigkeit und fesselt an das klangliche Geschehen, so dass zumindest ich nicht müde wurde, hinzuhören.


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