tests/19-08-16_diretta
 

Diretta Audio Protokoll

16.08.2019 // Roland Dietl

Dirk Sommer hatte es ja am Ende seine Berichts über den Fidata HFAS1-XS20U Musikservers bereits angekündigt: das Gerät kann Musikdaten auch per Ethernet gemäß dem Diretta-Audio-Protocol versenden. Der klangliche Unterschied wurde uns auf der diesjährigen High End vorgeführt. Grund genug, sich mit dieser Technologie genauer zu beschäftigen.

Ethernet-Streaming oder Streaming over IP ist ja in aller Munde. Oft wird Ethernet-Streaming pauschal eine höhere Qualität nachgesagt als der eher unbeliebten Verbindung über USB. Doch dabei werden meist Äpfel mit Birnen verglichen. Beispiel gefällig: Dirk Sommer hat in seinem Test die Verbindungsstrecke vom Fidata über den Aries G1 und von dort über USB zum M-Scaler mit einer direkten Verbindung über USB vom Fidata zum M-Scaler gegenübergestellt. In einer derartigen Konstellation vergleicht man aber nicht – was Dirk Sommer auch nicht getan hat – Ethernet mit USB, sondern unterschiedliche Konzepte. Im ersten Fall kommt es zur Trennung zwischen Server (Fidata) und Renderer, der jetzt auf dem Aries G1 läuft. Auch wenn wir das eigentlich nicht hören wollen, mit dem Aries G1 ist ein zweiter Computer im Spiel – das kann Vorteile im Hinblick auf die Lastverteilung haben, muss aber nicht zwangsläufig so sein. Im zweiten Fall laufen Server und Render auf einem gemeinsamen Computer, nämlich dem Fidata. Sie sehen, so einfach ist das Ganze nicht. Deshalb war ich auch nach der Demonstration von Diretta auf der High End und den gehörten Unterschieden erst einmal ziemlich skeptisch, da auf die Schnelle nicht so ganz klar war, was wir eigentlich verglichen hatten.

Diretta ist ein brandneues, hierzulande noch praktisch unbekanntes Kommunikationsprotokoll aus Japan, das für die Übertragung von Musiksignalen auf Ethernet-Basis, speziell für High End Audio konzipiert wurde. Nun sind spezielle Protokolle für die Audio-Übertragung im Grundsatz nichts Neues, so sind im Heimbereich Roon mit RAAT oder im Profi-Bereich Dante oder Ravenna bekannte Vertreter. Die Frage ist, was diese Protokolle eigentlich machen.

In einem Computernetz sind bekanntlich verschiedene Geräte miteinander verbunden. Die Kommunikation zwischen den einzelnen Geräten gestaltet sich komplizierter, als es auf den ersten Blick scheinen mag. Über das, was da im Detail abläuft, machen wir uns in der täglichen Praxis keine Gedanken, so lange alles reibungslos funktioniert. Die notwendigen Kommunikationsabläufe werden in verschiedene, aufeinander aufbauende Schichten (Layers) eingeteilt. Ganz grob wird dabei in die Schichten Anwendung, Transport, Vermittlung, Sicherung und Bitübertragung unterschieden. Diese Layer müssen sowohl auf der Sender- als auch auf der Empfängerseite nach festgelegten Regeln arbeiten, die in einem Protokoll beschrieben sind. Der Datenfluss selbst erfolgt vertikal zwischen den Schichten. Dabei stellt jede Schicht Dienste zur Verfügung, die eine darüber liegende Schicht nutzen kann und greift dabei selbst auf die Dienste einer darunterliegenden Schicht zurück.

Klingt ziemlich abstrakt – doch nehmen wir zum besseren Verständnis einfach ein Beispiel aus dem praktischen Leben. Sie schreiben Ihrem Geschäftspartner einen Brief. Inhalt des Briefs, Briefpapier und Umschlag werden von Ihnen bestimmt. Sie oder Ihre Sekretärin bringen den Brief zur Hauspost (Anwendungsschicht). Der dortige Mitarbeiter (Transportschicht) klärt, welche Übertragungswege bestehen. Der Brief könnte klassisch durch die Deutsche Post oder durch einen Kurier zugestellt werden. Da der Brief eilt, wählen Sie den Kurier und verlangen gleichzeitig eine Empfangsbestätigung durch den Empfänger. Im nächsten Schritt liest der beauftragte Kurier die Adresse vom Briefumschlag ab und gibt sie in sein Navi ein, um die optimale Route zum Empfänger zu finden (Vermittlungsschicht). Ihnen ist natürlich wichtig, dass Ihr Brief unversehrt und ungelesen beim Empfänger ankommt. Der Kurier versichert dies durch seine Referenzen und verspricht, geeignete Sicherungsmaßnahmen einzuhalten (Sicherungsschicht). Der Kurier kann Ihren Brief jedoch nur zustellen, wenn öffentliche Wege zum Ziel führen. Befindet sich Ihr Empfänger auf einer einsamen Insel, dann wird die Zustellung mit dem Auto schwierig (Bitübertragungsschicht).

