tests/22-02-25_signalyst
 

Signalyst HQPlayer 4

25.02.2022 // Wolfgang Kemper

Neben Roon, Audirvana Studio, JRiver, Squeezebox und viel anderer Musik-Player-Software gibt es seit langem den HQPlayer von Signalyst. Klanglich hat er einen ausgezeichneten Ruf, gilt jedoch als etwas kompliziert. Im Zusammenspiel mit Roon habe ich mich mit ihm beschäftigt.

Roon wird als komfortabelste und vielseitigste Software angesehen, wenn es um die Bedienung eines Musikservers geht. Viele Features, die sich an den persönlichen Bedarf anpassen lassen, sind anderswo so nicht zu bekommen. Das gilt besonders für die leicht zu handhabende Benutzeroberfläche. Gut, auch in Roon muss man sich ein Weilchen hineinfinden, um die vielen Optionen kennenzulernen und nach eigenem Gusto zu nutzen. Beim Stichwort Komfort, denke ich an das von Roon-Nutzern sehr geschätzte Roon-Radio. Klangliche Eingriffe sind über DSP in Sachen Frequenzgang oder auch durch Upsampling und Formatumwandlung kein Problem und weitgehend im Spielbetrieb möglich. So können klangliche Auswirkungen oft sofort überprüft werden. Das Informationssystem von Roon bindet in vorbildlicher Weise die zur Musik hinterlegten Informationen ein. Beim Streamen von Qobuz lässt sich zum Beispiel bei einzelnen Musikstücken nach den mitwirkenden Musikern schauen. Auch die Songtexte sind oft aufrufbar. So viel Information macht Spaß und vermittelt beim Musikgenuss auf Wunsch zusätzlich Wissen. Inzwischen ist Roon trotz seines nicht unbeträchtlichen Anschaffungspreises weit verbreitet. Andere Musik-Player-Software muss sich an Roon messen lassen.

In Roon lassen sich alternativ zu RoonReady auch die Playersoftwares Squeezebox oder HQPlayer auswählen
In Roon lassen sich alternativ zu RoonReady auch die Playersoftwares Squeezebox oder HQPlayer auswählen

Unter Fachleuten wird die Klangqualität von Roon jedoch durchaus kritisch gesehen. Wenig transparent, eingedicktes Klangbild oder ähnliches sind Anmerkungen, die in diesem Kontext zu vernehmen sind. Bei Roon Labs scheint man erfreulich wenig von sich eingenommen, sondern bietet, sehr bequem durchführbar, die Anbindung fremder Renderer/Player-Software an. In den Roon-Systemeinstellungen lässt sich die Verknüpfung zu Logitechs Squeezebox-Player oder auch zum HQPlayer von Signalyst leicht finden. Der Squeezelite-Player, die Squeezebox-Player-Variante ohne eigene Benutzeroberfläche, ist bei bekannten Herstellern wie Innuos oder Antipodes Audio bereits vorinstalliert und dort recht einfach alternativ zum Roon eigenen Player RoonReady aufrufbar und zum Musizieren bereit. Jeglicher Komfort von Roon bleibt erhalten. Squeezelite übernimmt das Rendern und gibt das Signal an den angeschlossenen D/A-Wandler aus. Squeezelite klingt gegenüber RoonReady räumlicher, transparenter, weniger dicklich, prägnanter und vor allem mit hervorragender tonaler Balance, die zu jedem Musik-Genre passt. Trotz der überlegenen Feinzeichnung geht dies nicht zulasten einer klanglich richtigen Grundtonwärme- und Intensität. Ich kenne viele Roon-Nutzer, die mit der Kombination Roon und Squeezelite glücklich und zufrieden ihre Musik genießen. Es gibt jedoch in Squeezelite eine fundamentale Schwachstelle, die DSD-Fans und Freunde hoch aufgelöster PCM-Files – damit meine ich vorrangig DXD, also 352,8 Kilohertz – unglücklich macht. Denn der Squeezelit-Player kann nur PCM bis 192 Kilohertz und gibt DSD nicht nativ weiter, sondern wandelt zu PCM. Dazu findet eine entsprechende Konvertierung bereits in Roon statt, weil Roon diese Limitierung erkennt. DXD wird auf 176,4 Kilohertz heruntergerechnet und DSD seiner Auflösung entsprechend ebenfalls umformatiert. Bei diesen Konvertierungsprozessen kann kaum eine Verbesserung entstehen. Dies alles schmeckt dem Audiophilen, der die Qualität von DSD oder DXD schätzt, gar nicht. Die Abhilfe heißt HQPlayer von Signalyst, eine komplette Server- und Player-Software, die von Jussi Laako in Finnland entwickel wurde und kontinuierlich gepflegt wird. Auf die HQPlayer Pro-Version gehe ich hier nicht ein, weil ihr Mehrwert für diesen Anwendungsbereich nach meinem Wissen keine Rolle spielt.

