tests/19-06-25_keces
 
Test.
Deutsch English|

Keces Sphono und Spower

25.06.2019 // Dirk Sommer

Dadurch, dass Keces nun auch die drei höheren Werte anbietet, von denen ich zumindest die beiden ersten beim Ephono schmerzlich vermisst habe, gibt es bei der Auswahl der Tonabnehmer keine Einschränkungen mehr. Laut der Faustformel zur Bestimmung der Abschlussimpedanz – Innenwiderstand des Abtasters mal zehn bis zwanzig – waren beim Ephono ja Tonabnehmer mit einer Impedanz von über 20 Ohm so gut wie ausgeschlossen. Zudem hatte der Test gezeigt, dass der Ephono umso räumlicher spielt, je mehr man sich dem oberen Faktor nähert. Sowohl für die MM- als auch für die MC-Eingänge lässt sich per Kippschalter auf der Frontplatte die Verstärkung um jeweils sechs Dezibel erhöhen, so dass maximal 46 respektive 66 Dezibel erreicht werden. Ein Subsonic-Filter kann über einen dritten Schalter aktiviert werden. Der vierte Kippschalter lässt einem die Wahl zwischen der Entzerrung nach der RIAA- oder IEC-Schneidekennlinie. Die maximale Abweichung von der eingestellten Kurve gibt Keces mit 0,2 Dezibel an. Vergoldete Cinch-Buchsen und ebensolche Kontakte bei den XLR-Ausgängen darf man in dieser Preisklasse ebenso erwarten wie „Widerstände und Kondensatoren in audiophiler Qualität“, deren Verwendung Keces in der Produktinformation erwähnt.

Der Spower liefert eine unsymmetrische Spannung von 15 Volt und eine symmetrische von plus/minus 48 Volt. Er kann über den Schalter an der Frontplatte oder eine Triggerspannung von 12 Volt aus dem Standby-Betrieb aktiviert werden
Der Spower liefert eine unsymmetrische Spannung von 15 Volt und eine symmetrische von plus/minus 48 Volt. Er kann über den Schalter an der Frontplatte oder eine Triggerspannung von 12 Volt aus dem Standby-Betrieb aktiviert werden

Die guten Erfahrungen mit dem Ephono haben mich wohl etwas vermessen werden lassen: Die 700-Euro-Phonostufe aus der Kette im Wohnzimmer durfte in den Hörraum umziehen, damit ich mit der noch höher auflösenden Anlage die Unterschiede zwischen den beiden Keces leichter beurteilen kann. Los ging's mit dem Ephono. Im Vergleich zu Einsteins The Turntable's Choice – der dank der vollsymmetrischen Auslegung fast so rausch- und brummfrei ist, wie ein Line-Eingang ohne vorgeschaltete Phonostufe – fällt auf, dass der so enorm günstige Keces bei angehobenem Tonarm – und den von mir präferierten gehobenen Pegeln – ein ganz leichtes Rauschen vernehmen lässt. Das wird durch das Laufgeräusch der Nadel in der Rille natürlich völlig überdeckt und ist sofort vergessen, wenn die ersten Takte erklingen: Da geht es nicht um die letzten Zentimeter Bühnengröße oder ein wenig mehr Luft um die Instrumente. Die Musik macht bei der Entzerrung durch den Ephono einfach Spaß und weckt Emotionen. Natürlich kann man in einer Kette, in der die meisten Netzkabel kostspieliger sind als der ganze Ephono, feststellen, wo die Phonostufe an ihre Grenzen kommt. Die Einstein bezaubert beispielsweise mit mehr Raum, Klangfarben und Details, aber der „kleine“ Keces konzentriert sich auf das Wesentliche: Er macht jede Art von Musik einfach zum Genuss – und ohrenfällig nichts falsch. Da wird kein Frequenzbereich über Gebühr hervorgehoben, da wird nichts komprimiert – ohne Vergleich mit deutlich teureren Phonostufen vermisst man erst einmal nichts.

Für jeden der beiden MC-Eingänge stehen sechs Lastimpedanzen oder Kombinationen daraus zu Verfügung
Für jeden der beiden MC-Eingänge stehen sechs Lastimpedanzen oder Kombinationen daraus zu Verfügung

