tests/23-05-12_siltech
 

Siltech Classic Legend 380 Serie

12.05.2023 // Klaus Schrätz

Einige der exzellent gefertigten Kabel von Siltech wurden bereits vom geschätzten Kollegen Wolfgang Kemper für dieses Magazin getestet und hochgelobt. Nun wurde zum ersten Mal eine ganze Produktlinie von Siltech zum Testen zur Verfügung gestellt und ich hatte die Ehre, diesen wahrhaft umfangreichen Test durchzuführen.

Das niederländische Unternehmen Siltech, gegründet 1983 und seither mit der Entwicklung und Herstellung musikalisch hochwertiger Kabel befasst, ist neben der Schwester-Marke Crystal Cable seit langem unter dem Dach der International Audio Holding BV als Marke etabliert und weltweit erfolgreich. Im Jahre 1997 wurde bei Siltech die erste Classic-Serie eingeführt. In Pressematerialien ist zu lesen, dass sich „Siltech als einer der weltweit führenden Hersteller von Hochleistungskabeln mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis etablierte“. In den Kabeln wurden Leiter aus einer G3-Silber-Gold-Legierung der dritten Generation mit zwei Lagen Kapton von DuPont als Dielektrikum verwendet. Das Unternehmen behauptet, dass die Kabel tausendmal weniger Rauschen verursachen als die Produkte der Konkurrenz und bezeichnete sie daher als „die ersten geräuschlosen Kabel“. Im Jahr 2003, also sechs Jahre später, stellte Siltech eine neue Version der Kabel der Classic-Serie (Mk2) vor. Sie basierte auf verbesserten Leitern der fünften Generation (G5), die eine bessere Leitfähigkeit und geringere Signalverluste boten. Im Jahr 2008 schließlich wurde die Classic-Anniversary-Serie zur Feier des 25-jährigen Bestehens der Classic-Serie eingeführt. Bei diesen Kabeln wurde eine andere Version des Leiters (G7) verwendet. Neben einem noch reineren Material kam ein besseres Dielektrikum und eine neue „doppelt verdrillte Koaxialgeometrie“ zum Einsatz.

Aktuell stellt Siltech audiophile Kabel in unterschiedlichen Preisniveaus und unterschiedlichen Qualitäten her. Die preisgünstigste Serie ist die Explorer-Serie, hier wird Kupfer als Leiter verwendet. Die Royal-Crown-Serie ist die Top-Serie von Siltech, mit monokristallinem Silber als Leiter. Dazwischen liegen, im Preisniveau und in der Qualität, die drei Serien der Classic-Legend-Kabel: 380, 680 und 880. Bemerkenswert zunächst einmal ist die Tatsache, dass bei allen Classic-Legend-Kabeln ausschließlich Silber als Leitermaterial zum Einsatz gelangt. Die Niederländer „locken“ also bewusst nicht mit unterschiedlichen, materialbedingten Klangausprägungen: Infrage kommt nur das beste Leitermaterial für den audiophilen Bereich – und das ist nach Ansicht von Siltech eindeutig Silber. Dem stimmt auch die Physik voll und ganz zu: Mit einem spezifischen Widerstand von 0,016 Ω⋅mm²/m zählt Silber noch vor Kupfer und Gold zu den best leitenden Materialien überhaupt. Ebenso bekannt ist jedoch, dass Silber nicht gleich Silber ist. Und genau hier kommt das know-how von Siltech ins Spiel: Metallurgische Forschung sowie darauf aufbauende, ausgefeilte Produktions- und Verarbeitungstechniken bilden die tragende Säule des Unternehmens.

