tests/19-08-16_diretta
 

Diretta Audio Protokoll

16.08.2019 // Roland Dietl

Jetzt schauen wir uns an, was technisch hinter den einzelnen Schichten steckt. Mit der Anwendungsschicht sind keine Anwendungen wie Programme oder Apps gemeint, sondern die Anwendungsschicht bildet die Schnittstelle zwischen Programmen und Netzwerk. Auf dieser Schicht wird häufig das HTTP-Protokoll verwendet. Die Transportschicht regelt die Kommunikation zwischen den Computern. Durch die Wahl des Protokolls wird ferner festgelegt, ob eine Empfangsbestätigung (TCP) angefordert wird oder nicht (UDP). Die Vermittlungsschicht ist für das Routen von Nachrichten von einem Computer zum anderen zuständig. Hier kommt das allseits bekannte Internet Protocol (IP) zum Einsatz. Die wichtigste Funktion ist dabei die Zuteilung einer IP-Adresse im Netzwerk. Die Sicherungsschicht ist für die fehlerfreie Übertragung des Datenstroms zuständig, der hierfür in Pakete aufgeteilt und mit Prüfsummen versehen wird. Die Sicherungsschicht arbeitet zudem mit der MAC-Adresse, um Geräte eindeutig identifizieren zu können. In der Bitübertragungsschicht werden schließlich die hardware-technischen Voraussetzungen, wie die zu verwendenden Kabel- und Stecker-Typen, festgelegt.

Sie sind noch mit dabei? Prima dann übertragen wir jetzt das Ganze auf unsere Musikdaten und unterstellen, dass UPnP zum Einsatz kommt. Unser Server möchte Musikdaten an den Renderer „X“ versenden. Dabei wird in der Anwendungsschicht das HTTP-Protokoll verwendet. Die Transportschicht versieht die Daten mit dem Label „TCP“, was übersetzt heißt, dass eine Empfangsbestätigung benötigt wird. In der Vermittlungsschicht wird Empfänger „X“ in eine IP-Adresse übersetzt, die zusätzlich auf den Daten aufgebracht wird. In der Sicherungsschicht wird die IP-Adresse in die jeweils nächstgelegenen MAC-Adressen übersetzt und in der Bitübertragungsschicht werden schließlich unsere Daten physisch über die bekannten Ethernet-Kabel und –Stecker an den Renderer „X“ übertragen.

Prima sagen Sie, aber was macht nun Diretta anders? Nun, auf der Anwendungsschicht kommt nicht das HTTP-Protokoll, sondern das Diretta-Protokoll zum Einsatz. Ziel dieses Protokolls soll es sein, dass Daten in regelmäßigen und kurzen Abständen transportiert werden. Damit soll die Prozessorauslastung verstetigt, respektive reduziert und damit das Störgeräuschverhalten gezielt positiv beeinflusst werden. In der Vermittlungsschicht verwendet Diretta IPv6 anstelle des bei UPnP üblichen IPv4. Als Begründung wird angeführt, dass bei IP6 der Header eine feste Länge von 40 Bytes besitzt und der Router-Prozess einfach sei. Deshalb wäre die Übertragungseffizienz besser als bei IPv4, das mit einer variablen Länge von 20 bis 60 Bytes eher kompliziert ist.

Diretta ist im Fidata Server aktiviert
Diretta ist im Fidata Server aktiviert

Und nun zur Gretchen-Frage: Kann man mit Diretta eine klangliche Verbesserung hören? Die praktische Überprüfung ist gar nicht so einfach, da man auf Senderseite (Server) und auf Empfängerseite (DAC) Geräte benötigt, die dieses Protokoll verstehen. Und diese Geräte sind mehr als rar. Für den Fidata Server haben wir über den deutschen Vertrieb WOD ein spezielles Update direkt aus Japan erhalten, das Diretta auf dem Fidata implementiert. Das Update habe ich manuell von einem USB-Stick eingespielt und es funktionierte auf Anhieb. Ein weiterer Beweis für die Ausgereiftheit der im Fidata verwendeten Software. Noch schwieriger gestaltete sich die Suche nach einem geeigneten DAC. Hier hat uns schließlich Herr Piet de Vries (Audiotweaks, Vertrieb SPEC CORPORATION) mit dem RMP-X2 von SPEC CORPORATION ausgeholfen. Dieses Gerät ist ein reiner LAN-DAC ohne USB-Unterstützung, der extrem aufwändig mit ausgelagertem Netzteil gefertigt ist.

Um mich mit den Geräten vertraut zu machen, habe ich zunächst den Fidata Server in meine Anlage integriert. Da ich schon seit längerer Zeit die ausgezeichnete Fidata App verwende, war die Bedienung für mich kein Problem. Der Fidata Server ist zweifellos klanglich allererste Sahne. Nach einigen Tagen habe ich dann meinen PS Audio DirectStream DAC durch den RMP-X2 ersetzt. Der RMP-X2 war dabei mit einem JCAT LAN-Kabel mit meinem SOtM-Switch verbunden. Der RMP-X2 klingt dynamisch, entspannt ohne jede Härte und hat eine beeindruckende Räumlichkeit; er ist fraglos ein perfekter Spielpartner für den Fidata Server.


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