tests/20-06-16_audionote
 

Audio Note Cobra

16.06.2020 // Carsten Bussler

Üblicher Standard bei Audio Note sind die versilberten Cinchbuchsen
Üblicher Standard bei Audio Note sind die versilberten Cinchbuchsen

Natürlich war ich gespannt wie denn der Cobra – selbst jetzt in der Mitte des Textes fällt es mir immer noch schwer, nicht „die Cobra“ zu schreiben – nun klingt und verbandelte den Vollverstärker mit meinen neuen Odeon Rigoletto 2020 Zweiweghörnern mit einer Empfindlichkeit von 94 Dezibel pro Watt und Meter, für die die nominell 27 Watt Ausgangsleistung an acht Ohm ja quasi schon einen Leistungsoverkill darstellen. Schon in der Warmlaufphase, in der ich einige Vinylscheiben eher nebenbei durchdudelte, war der typische Audio-Note-Charakter zu erkennen: Es klang satt, schnell und farbstark und alles andere als anämisch. Also eher dralles Curvy Model als klapperdürre Laufsteggrazie. Nach gut eineinhalb Stunden Dauerbetrieb schien sich der Cobra vollends akklimatisiert zu haben und er sprühte jetzt vor Spielfreude. Erstaunlicherweise ließ das Poti trotz der gegenüber meinen Trioden gut zehnfachen zur Verfügung stehenden Leistung einen vernünftigen Regelbereich zu; tatsächlich hatte ich erwartet, es würde aus Rücksicht auf meine Ohren in der Neun-Uhr-Position kleben bleiben.

Dieser Leistungsheadroom sorgte dafür, dass das Bassfundament noch wuchtiger und substanzieller geriet, als ich es zum Beispiel vom meinen eigenen 2A3(H)-Trioden gewohnt bin. Ich war so richtig auf Spaß aus – meine Frau frotzelte ob der Lautstärken „auf Krawall gebürstet“ – und ich hatte zunächst keine Lust auf anstrengende „ernste“ Musik, also war es mal wieder Zeit für die obligatorischen „Hells Bells“ von AC/DC (Back in Black, Atlantic Records, 1980). Beim Losscheppern der Höllenglocken hatte ich zeitweilig Angst um die kleinen GAP 18-Zentimetertreiber der Odeons, so donnerten die Tieftöne durch meinen Hörraum. Letztlich war die Angst unbegründet, zeigten die Tiefmitteltöner doch kaum sichtbare Auslenkungen.

Blitzsauberer Aufbau im Inneren mithilfe von Platinen
Blitzsauberer Aufbau im Inneren mithilfe von Platinen

Weiter ging es mit alternativem Rock-Pop aus Island. Nanna Bryndis Hilmarsdottir, Sängerin der isländischen Band Of Monsters and Men, sorgte mit ihrer so besonderen Stimme für eine ganz subtile Spannung in „I Of The Storm“ vom 2015er-Album Beneath the Skin. Der Audio Note Cobra vermochte es, alle Nuancen ihrer Gesangsfacetten herauszuarbeiten und erlebbar zu machen, das war schon Gänsehaut pur. Feinste, leise ausklingende Töne wurden klar und substanziell wiedergegeben. Rein subjektiv schien die Bühne, die dieser Verstärker aufbaute, minimal weiter in die Tiefe ausgedehnt zu sein als in die Breite. Das mag aber durchaus ein Effekt sein, der stark raum-, lautsprecher- und musikmaterialabhängig ist und gar nichts mit dem Cobra zu tun hat, sondern ein Indiz dafür, dass ich für meine neuen Lautsprecher noch nicht die perfekte Aufstellung gefunden habe. Bei der Platte Strangeways, Here We Come von The Smiths (Rough Trade, 1987) beispielsweise relativierte sich dieser Effekt nämlich wieder, ebenso mit Vivaldis Die vier Jahreszeiten (Yehudi Menuhin, His Master´s Voice, 1985). Jedenfalls macht der Cobra wahnsinnig viel Spaß und in der Folge kam über etliche stundenlange Hörsessions so ziemlich alles von Bruce Springsteen über R.E.M. bis Torfrock auf den Plattenteller.


  • Powergrip YG-2

    Sauberer Strom aus dem Netz ist die Basis für den guten Klang einer jeden Hifi-Anlage. Der norddeutsche Lautsprecher-Hersteller Phonar vertreibt neben dem Kabelsortiment von Wireworld aus Florida auch die Netzfilter von Powergrip aus Moskau. Aktuell gibt es zwei Modelle, die nicht nur dank ihrer bodenständigen Preise neugierig machen. Das Angebot an Netzfiltern und Stromaufbereitern ist in Deutschland groß. Noch größer ist, so denke ich, die Schwierigkeit, das passende Gerät für den eigenen Bedarf ausfindig zu…
    05.03.2021
  • MUTEC REF10 SE120

    With the presentation of the REF10 SE120, a 10 MHz reference clock generator, MUTEC claims nothing less than the technological as well as audiophile top position within this device category for itself. Strong words – we want to see if this is followed by corresponding sonic deeds. When I read this announcement in MUTEC's press release, I was skeptical and curious at the same time. Skeptical, because I had reviewed the "normal version" of this…
    04.03.2021
  • iFi iDSD Diablo

    iFi geht einen Pakt mit dem Teufel ein. Der neue portable Kopfhörerverstärker iDSD Diablo setzt auf eine neue Designsprache. Sind wir von iFi eher gedeckte Farben mit akzentuierter Beschriftung gewohnt, ist der Diablo knallrot. Passend, schließlich stellt er die höchste Ausbaustufe der mobilen iDSD-Reihe dar – Qualitätsstufe Rot sozusagen. Somit war ich bei der Veröffentlichung des Diablo überrascht. Nicht nur aufgrund der ungewohnten Farbwahl, sondern weil er für ein Modell der iDSD-Reihe so einiges anders…
    02.03.2021
  • Ansuz Acoustics PowerSwitch A2 – Part 1

    This review not only deals with the Ansuz switch and its sonic effects when setting up a LAN network, but also the question of the sequence in which a home audio network has to be set up in order to gradually obtain musical enhancement. Maybe you feel the same way as I do. At some point, in addition to sourcing music in analogue or in digital form through the CD player, I started to implement…
    26.02.2021
  • Miyajima Laboratory PS-01

    Wer schon häufiger unterschiedliche Vor- und Endverstärker kombiniert hat, wird dieses Phänomen vielleicht kennen: Bereits in der Neun-Uhr-Position des Lautstärkereglers spielt die Anlage viel zu laut und es ist kein sinnvoller Regelbereich vorhanden. Hier könnte der passive Miyajima Laboratory PS-01 die perfekte Lösung sein. Viele Endstufen, und zwar unabhängig davon, ob es sich um einen Transistor- oder um einen Röhrenverstärker handelt, verfügen über einen derart hohen Verstärkungsfaktor, dass sie eigentlich gut als Vollverstärker fungieren könnten.…
    23.02.2021
  • Ferrum HYPSOS - Part 1

    I've been looking forward to this test for over a year. During the development of the HYPSOS hybrid power supply, the first-ever Ferrum product, I was in constant contact with the developers. I was able to test an HYPSOS with beta firmware back in September. However, the impressive listening experience didn't make the wait any easier. So, just before the turn of the year, the time has finally come. The Hifistatement editorial team received two…
    18.02.2021

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.