tests/21-08-10_charisma
 

Charisma Audio ECO

10.08.2021 // Wolfgang Kemper

Bereits in der Einspielzeit, nach etwa vier bis fünf Stunden, hatte das Klangbild des ECO etwas Faszinierendes. Weil ich noch eine eher leicht raue, etwas unausgewogene Musikdarbietung erwartete, legte ich Peter Greens In The Skies auf den Plattenteller, da dies dieser Musikart nach meiner Einschätzung weniger zum Nachteil gereicht als etwa einem Violinkonzert. Wie gesagt, ich war nicht wenig überrascht, wie homogen und detailreich das ECO bereits jetzt zu Werke ging. Dabei beeindruckten mich in besonderer Weise die intensiven Klangfarben und das seidige, transparente Hochtonspektrum. Das Charisma gefiel mit einer schönen Staffelung und räumlichen Struktur, die jedem Instrument und Peter Greens Gesang in Tiefe und Breite eigenen Raum gab.

Hier sieht man den Nadelträger aus weißer Keramik
Hier sieht man den Nadelträger aus weißer Keramik

Durch die beeindruckende Reproduktion von In The Skies angespornt, wagte ich mich an das in Instrumentierung und Klangfarbenpracht vielfältigere erste Album der Chicago Transit Authority und wurde nicht enttäuscht. Im Gegenteil: Die hölzerne Percussion zum Beispiel war plastisch und beinahe zum Greifen nah. Homogenität und Durchzeichnug, vor allem aber dieser unglaubliche musikalische Fluss machten den Hörgenuss aus. Das bedurfte eines Gegenchecks, auch wenn das ECO bis dahin noch keine zehn Stunden spielen konnte. So hörte ich dann Seite eins mit den wohl zeitlos schönen Songs „Does Anybody Really Know What Time It Is?“ und „Beginnings“ mit meiner Bardo-Referenz. Ja, das war noch einmal ein Sprung in Sachen Lebendigkeit und Offenheit. Aber jetzt kommt's: Keine Sekunde habe ich beim Wechsel zurück auf den Kenwood mit dem Charisma Audio auch nur das Geringste des vorher erlebten Mehr vermisst. Das ECO besitzt etwas Einnehmendes, musikalisch Überzeugendes, das ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht näher beschreiben kann. Mit seiner Darbietung zieht es mich in seinen Bann, und nachdem ich die geniale Chicago-Interpretation von Stevie Winwoods „I'm A Man“ genossen hatte, wollte ich herausfinden, was das ECO aus dem Original der Spencer Davis Group macht, das ich auf einer Best Of-LP von Island Records besitze und das in dynamischer Hinsicht der Chicago-LP nicht das Wasser reichen kann. Es war wirklich nicht schlecht, was das ECO aus diesem Oldie herausholte. Das war mehr als anhörbar und hatte nichts Langweiliges oder Nerviges an sich. Dass es mit dem ECO Spaß macht, auch minderwertiges Material zu hören, ist dem neuen System aus Kanada hoch anzurechnen und im Musik-Alltag ein wichtiger Genuss-Aspekt. Jetzt möchte ich dieses Genre verlassen und zu zarteren Klängen wechseln. Dazu wähle ich das ECM-Reissue von 1990 Jimmy Giuffre 3 1961, das bereits 1961 in New York eingespielt wurde. Jimmy Giuffres Klarinette wird umrahmt von Paul Bleys Piano und dem Kontrabass des damals 20-jährigen Steve Swallow. Diese Musik lebt von ihren Klangfarben in den sensiblen Tonschwingungen. Das ECO kann diese begeisternd vermitteln. Ich bin wirklich beeindruckt von der musikalischen Stimmigkeit und der Spielfreude. Details, Farbe, Nachklingen, Ausschwingen – alles da, und mit feiner Dynamik vorgetragen. Nun will ich erst einmal die restlichen zwanzig Stunden weitere Einspielzeit abwarten. Wird danach noch mehr zu erleben sein? Wenn ich jetzt bereits das Statement formulieren müsste, würde ich schreiben: Das ECO ist so harmonisch, dass es den Hörer in die Musik zieht und ihn nicht wünschen lässt, viel mehr Geld für noch mehr Musikalität auszugeben.

Der stark elliptisch geschliffene Diamant auf dem Keramikträger
Der stark elliptisch geschliffene Diamant auf dem Keramikträger