Diretta ist in den Einstellungen des DAC SPEC RMP-X2 aktiviert
Diretta ist in den Einstellungen des DAC SPEC RMP-X2 aktiviert


  • Transparent Powerwave, Performance & High Performance

    Die Gelegenheit für den Test des Transparent Stromfilters Powerwave könnte passender nicht sein. Während des angesetzten Testzeitraums steht mein Umzug an. Somit kann ich das Filter mit identischer Anlage an zwei verschiedenen Orten, in zwei verschiedenen Stromkreisen testen. Der Hersteller Transparent gehört in den Staaten seit Jahrzehnten zu den großen Kabelspezialisten im HiFi-Bereich. Auf dem deutschen Markt sind sie zwar keine Unbekannten, gehören allerdings auch nicht zwangsläufig zu den ersten drei Namen, die ein HiFi-Liebhaber…
    03.07.2020
  • sound|kaos VOX 3f

    Ich hatte es ja bereits angekündigt: Mein Trip in Sachen Bonsai HiFi geht mit der Vox 3f von sound|kaos in die nächste Runde. Als ich mich während der Testphase des Bakoon AMP-13R mit Carsten Hicking vom deutschen Vertrieb über geeignete Spielpartner im Bereich Lautsprecher unterhielt, fiel der Name Vox 3f von sound|kaos. Das lies mich aufhorchen, hatte ich doch die Lautsprecher von sound|kaos schon länger auf meiner Wunschliste. Und damit war klar, das Teil musste…
    30.06.2020
  • TW Acustic Raven GT2 und Raven 10.5

    Es ist jetzt fast elf Jahre her, dass ich mich erstmals mit einem TW-Acustic-Laufwerk beschäftigte habe. Damals war das der Raven .5 mit einem Jelco-Arm, den ich mit einem Denon 103 kombinierte. In Erinnerung behalten habe ich die ungeheure Spielfreude des kleinen Raben. Wenn das GT-Modell ähnlich agiert, wird der Test richtig Spaß machen. In der Zwischenzeit hat sich so einiges getan: Thomas Woschnik, der Entwickler der Raven, hat natürlich seine Modellpalette überarbeitet und vertreibt…
    26.06.2020
  • Rosson Audio Design RAD-0

    Selbst wenn dieser Artikel bei Ihnen einen „Haben-Wollen-Impuls“ auslösen sollte: Ein identisches Exemplar werden Sie nicht erwerben können, denn Rosson Audio Design fertigt ausschließlich Unikate. Allerdings sind lediglich die beiden Gehäuseringe jedes RAD-0 einzigartig. Die Technik und der Klang sind immer auf demselben hohen Niveau. Wenn Ihnen der RAD-0 mit seinen keilförmigen Ohrpolstern und den großen runden Gehäusen für die magnetostatischen Treiber seltsam vertraut vorkommt, dürfte das daran liegen, dass Firmengründer Alex Rosson zuvor schon…
    23.06.2020
  • Melco S100

    Thanks to Melco, I haven't played my ripped CDs and high-resolution audio files on a computer for years. In the meantime, the Japanese digital specialists offer not only various music servers and network players, but also a switch optimized for audio applications. In my wife's chain located in the living room an N1A 60HA/2 provides the data, while in the my listening room it's an N1Z 60HA/2 taking over the job, and for ripping CDs…
    19.06.2020
  • Audio Note Cobra

    Wenn ein x-beliebiger Hersteller den x-ten EL34-Vollverstärker auf den Markt bringt, wäre das in den meisten Fällen kaum einer Erwähnung wert. Wenn der Hersteller jedoch Audio Note heißt, gleichbedeutend mit einer neuen Einstiegsofferte in die AN-Welt der Integrierten, dann lockt das auch abgezockte Röhren-Freaks hinter dem Ofen hervor! Vollverstärker mit der Pentode EL34 gibt es wie Sand am Meer. Und nahezu jeder Hersteller, der Röhrenverstärker baut, hat auch mindestens ein Modell mit dieser Röhre im…
    16.06.2020

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.