tests/21-06-22_transrotor
 

Transrotor Phono III

22.06.2021 // Carsten Bussler

Transrotor hat einen seiner Dauerbrenner nach über einer Dekade überarbeitet, nämlich den Phono-Entzerrer „II“, der jetzt auf die römische Ziffer „III“ hört. Und da dieses Gerät weiterhin zum gleichen Preis im Segment „Ich-bleibe-gerne-auf-dem-Teppich“ angeboten wird, war das für mich ein glasklarer Fall für einen Test.

Nein, in diesem Gerät befinden sich keine Röhren. Nicht weiter schlimm, denn auch ein in seinem HiFi-Blickfeld stark eingeschränkter Röhren-Fuzzi wie ich darf seinen Horizont ruhig mal wieder etwas erweitern. Und tatsächlich war ich sofort Feuer und Flamme für einen Test dieses Phonoentzerrers, denn der Phono III kommt dem Ideal einer HiFi-Komponente meines Erachtens nämlich gleich aus mehreren Gründen schon sehr nah. Erstens ist er mit seinem Preis von 750 Euro noch deutlich im dreistelligen Bereich angesiedelt und damit für ein High-End-Gerät eines etablierten Herstellers wie Transrotor per se interessant. Ich persönlich bin einfach kein Freund der Gigantomanie und kann mich nur selten für Cost-no-object-Geräte begeistern, bei denen Aufwand und Nutzen oft in einem sehr zweifelhaften Verhältnis zueinanderstehen. Zweitens ist das Gerät leicht und relativ klein und damit eben einfach gut handhabbar und Platz sparend. Der hier und da immer mal wieder zu beobachtende Unsinn großzügig umbauten leeren Raums hat sich mir noch nie erschlossen, nur um zum Beispiel ein bestimmtes Geräteformat zu erfüllen oder gar um potenziellen Kunden schlichtweg mehr Schein als Sein vorzugaukeln. Drittens ist dieser Transrotor ein toller Allrounder, der eine enorm hohe Praktikabilität sowie eine sinnvolle Flexibilität mitbringt und dabei dennoch unheimlich leicht zu bedienen bleibt: Ich kann sowohl MM- als auch MC-Tondosen anschließen und ich kann weiterhin alle erforderlichen, praxisgerechten Anpassungen vornehmen – mehr braucht doch kein Mensch!

Schlichte Erscheinung und dennoch ganz typisch und unverkennbar ein Transrotor: der Entzerrer Phono III
Schlichte Erscheinung und dennoch ganz typisch und unverkennbar ein Transrotor: der Entzerrer Phono III

Persönlich konnte ich bislang noch gar nicht so viele Erfahrungen mit Transrotor-Geräten sammeln, allerdings habe ich immer mal wieder mit den Räkes in den vergangenen Jahren – den „Vor-Corona-Jahren“ - auf den Hamburger HiFi-Tagen sprechen und mich austauschen können. Ich habe die Familie Räke dabei stets als sehr angenehm und auskunftsfreudig in Erinnerung und freute mich entsprechend auf das Telefonat mit Dirk Räke, um einige Hintergrundinformationen zum Entzerrer Phono III zu erhalten. So erfuhr ich im Laufe unseres lockeren Gesprächs beispielsweise, dass er das Gerät auch persönlich zu Hause nutzt und dass er es durchaus für Plattenspieler-Setups bis zu 6000 Euro Gesamtpreis empfiehlt. Das fand ich für dieses vergleichsweise günstige Gerät einerseits durchaus bemerkenswert, andererseits hat es mich aber angesichts der klanglichen Qualitäten nicht wirklich überrascht, doch dazu später mehr. Der Transrotor Phono III wird übrigens ab Juli 2021 verfügbar sein.

Nach dem Auspacken halte ich also dieses kleine, schnuckelige und blitzsauber verarbeitete Gerät in meinen Händen, das dank seines Designs sofort den Transrotor-Stallgeruch offenbart. Die verchromte Frontblende ziert nur der Herstellerschriftzug sowie die Betriebsleuchte und zwei versenkte Inbusschrauben. Nach dem Lösen Letztgenannter lässt sich die Frontplatte entfernen sowie der Kühlrippendeckel schlittenmäßig nach hinten wegziehen, so dass nur noch die Wanne mit der Platine vor mir liegt. Diese beherbergt zwei „Mäuseklaviere“ (eins für jeden Kanal), mithilfe derer sich die Anpassung an den jeweiligen Tonabnehmer vornehmen lässt. Die Miniaturtastenschalter eins bis drei erlauben die Anpassung der Impedanz, die standardmäßig auf 47 Kiloohm eingestellt und damit perfekt für jeden MM-Tonabnehmer ist. Die Schalter vier und fünf sind für die Kapazitätsanpassung von MM-Abtastern vorgesehen. Hier ist der niedrigste Wert von 100 Pikofarad quasi voreingestellt, da dieser der Eingangskapazität des Geräts entspricht, was für die meisten Fälle bereits sehr gut funktionieren sollte: Die Kabelkapazitäten des Tonarmkabels sowie des Kabels vom Plattenspieler bis zum Cinch-Eingang des Transrotor Phono III sind schließlich noch hinzuzuaddieren – Richtwert sind hier circa 150 Pikofarad –, so dass man dann in Summe bei ungefähr 250 Pikofarad landet. Die Schalter sechs bis acht erlauben die Anpassung der Eingangsempfindlichkeit. Für mein Clearaudio Charisma V2 brauchte ich keine weitere Anpassung vornehmen, da hier auch die voreingestellten fünf Millivolt perfekt waren. Das ebenfalls verwendete MC-System Transrotor Merlo Reference bedurfte hingegen einer exakten Anpassung, die dank der mitgelieferten, gut gemachten Anleitung ein Kinderspiel war. Es wird in Kürze übrigens ein separater Test des Transrotor Merlo Reference auf Hifistatement folgen.


