tests/22-02-25_signalyst
 

Signalyst HQPlayer 4

25.02.2022 // Wolfgang Kemper

Dies war nach erstem Ausprobieren meine bevorzugte Einstellung. Für sehr leistungsintensive Upsampling- und Konvertierungs-Prozeduren reicht die Leistung des Antipodes nicht. Das schaffen nur sehr potente Computer
Dies war nach erstem Ausprobieren meine bevorzugte Einstellung. Für sehr leistungsintensive Upsampling- und Konvertierungs-Prozeduren reicht die Leistung des Antipodes nicht. Das schaffen nur sehr potente Computer

Das Konzept von Jussi Laako heißt Upsampling. Dass dies enormen Klanggewinn bedeuten kann, weis jeder, der einmal den M-Scaler von Chord erlebt hat. Dazu sagt Jussi Laako: So eine Hardware-Lösung sei seiner Software wohl vorzuziehen. Allein der um ein vielfaches höhere Preis mache die überlegene Hardware-Qualität wahrscheinlich. Ich persönlich habe in den letzten Jahren die Erfahrung gemacht, dass Upsampling oder Konvertierung eher verschlechtert als verbessert. Dies sowohl bei einigen upsampelnden D/A-Wandlern, als auch bei Software. Mit dem HQPlayer erlebe nun erstmals eindeutig das Gegenteil: Bei gerippten CDs von meinem Musikserver oder auch bei in CD-Qualität gekauften Musik-Files bringt das Upsampling von 44,1 Kilohertz auf 352,8 Kilohertz, verbunden mit der Steigerung der Wortbreite von 16 auf 24 Bit deutlich mehr Klangqualität. Die erlebe ich in den Nuancen des Nachklingens, einem noch feiner gezeichneten Kang eines Instruments oder einer Stimme. Musik gewinnt durch die dem HQPlayer eigene Detailauflösung und Prägnanz an Authentizität. Fasst könnte ich mich in Birgit Minichmayr verlieben, wenn ich ihren Shakespeare Sonetten vom Album As An Unperfect Actor lausche, das ich wegen meines miserablen Internets nur auf CD-Niveau von Qobuz streamen kann. Shakespeares Worte sind mir dabei ziemlich egal, aber diese ausdrucksstarke, nuancierte, betörende Stimme – maximal attraktiv. Solch Gesang auf einer räumlich glaubwürdig gestalteten Bühne, auf der die Begleitmusiker Quadro Nuevo und Komponist und Arrangeur Bernd Lhotzky am Klavier ihre Instrumente authentisch zu Gehör bringen, das erleben sie mit Roon alleine nicht. Auch Oldies wie Sades meisterhaftes Album Diamond Life, das ich als eher audiophil bescheidene CD besitze und mittels dbPoweramp gerippt auf dem Server liegen habe, kling mit der finnischen Software nicht nur gut, sondern richtig toll. Das ist genau das, was ich mir wünsche: Meine Anlage soll nicht nur Top-Aufnahmen beeindruckend reproduzieren, sondern jegliche Musik, die ich hören möchte, so wiedergeben, dass es Spaß macht und mich emotional anspricht. Der HQPlayer verleiht Roon diese Fähigkeit.

Verständliche Beschreibungen erleichtern die Auswahl der Einstellungen. Dies ist nur ein kleiner Ausschnitt
Verständliche Beschreibungen erleichtern die Auswahl der Einstellungen. Dies ist nur ein kleiner Ausschnitt

Der HQPlayer klingt etwas weniger üppig im Grundton als RoonReady oder auch Squeezelite. Dennoch klingt er keineswegs zu schlank, und nervig ist hier gar nichts. Im Gegenteil. An den letzten Abenden ist es sehr spät geworden, weil ich mich einfach nicht von meiner Anlage lösen konnte und immer noch ein Album mehr aufrief. Mein Audio-Setup klingt insgesamt schon sehr analytisch, vor allem wegen der Schnelligkeit des Tieftonbereiches. Besitzer von Anlagen, die untenrum zur Fülle neigen – ich meine die Audio-Kette und nicht die Besitzer – dürften von der Tonalität des HQPlayers wohl zusätzlich profitieren. Zum Upsampling von PCM-Files mit einer Auflösung von 44,1 Kilohertz habe ich nicht nur, aber gern das Filter „poly-sinc-short-mp“ eingesetzt. Die Software bietet die Möglichkeit, für PCM-Musikdateien mit einer Auflösung bis zu 50 Kilohertz und mehr als 50 Kilohertz separat zu wählen. Bislang spiele ich die höheren Auflösungen zum Vergleich noch immer wieder ohne Upsampler, da ich hier den Qualitätsgewinn noch nicht so eindeutig verifizieren konnte und ich noch auf der Suche nach dem optimalen Filter bin. Wie gesagt, Änderungen und Ausprobieren sind in der Software jederzeit möglich. Auch das Konvertieren zu DSD256 ist eine zusätzliche Option. Ob dies sinnvoll ist, hängt dann auch von der Leistungsfähigkeit der Rechner-Hardware ab. Wenn der zu sehr gefordert wird, macht er die Vorteile aus Upsampling und Konvertierung durch sein Rauschen möglicherweise wieder zunichte. Für eine zusätzliche Wandlung in DSD ist selbst der Antipodes K50 zu schwach. Ich konnte dies zwar ausprobieren, aber kurze Aussetzer bei der Wiedergabe verdarben den Hörspaß. DSD-Musik-Files können originär durchlaufen, ebenfalls hochgerechnet weden oder, wenn der angeschlossene DAC kein DSD versteht, in PCM umgerechnet werden. Grundsätzlich darf man beim Hochrechnen von DSD die gleichen Erwartungen haben wie bei PCM-Musik. Was letztlich besser klingt, hängt auch von den Stärken und Schwächen des folgenden D/A-Wandlers ab. Mit Dave Brubecks Album Time Out konnte ich einen deutlichen Klanggewinn verzeichnen, wenn die Software die DSD64-Datei auf DSD256 hochrechnete. Filigraner, feiner und schöner klang es mit Upsampling.

Hier konnte ich den Ausgang wählen: Per USB an meinen PSAudio DirectStream DAC oder an die Antipodes-Ausgänge SPDIF, AES/EBU oder I2S, die im K50 per Ocxo-Clock von Jitter befreit werden
Hier konnte ich den Ausgang wählen: Per USB an meinen PSAudio DirectStream DAC oder an die Antipodes-Ausgänge SPDIF, AES/EBU oder I2S, die im K50 per Ocxo-Clock von Jitter befreit werden


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