Das Classic Legend ist bereits die vierte Inkarnation der 24 Jahre alten Serie. Sie umfasst Lautsprecherkabel, Signalkabel (Cinch, XLR, Phono und Digital) und Netzkabel. In diesen Kabeln wird eine neue Version von Siltech-Leitern verwendet. Diesmal handelt es sich um hybride G9-Leiter, das heißt die neunte Generation der firmeneigenen Silber-Gold-Komposition, deren Reinheit fast doppelt so hoch ist wie die des G1. Bei der neuesten G9-Version werden unvermeidbare Mikrorisse in der kristallinen Struktur des massiven Silbers (die Reinheit wird von Siltech mit 99,99997 Prozent angegeben) in einem aufwändigen und ebenso zeitintensiven Prozess mit Gold aufgefüllt. Die Goldbeschichtung schließt die durch die Mikrorisse hervorgerufenen Unterbrechungen und sorgt so für eine homogene Struktur, was nicht nur eine Verbesserung der Leitfähigkeit bewirkt, sondern auch die Langlebigkeit erhöhen soll. Weiterhin soll der Konditionierungsprozess – oder das Einbrennen – vor dem Erreichen der optimalen Leistungsparameter deutlich verkürzt werden. Neben einem sehr guten Leiter, hier gibt es für den Audiobereich physikalisch nichts Besseres als Reinsilber, braucht es genauso gute Isolatoren um den Signalfluss nicht zu verlangsamen oder aber Störungen von außen fernzuhalten. Siltech verwendet hier eine Kombination aus Dupont Teflon und dem hochwertigen Kunststoff PEEK. Teflon hat die positive Eigenschaft Außenstörungen im Hochfrequenzbereich fernzuhalten. PEEK (Polyetheretherketon) ist ein Kunststoff, der im Vergleich zu herkömmlichen Kunststoffen mehrere positive Eigenschaften besitzt. PEEK ist mechanisch äußerst stabil und gewährleistet höchste Beständigkeit in chemischer wie auch in thermischer Sicht.

Understatement meets Perfection – treffender ließe sich der optische und haptische Auftritt der Classic-Legend-Kabel kaum beschreiben. Von eher schlanker Natur lassen sie sich geschmeidig verlegen und hängen damit nicht gefährlich zerrend an den Anschlussklemmen von Box und Verstärker. Doch einmal in die Hand genommen, spürt man sofort die innere Stabilität (wichtig für gleichmäßigen Wellenwiderstand) sowie die wirklich hervorragende Verarbeitungsqualität. Derart exklusive Produkte wie die Classic-Legend-Kabel rufen naturgemäß stets Nachahmer auf den Plan. Diese locken mit minderwertigen Kopien zu günstigeren Preisen. Solch unlauteren Machenschaften hat Siltech jedoch einen ebenso cleveren wie wirksamen Riegel vorgeschoben. Jedes einzelne Kabel ist mit einem NFC-fähigen „Tag“ versehen, der per Smartphone-App die sofortige Kontrolle auf Authentizität sowie auch die Registrierung erlaubt – gewissermaßen ein „Kabelpass“. Es liegt auf der Hand, dass der Preis von Kabeln mit Edelmetall-Leitern vorrangig durch deren Materialkosten bestimmt wird. Darum wundert es nicht, dass die günstigste Serie, die für unseren Familientest verwendet wurde, das Classic Legend 380, auch den geringsten Querschnitt aller drei Serien der Classic-Legend-Kabel aufweist. Für den im Folgenden beschriebenen „Familientest“ stellte mir Werner Kempf, der Verkaufsleiter der International Audio Holding BV in Elst für Deutschland und Österreich, Lautsprecher-, Cinch-, USB-, Phono- und Netzkabel in ausreichender Stückzahl und erforderlichen Längen zur Verfügung, so dass sowohl die analoge als auch die digitale Kette komplett mit Kabeln der Siltech-Classic-Legend-380-Serie ausgestattet werden konnte.