Inzwischen hat das Charisma Audio ECO seine empfohlene Einspielzeit zumindest annähernd hinter sich gebracht und ich lege an einem Sonntagvormittag eine meiner Ewig-Lieblings-LPs auf: Igor Strawinsky Pulcinella-Suite mit der Academy of St.Matin-in-the-Fields unter Neville Marriners Leitung, Decca 1968. Verzeihen Sie mir, wenn ich auch hier wieder von einer großen Überraschung berichten muss: Der musikalische Fluss mit kraftvoller, greifbarer Darstellung der vielfältigen Instrumentierung mit all ihren Klangfarben ist einfach großartig. Zarte, glanzvolle Streicher betören ebenso wie die straffen und energischen Töne der tiefen Streicher und das schillernde Blech der Bläser. Diese Pulcinella-Suite eignet sich bestens, um die Abschlussimpedanz an der Phonostufe zu optimieren. So wechsele ich dann gleich von den bisherigen 220 Ohm auf den empfohlenen Maximalwert von einem Kiloohm. Das kommt mir dann in meiner Anlagenkonfiguration einen kleinen Hauch zu hochtonintensiv vor. Die richtige Anpassung am Plinius Koru finde ich bei 470 Ohm. Wenn ich bei dieser Musik nun zum Vergleich auf Brinkmann Bardo / Musical Life Conductor / ART-9 wechsele ist da immer noch ein deutlicher Unterschied in Sachen Größenzeichnung und Offenheit, die aber wesentlich auch dem teuren Laufwerk und Tonarm zuzuschreiben sind. Das bedeutet jedoch keineswegs, dass meine etatmäßige Kombi insgesamt und in jeder Hinsicht überlegen ist. Nein, sogar im Kenwood kann das Charisma Audio partiell punkten. Es generiert eine mitreisende musikalische Spannung, die das andere Setup in dieser Weise nicht bieten kann. Das Klangerlebnis des ECO ist stimmig, überzeugend und reproduziert Strawinskys Suite derart schön und packend, dass zumindest ich nichts anderes brauche. Bleibt zu klären, wie sich das eingespielte ECO bei Stimmen und komplexen Orchester verhält: Hören wir also noch einmal Peter Greens Meisterwerk In The Skies. „Seven Stars“ klingt nun runder, homogener als zuvor, der kräftige Bass konturierter. Das ECO hat einen ganz leichten Hang zur weichen Darstellung, womit ich aber keinerlei Nachteile verbinde. Dynamische Attacken klingen im positiven Sinne aggressiv, jedoch nie nervig. Percussionsinstrumente erhalten nun mehr Körper und Farbe. Die Stimme wirkt überzeugend und lebensecht.


  • Chord Company Clearway

    Als ich anno 2005 versuchte, das Optimum aus meinem Gitarrensound rauszuholen, kam für mich die Frage auf, welches Kabel nun meine Les Paul und den Marshall verbinden sollte. Unter uns Gitarreros waren die Signalleiter der britischen Chord Company ein kleiner Geheimtipp. Umso mehr freue ich mich, nun die Clearway Serie zu testen. Ansässig im geschichtsträchtigen Amesbury und nur zehn Minuten Autofahrt vom weltberühmten Ort Stonehenge entfernt, liegt die von Sally Gibb gegründete Kabelmanufaktur Chord Company.…
    19.10.2021
  • Wireworld Starlight 8, Silver Starlight 8, Gold Starlight 8 und Platinum Starlight 8

    Wireworld bietet eine Vielzahl digitaler Kabel aller Art und deckt dabei ein breites Preissegment ab. Vier hinsichtlich der Anschaffungskosten sehr unterschiedliche S/PDIF und ein AES/EBU-Kabel der aktuellen Toplinie Starlight 8-Linie stehen zum Test. Können die digitalen Starlight 8 ebenso überzeugen wie kürzlich die Eclipse 8 Signalkabel? Die faszinierten mich derart, dass ich mehrere analoge Wireworld Cinch und XLR in meine Anlage dauerhaft installierte, sogar das Topkabel Platinum, dass ich mir nach dem Test für mich…
    12.10.2021
  • Ortofon MC Verismo Heritage

    Das ausführliche Gespräch mit Chef-Entwickler Leif Johannsen über seine neueste Kreation, das Verismo, weckte nicht nur hohe klangliche Erwartungen an das neue Mitglied von Ortofons Exclusive Series, sondern hatte auch Einfluss auf die Auswahl der zum Test herangezogenen LPs. Doch bevor ich zu Technik und Musik komme, möchte ich Ihnen nicht vorenthalten, was Ortofon zur Namenswahl des neuen Systems anführt: „Der Name Verismo leitet sich vom italienischen „vero“ ab, was „wahr“ bedeutet, und ist das…
    08.10.2021
  • Ortofon MC Verismo Heritage: Interview mit Leif Johannsen

    Am Donnerstag stellte Ortofon das neuste „Premier Model“ aus der Exclusive Serie vor: das Verismo. Ein Exemplar spielt schon ein Weile auf dem Laufwerk der Autors. Aber noch spannender als die eigenen Erfahrungen sind die Einsichten, die Chef-Entwickler Dr. Leif Johannsen im Interview in seine Tätigkeit und die Technik des Verismo gewährt. 01 HIFIBevor ich Ihnen in Kürze mehr über die – soviel sei vorweggenommen – ganz besonderen klanglichen Leistungen des Verismo berichte, lasse ich…
    05.10.2021
  • Lotoo PAW 1

    Ja, an dieser Stelle gab es schon einen Test eines „Lotoo PAW“. Kürzlich ging es um das Modell „S1“ und nicht wie hier um das mit der Numero „1“. Ersteres ist eine Mini-DAC/Kopfhörerverstärker-Kombination, letzteres ein Digitaler Audio Player (DAP) und Recorder, und damit wären wir bei der Gerätegattung, die Lotoo groß gemacht hat. Lotoo wurde 1999 als professionelle Audio-Marke der Beijing Infomedia Electronic Technology Co. Ltd gegründet, die – wie im Artikel über den S1…
    29.09.2021
  • Waversa Isolator-Ext1

    Weder die CD noch Streaming machten es einfacher, auf höchstem Niveau Musik zu genießen. Man muss einen hohen Aufwand treiben, wenn die digitale der analogen Wiedergabe nahekommen oder sie übertreffen soll. Sobald Computer oder das Internet im Spiel sind, kämpft man gegen hochfrequente Störungen und Rauschen – zum Beispiel mit Waversas Isolatoren. Wer nur die Artikel an dieser Stelle über den Wrouter, den Wdac, den Wcore und den WsmartHub gelesen hat – die übrigens wegen…
    21.09.2021

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.