Auf dem Antipodes K50 Musikserver/Player lassen sich die unterschiedlichen Softwares einfach aktivieren
Auf dem Antipodes K50 Musikserver/Player lassen sich die unterschiedlichen Softwares einfach aktivieren

Der HQPlayer lässt sich auf einem möglichst leistungsstarken Computer als Server/Client installieren oder noch besser auf zwei Geräten, dann getrennt einerseits als Server, andererseits als Player. Denn um alle Optionen zu nutzen, ist Rechenleistung gefragt, und die Trennung von HQPlayer-Server und HQPlayer Renderer ist der Idealfall. Passende Fernbediensoftware dazu für Android oder IOS gibt es mit der HQPDcontrol-App. Dieser zugegeben hochgradig interessanten Anwendung widme ich mich hier und heute nicht, sondern möchte die Qualitäten des HQPlayers in Verbindung mit Roon beschreiben. Denn diese Kombination manifestiert für mich ein Maximum an luxuriösem Bedienkomfort durch Roon und faszinierenden Klang durch die Software von Jussi Laako. Mit der Nutzung des HQPlayers erwirbt man auch hier all die Einstellmöglichkeiten, die als ein wenig kompliziert gelten. Aber keine Angst! Nach kurzem Experimentieren habe ich schnell Konstellationen gefunden, die großartig klingen. Wenn ich wieder Lust darauf bekomme, kann ich jederzeit weitere Einstellungen versuchen. Wirklich riesig sind die Klangunterschiede durch die vielen zur Verfügung stehenden Filter und Konvertierungen ohnehin nicht, aber letztlich doch ein deutlich wahrnehmbares Tüpfelchen auf dem musikalischen „i“. Denn die eigentliche Musikalität steckt schon in den Genen des HQPlayers selber. An dieser Stelle möchte ich sagen, dass die Signalyst-Software mit 199 Euro plus Mehrwertsteuer kein billiges Vergnügen, aber nach meiner Auffassung das Geld allemal wert ist, erst recht, wenn man die Investition in Roon bedenkt. Bei Signalyst erwirbt man jedoch keine Lifetime-Lizenz, wobei ich mich frage, wessen Lebenszeit damit eigentlich gemeint ist. Aktuell gilt der Preis für die Version 4.19.0. Spätere Updates sind nicht unbedingt kostenfrei. Das ist bei Roon anders. Auch die Summe aus Roon und HQPlayer scheint mir persönlich fair, wenn man mal die Investitionen vergleicht, die man bereitwillig in Hifi-Geräte tätigt. Hier geht es gleichermaßen um Klanggewinn und vielleicht in einem weitaus höherem Maße als durch einen neuen Verstärker oder D/A-Wandler. Vor dem Kauf kann man den HQPlayer in Ruhe testen. 30 Tage lang ist er im 30-Minuten-Takt nutzbar. Soll heißen: Nach 30 Minuten stoppt die Musik und der Player muss wieder aktiviert werden. Zur Meinungsbildung reicht es, ist aber schon nervig, wenn man gerade in einem Satz einer Symphonie mit diesem herrlichen Klang schwelgt und dann: aus die Maus. Auch bei der Testversion werden Benutzername und Password abgefragt. Diese lauten admin/admin. In der Benutzeroberfläche finden Sie leicht oben rechts den Help-Link, wo alle Einstellungen beschrieben und teils mit Empfehlungen verbunden sind. So findet man sich gut zurecht. Es kann passieren, dass beim Experimentieren und Starten der Musik nichts oder Verzerrtes zu hören ist. Dies erlebte ich, als ich eine zu hohe maximale Sample-Rate gewählt hatte. Wie gesagt, es ist Rechenleistung gefordert, da kann schon mal das eine oder andere nicht klappen. Also einfach ausprobieren! Schlimmes passieren kann nicht.


