tests/19-07-05_buchardt
 

Buchardt Audio S400

05.07.2019 // Matthias Jung

Und tatsächlich tut sich mal wieder einiges, besonders in der Abbildungsschärfe legen die S400 noch ordentlich zu. Und natürlich fühlt man den Lautsprechern nach den ganzen Ankündigungen erst einmal mit schwerer Kost auf den Zahn. Electronic mit „Smitten“ von Inga Copeland hämmert schon manisch tief vor sich hin, um dann auch noch von einem bösen Synth-Bass unterlegt zu werden. Und da man solche Musik nur laut hören kann, wird gleich mal geguckt, ob die Chassis wirklich so viel Hub machen können. Die einzelnen synthetischen Bassschläge kommen mit Wucht und Nachdruck, wie ich es an sich tatsächlich nur von wesentlich größeren Lautsprechern gewohnt bin. Aber das ist nicht alles. Der Tieftonbereich bleibt dabei absolut fest, ohne das bei Bassreflexlautsprechern fast immer vorhandene Nachschwingen. Erinnert mich an geregelte aktive Bässe oder eher an geschlossene Lautsprecher, die vor dem für das Gehäuse an sich zu großen Tieftöner einen zusätzlichen Hochpasskondensator haben, der den Bassbereich ausdehnt. Nur begrenzen solche Konstruktionen bei höheren Lautstärken recht schnell, was die S400 definitiv nicht macht. Selbst bei sehr hohen Pegeln bleibt sie auch von heftigsten Bassattacken und Dynamiksprüngen komplett unbeeindruckt und sauber. Das ist nun doch etwas unerwartet, selbst wenn man die in dem Bereich sicher nicht ausgemergelt spielende kleine Schwester kennt. Dazu kommt, dass es keine Überhöhung im Oberbass gibt. Zwischen 50 – 80 Hertz sind die Buchardt voll auf der Höhe und produzieren so richtig Druck, verschmieren aber darüber eben auch nichts. Nun besteht Musik ja nicht nur aus Bass.

Da der Lautsprecher konstruktiv schon viel richtig macht, musste die Weiche nicht aufwendig sein. Filter zweiter Ordnung und eine Entzerrung des Hochtöners im Waveguide reichen
Da der Lautsprecher konstruktiv schon viel richtig macht, musste die Weiche nicht aufwendig sein. Filter zweiter Ordnung und eine Entzerrung des Hochtöners im Waveguide reichen

„Romance“ von Beth Gibbons, Sängerin von Portishead und Rustin Man, Bassist von Talk Talk, zusammen auf out of season. Gibbons‘ Stimme vor Bass, Bläsern und Streichern mit Hintergrundchor. Das projizieren die Buchardt sehr präzise und plastisch in den Raum, setzen die Hallfahnen der Hintergundsänger ab. Die Bläser intonieren genau richtig, viele feine Dynamiksprünge machen den langsamen Song zum Genuss. Gibbons‘ immer etwas brüchige Stimme kommt ungewohnt facettenreich daher. Überhaupt gibt es kein Fragezeichen, wie jetzt was wo passiert und vor allem nicht warum. Es wohnt den Buchardt eine große Selbstverständlichkeit inne, da sie ihre Abbildungsschärfe nie einbüßen, dabei aber nicht nur Strukturen, sondern auch Körper frei im akustischen Rund verteilen. Wie schon oft bei Lautsprechern mit Waveguide im Hochton beobachtet, läuft der abgebildete Raum nicht automatisch bis unter die Decke, oder weit über die Ränder links und rechts hinaus, sondern orientiert sich an der Aufnahme. Große Kuppel bei Arvo Pärt? Vorhanden. Weiter Raum bei trockener Studioaufnahme? Fehlanzeige. Man könnte die S400 durchaus als Monitor verwenden. Als sehr ausgeglichen ohne Ausreißer kann man sie beschreiben. Lediglich im Hochtonbereich scheinen sie mir im Pegel manchmal etwas reduziert. Dabei bleibt dieser Bereich aber immer sauber neutral. Besser so, als wenn sie einem die Ohren zersetzen.

Die Abdeckungen halten magnetisch und verwandeln die Buchardt Audio S400 in einen optisch völlig unauffälligen Lautsprecher
Die Abdeckungen halten magnetisch und verwandeln die Buchardt Audio S400 in einen optisch völlig unauffälligen Lautsprecher


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