Die Zufriedenheit hält so lange an, bis die Phono-Stufe aus Keces' Superior Series ins Spiel kommt. Die Sphono spielt noch einmal ein Stückchen dynamischer und offener, bildet ein wenig größer ab und suggeriert eine deutlich breitere und tiefere Bühne. Ja, die neue, „große“ Phonostufe ist nicht nur in den genannten Einzelkriterien überlegen, mit ihr spricht einen die Musik einfach noch direkter and. Und das gilt sowohl für LSCs und ECM-Scheiben als auch für Einsteins The Pickup im SME V und Transrotors Tamino in The Tonarm. Dabei habe ich das Tamino mit 56 Ohm und The Pickup, für den 130 bis 300 Ohm empfohlen werden, mit 220 Ohm abgeschlossen. Nun versuche ich es noch einmal mit der Parallelschaltung von 470 und 1200 Ohm, woraus knapp 338 Ohm resultieren. Damit gelingt The Pickup die Wiedergabe des ersten Satzes des „Concierto Andaluz“, Reissue der Philips 9500 563, noch eine Spur interessanter: Die imaginäre Bühne wirkt ein Stückchen größer, das Spiel der vier Gitarristen und des Orchesters bietet mehr rhythmische Finesse, und die Instrumentengruppen umgibt mehr Luft. Wie schon beim Ephono ist auch bei der Phonostufe der S-Klasse im Zweifelsfall die höhere Abschlussimpedanz die bessere Wahl. Schön, dass man beim Sphono die freie Wahl hat.


  • Antipodes Audio S40

    Antipodes Audio aus Neuseeland ist nach meiner Erfahrung einer der wenigen Hersteller von Musik-Servern und Playern, die in ihren Geräten deutlich sichtbaren, maximalen mechanischen Aufwand nicht scheuen. Damit schaffen sie die Voraussetzung für den bestmöglichen Klang der Elektronik. Der erste Eindruck kann täuschen. Wenn man die Fotos vom S40 sieht, könnte man meinen, es handele sich im Vergleich zur X-Serie, aus der ich den kleinsten, den EX, einst testete, um eine abgespeckte Leichtbauweise. Dem ist…
    23.11.2021
  • AperionAudio Dual AMT Super Tweeter

    Der amerikanische Spezialist AperionAudio bietet mit dem Dual AMT Super Tweeter ein neues Superhochtöner-Topmodell an, das sich anschickt, den von uns hochgelobten Super Tweeter Aluminium aus gleichem Hause in die Schranken zu verweisen. Wir sind sehr gespannt, ob dies dank dualer Ai-Motion-Transformer-Technologie gelingt. Um Ihnen und mir den Einstieg in das Thema zu erleichtern, möchte ich ganz dringend empfehlen, zunächst den Artikel über den von mir bereits getesteten AperionAudio Super Tweeter Aluminium zu lesen. Fertig?…
    19.11.2021
  • SPL Performer s1200

    Ihnen kommt die Endstufe bekannt vor? Zu Recht. Vor zweieinhalb Jahren habe ich Ihnen SPLs famose Monos vorgestellt, die Unmengen an Leistung zur Verfügung stellen, klanglich rundum überzeugten und die ein verboten gutes Preis/Leistungs-Verhältnis ungemein attraktiv macht. Die Stereo-Endstufe Performer s1200 soll an diesen Erfolg anknüpfen. Zur positiven Erfahrung mit den Monos aus gleichem Haus kommt die erfreuliche Tatsache, dass die s1200 schon vor Monaten in Gröbenzell eintraf. Das Vorserienmodell entspricht bis auf auf eine…
    16.11.2021
  • Audioquest Jitterbug FMJ

    Jitterbugs have been permanent fixtures in my chain for almost six years. One sits between the Auralic Aries Femto and the Mytek Manhattan II, the other on a USB input of the Apple TimeMachine. In the meantime, Audioquest has reissued its successful model and equipped it with a metal housing: The Jitterbug Full Metal Jacket, or FMJ for short. Since in the meantime, the TimeMachine no longer acts as a router but only serves as…
    11.11.2021
  • Waversa WminiHPA MK2 und WminiAmp MK2 – Teil 2

    Im ersten Teil wusste der WminiHPA als Streaming-Lösung restlos zu überzeugen. Im Folgenden untersuche ich jetzt noch den Einfluss des Netzteils, und dann geht es um die Fähigkeiten als Kopfhörerverstärker in Verbindung mit Roon. Anschließend beschäftige ich mich mit dem Verstärker WminiAmp sowohl einzeln als auch im Zusammenspiel mit dem WminiHPA. Der Austausch des kleinen Steckernetzteils gegen ein gutes Linear-Netzteil ist ein wesentlicher Punkt, den man in Betracht ziehen sollte, wenn er nicht sogar unerlässlich…
    02.11.2021
  • Wireworld Platinum Starlight 8 koaxial und symmetrisch

    In meinem Testbericht über die Wireworld Starlight 8 Digitalkabel versprach ich, das Spitzenmodell Platinum in der symmetrischen AES/EBU Version und als koaxiales S/PDIF miteinander zu vergleichen. Beide sind preisgleich. Hört man Unterschiede?. Das ist ein spannender Vergleich, denn es handelt sich hier zwar um zwei gleichartige Kabel, was die Wertigkeit des Materials anbelangt, technisch unterscheiden sie sich jedoch durch den symmetrischen Aufbau mit separater Masse und einer Impedanz von 110 Ohm einerseits und einer Impedanz…
    29.10.2021

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.