  • Aavik Acoustics R-588

    Keces' Vorverstärker S4 war der erste Anlass, mich mit einem DS-Audio-Tonabnehmer zu beschäftigen. Für den Erwerb eines W3 sprachen dann meine sehr positiven klanglichen Erfahrungen damit, aber auch die Tatsache, dass immer mehr hoch interessante Phonostufen einen dafür geeigneten Eingang aufweisen würden. Eine davon ist die Aavik R-588. Schon vor meinem Entschluss, meinen Tonabnehmerfundus um ein photoelektrisches Exemplar zu erweitern, hatten beispielsweise Kato san, Angus Leung und Michael Børresen angekündigt, dass in den in Entwicklung…
    26.06.2026
  • Qln Prestige Three Gen 2

    Mit Lautsprechern der schwedischen Marke Qln haben wir uns bei Hifistatement bisher noch nicht beschäftigt. Ein Versäumnis – wie sich gleich zeigen wird. Also kommen wir schleunigst zum Test der brandneuen QLN Prestige Three Gen 2, einem eleganten Standlautsprecher in klassischer Zwei-Wege-Bestückung mit ambitioniertem Anspruch. Die Ursprünge von Qln reichen bis ins Jahr 1977 zurück. Die fundamentale Zielsetzung der damaligen Gründer ist von Beginn an audiophiler Natur, nämlich einen Lautsprecher zu entwickeln, der die Klangbühne…
    23.06.2026
  • Vertere Ruby one

    Die Beschäftigung mit dem Vertere Xtrax vor beinahe anderthalb Jahren hatte richtig Spaß gemacht. Daher nahm ich das Angebot von Andreas Kayser, dem Inhaber des deutschen Vertere-Vertriebs Beat Audio, das neue Topmodell Ruby one zu testen, gerne an. Dafür habe ich sogar eine meiner selbstauferlegten Regeln für Tests gebrochen. Dazu später mehr. Vorrangig freute ich mich darauf, nach Monaten endlich mal wieder längere Zeit nur Schallplatten zu hören. Außerdem unterscheiden sich Xtrax und Ruby one…
    19.06.2026
  • Canor Foundation Line Virtus I4S und Verto D4S

    Die neue Vollverstärker und Digital/Analog-Wandler der Canor Foundation Line erfreuen nicht allein wegen ihrer eleganten Optik, sondern auch dank ihrer Preise. Die kostspieligeren Komponenten aus dem Hause Canor verwöhnten stets mit beeindruckender Musikalität und waren daran gemessen preiswert. Profitiert die Foundation Line von deren Genen? Auf der Canor Website findet man in der Beschreibung des Virtus-I4S-Vollverstärkers gleich als Überschrift den Hinweis, dass mit „modernsten, teilweise aus der Referenzserie adaptierten Technologien und Konzepten für ein überzeugendes…
    16.06.2026
  • Spendor A1.2

    Spendor hat seinen Klassiker A1 verfeinert. Der wichtigste technische Unterschied ist eine zusätzliche Verstrebung, die jetzt direkt hinter dem Tiefmitteltöner sitzt und über eine Sorbothane-Dämpfung mechanisch gekoppelt ist. Dadurch sollen störende Resonanzen reduziert werden. Wir haben uns die Evolutionsstufe A1.2 angehört. Einleitend möchte ich kurz auf meine persönliche Perspektive zu diesem Lautsprecher eingehen. Denn was um Himmels Willen interessiert einen Hochwirkungsgrad-Junkie eine kleine Regalbox mit bescheidenem Wirkungsgrad? Tatsächlich habe ich mir diesen Lautsprecher selbst für…
    02.06.2026
  • Wilson Benesch Prime Meridian System

    The first, rather lengthy article about Wilson Benesch' Prime Meridian system dealt solely with the turntable unit, consisting of the OMEGA Drive, ALPHA Drive, the FrACTal damping system in which the motor and tonearm are mounted, and the R1 Rack. Now, in addition to introducing the tonearm and cartridge, we finally turn to the sound of the turntable. The fact that the Prime Meridian system's turntable is driven by a motor with one and a…
    29.05.2026

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.