  • Unison Research Unico PRE v2 und Unico DM v2

    Unison Research? Genau, das sind doch diese schmucken Röhrengeräte aus Treviso mit den edlen Holzapplikationen am Gehäuse. Und stopp! Unisons neueste Vor-/Endstufenkombi hört auf die Namen Unico PRE v2 und Unico DM v2 und passt einfach in keine Schublade. Wir fühlen diesen Wandlern zwischen den Welten auf den hifidelen Zahn. Die neue Unico-Serie kommt in vollständig überarbeitetem Design daher. Sie besticht durch ihre sehr moderne Designsprache, die mir persönlich ausgesprochen gut gefällt, insbesondere in der…
    07.04.2026
  • SendyAudio Egret

    Der Egret ist schon der vierte Kopfhörer des chinesischen Herstellers SendyAudio, den audioNEXT-Geschäftsführer Carsten Hicking nach Gröbenzell schickte. Kein Wunder, dass ich gegenüber den Produkten der Marke inzwischen eine gewisse Erwartungshaltung entwickelt habe: Ich rechne mit einer Menge Hörgenuss zu einem eher moderaten Preis. Den SendyAudio Aiva, das erste Modell der Kopfhörer-Division der Sivga Electronic Technology Company Ltd., lernte ich vor fünf Jahren kennen: Er ist – zumindest nach High-End-Maßstäben – wirklich erschwinglich und verwöhnt…
    03.04.2026
  • SOtM sMS-2000

    Roland Dietl benutzt in seiner verzweigten Digitalkette einige SOtM-Produkte – sowohl eigenständige Geräte als auch Platinen, die der Hersteller auf seiner Webseite unter Accessories auflistet – und ist von ihrer Qualität rundum überzeugt. Ich halte es mehr mit klassischen Komponenten. In einer solchen hat SOtM jetzt seine besten Lösungen gebündelt. Der sMS-2000 ist ein Streaming Transport mit der Möglichkeit, SSD-Disks zu integrieren. Der Hersteller beschreibt die Komponente so: „Das Herzstück des sMS-2000 bildet das hochgelobte…
    31.03.2026
  • dCS Varèse – weitere Erfahrungen

    Während einer Präsentation bei Audio Reference vor den Norddeutschen Hifi-Tagen konnte ich erstmals dasStatement in High Fidelity neue Topmodell von dCS, den fünfteiligen Streamer/DAC Varèse, hören. Er klang einfach unglaublich gut – im wahrsten Sinne des Wortes. Vor kurzem hatte ich die Gelegenheit, meine Erfahrungen im Hörraum in Hamburg zu intensivieren. Bei der ersten Demonstration verglich Alasdair McDonald, der Export Sales Manager von dCS, den Varèse mit dem Vivaldi-Trio (https://www.hifistatement.net/tests/item/3591-dcs-vivaldi-master-clock-upsampler-und-apex-dac), das vor etwa drei Jahren…
    20.03.2026
  • Cayin Pearl 30d und Pearl 30c

    Auf der HighEnd 2024 präsentierte Cayin zum 30-jährigen Marken-Jubiläum die Pearl Modelle. Dazu gehören der D/A-Wandler Pearl 30d und der CD-Transport Pearl 30c. Beide imponieren nicht allein durch ihre prachtvolle Erscheinung. Auch technisch sind sie enorm aufwändig. Da stellt sich besonders die Frage nach der Relevanz eines solchen CD-Laufwerks. Die HighEnd liegt nun beinahe zwei Jahre zurück. Als Cayin Deutschland-Chef Thomas Deyerling im Januar meine Anfrage nach einem Test dieser Kombi positiv beantwortete, war ich…
    10.03.2026
  • Wilson Benesch Prime Meridian System

    Der erste, recht lange Artikel über Wilson Beneschs Prime Meridian System beschäftigte sich nur mit der Laufwerkseinheit, bestehend aus OMEGA Drive, ALPHA Drive, dem FrACTal Dämpfungssystem, in dem Motor und Tonarm montiert sind, und dem R1 Rack. Nun geht es neben der Vorstellung des Tonarms und des Abtasters endlich um den Klang des Plattenspielers. Dass der Plattenteller des Prime Meridian Systems von einem Motor mit dem anderthalbfachen Durchmesser einer Langspielplatte und damit vom größten Antrieb,…
    04.03.2026

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.