tests/19-10-04_genuin
 

Genuin Audio pearl

04.10.2019 // Dirk Sommer

Für das Lyra Etna wird eine Impedanz von 4,2 Ohm angegeben, die des Transrotor JR Tamino wird zwar offiziell nicht genannt, dürfte aufgrund seiner engen Verwandschaft mit dem Air Tight PC-1 Supreme mit seinem Innenwiderstand von einem Ohm aber noch deutlich niedriger liegen. Aber das ändert nichts daran, dass das Perkussion-Spektakel auf der Living Stereo nun noch mehr Spaß macht als mit dem Etna, was natürich auch ein wenig damit zu tun hat, dass das Lyra im SME V montiert ist, das Tamino aber in der Zwölf-Zoll-Variante von Einsteins The Tonarme. Und der passt mit seiner relativ hohen effektiven Masse und seiner Rigidität einfach perfekt zum Tamino. Das Duo wird von der pearl hervoragend ergänzt: Die Raumanmutung wirkt nicht nur größer, sondern auch realistischer. Es gibt noch ein wenig mehr Druck im Tieftonbereich, und auch die Klangfarben erscheinen ein bisschen satter als bei Etna und SME V.

Das Netzteil wurde um einen 250-VA-Trafo herum aufgebaut
Das Netzteil wurde um einen 250-VA-Trafo herum aufgebaut

Ob es noch besser geht, kann nur der direkte Vergleich mit Einsteins beinahe doppelt so teurem The Turntable's Choice zeigen. Dazu lege ich eine alte Three-Blind-Mice-Scheibe auf: Montreux Cyclone mit Bingo Miki und dem Inner Galaxy Orchestra. „Cyclone From The East“ beginnen der Drummer und der Perkussionist mit einer rhythisch verspielten Einleitung, bevor dann ihre 22 Kollegen mit einigen Riffs zum Saxophon- und Flöten-Solo Hidehiko Matsumotos überleiten: pure Energie! Und das völlig unabhängig davon, welcher Entzerrer gerade spielt. Die Unterschiede zwischen beiden sind recht gering. Der Einstein suggeriert eine ein wenig größere Bühne, so dass die Instrumentengruppen minimal feiner differenziert werden und eine Spur plastischer dargestellt werden – was allerdings nur über eine Kette mit sehr hoher Auflösung wahrzunehmen sein dürfte. Die höhere Abschlussimpedanz des pearl erweist sich also auch bei einem System mit sehr geringem Innenwiderstand nicht als Nachteil. Auch mit dem Tamino erreicht Genuin Audios Phonostufe ein sehr hohes klangliches Niveau. Bei sehr kräftigen Pegeln und angehobenem Tonarm lässt die pearl übrigens ein leichtes Rauschen hören, das natürlich vom Laufgeräusch der Nadel in der Rille überdeckt wird und auch sonst nicht stört. Ich hätte es nicht der Erwähnung für wert gefunden, wenn es auch beim Einstein auftreten würde. Aber der spielt ja auch in einer höheren Preisklasse.

Der Strom aus dem Netz wird von hochfrequenten Störungen und Gleichstromanteilen befreit
Der Strom aus dem Netz wird von hochfrequenten Störungen und Gleichstromanteilen befreit

Zum Schluss spendiere ich der pearl noch ein paar Songs mit einem Tonabnehmer, der aufgrund seines hohen Innenwiderstandes für höhere Abschlussimpedanzen prädestiniert ist: Brinkmanns EMT ti. Schließlich wähle ich eine Scheibe, die mir schon mit meinen ersten EMTs sehr gut gefallen hat, Jack DeJohnettes Tin Pan Alley, übrigens ein Tipp meines Freundes und heutigen Kollegen Wolfgang Kemper. Ich beginne erst einmal mit moderaten 250 Ohm – obwohl Helmut Brinkmann etwas mehr als das Doppelte empfiehlt. Das Titelstück hat nichts von seiner damaligen Faszination eingebüßt, auch wenn sich bei meiner jetzigen Kette die Musik besser von den Lautsprechern löst, viel mehr Details zutage treten und die Dynamik schier unbegrenzt zu sein scheint. Fern ab all dieser Hifi-Kriterien scheint mir der Sog, den dieses wilde Quartett aus Schlagzeug, Bass, Bariton- und Tenorsaxophon entwickelt, noch intensiver geworden zu sein. Zugegeben, für Pop- und Klassikhörer ist das keine allzu leichte Kost, aber auch dank der enormen Durchzeichnung der pearl treten die Strukturen der Komposition klarer hervor, wodurch sie ein gutes Stück zugänglicher wird.


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