  • Matrix Audio mini-i Pro 4

    “Die Matrix ist allgegenwärtig, sie umgibt uns. Selbst hier ist sie, in diesem Zimmer.” Lange habe ich darauf gewartet, einen Testbericht mit einem passenden Filmzitat zu eröffnen. Ähnlich lange habe ich mich auf den Test eines Produkts aus dem Hause Matrix Audio gefreut. Mit dem mini-i Pro 4 ist es endlich so weit. Der Name Matrix Audio beruft sich eigentlich auf das gleichnamige mathematische Konzept, aber bei der Namensverwandtschaft zu dem stilprägenden Film kam ich…
    21.07.2026
  • Børresen Acoustics T5 SSE – das Interview

    Während meines letzten Besuchs der Audio Group Denmark in Aalborg hatte ich am Tag nach der Präsentation der Børresen M8 und der Aavik M-880 Gelegenheit, mit dem Entwickler der T5 SSE über sein Produkt zu sprechen. Wenn Sie im ersten Teil technische Details vermisst haben sollten: Hier finden Sie sie in Hülle und Fülle. Dirk Sommer: Nun zu etwas ganz anderem, den T5. Was ist anders im Vergleich zum 05? Ich muss zugeben, dass ich…
    17.07.2026
  • Børresen Acoustics T5 Silver Supreme Edition

    Einerseits war ich mit der Børresen 05 Silver Supreme Edition in meinem Hörraum wunschlos glücklich, andererseits begeisterte mich das Nachfolgemodell, die T5 SSE, schon bei ihrer Vorstellung damals noch in München allein durch ihr Erscheinungsbild: Die schwarze Hochglanzlackierung mit Karbonfaser-Applikationen wirkte einfach unheimlich elegant. Aber natürlich geht es mir bei Lautsprechern nicht vorrangig um die Optik. Dass die Børresen 05 SSE solange bei mir zu Gast war und ich mich schon auf die T5 SSE…
    14.07.2026
  • Qln – das Interview

    Roland Dietl: Welche Antriebstechnik verwendest Du bevorzugt bei Tief-Mitteltönern? Mats Andersen: Ich bevorzuge eine unterhängende Schwingspulenanordnung. Bei Standard-Treibern hat man eine Schwingspule, die etwa 20 bis 40 Millimeter lang ist, und dann einen Magnetspalt von etwa 5 bis 6 Millimetern. Wenn sich die Schwingspule bewegt, ändern sich die Induktivität und auch die Magnetkraft. Bei unserem Treiber beträgt der Magnetspalt dagegen 20 Millimeter und die Schwingspule ist 11 Millimeter lang. Die Schwingspule bleibt dadurch permanent vollständig…
    07.07.2026
  • SOtM sMS-2000 – ein weiterer Nachtrag

    Endlich ist es soweit: Der SOtM sMS-2000 spielt in der gewünschten Konfiguration: In der Eunhasu-App habe ich teils auf Roland Dietls Rat hin alle klangfördernden Einstellungen vorgenommen, Ethernet- und USB-Karte werden von externen Netzteilen gespeist, die 10-Megahertz-Clock gibt den Takt vor und die Daten kommen von einer kryo-behandelten SSD. Vor rund zweieinhalb Monaten berichtete ich darüber, dass der SOtM sMS-2000 der einzige von mir getestete Streamer ist, bei dem auf einer internen Festplatte gespeicherte Musik-Files…
    03.07.2026
  • Keces Euphony

    Die taiwanesische Marke Keces ist inzwischen nicht allein wegen ihres Portfolios exzellenter Analog-Netzteile bekannt und angesehen. Für die neue Phonostufe und den neuen Switch aus der Essential Serie bekam Keces unlängst ebenfalls viel Applaus. Jetzt steht der brandneue Streaming-DAC Essential Euphony zum Test bereit. Als Dirk Sommer unlängst die Keces Phono-Stufe Ephono+ und den Ewave Switch beschrieb, gefielen mir diese Geräte auch wegen ihrer sinnvollen und beim Ewave sogar sehr fortschrittlichen Ausstattung, nämlich den zu-…
    30.06.2026

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.