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Final Audio Timbre Physical Personalisation mit den ZE8000 JDH

06.08.2024 // Finn Corvin Gallowsky

Besondere Aufmerksamkeit galt der detailgenauen Abbildung der Ohren
Besondere Aufmerksamkeit galt der detailgenauen Abbildung der Ohren

Nach dem durchweg angenehmen und kurzweiligen aber ungewöhnlichen Prozedere halte ich also endlich ein Paar speziell auf meinen akustischen Fingerabdruck abgestimmte In-Ears in Händen. Ich habe nicht so richtig eine Vorstellung davon, was ich erwarten soll. Die während der Feinabstimmung gehörten Unterschiede waren, isoliert betrachtet, eher gering. Auf welche Faktoren wirkt sich die Timbre Physical Personalisation tatsächlich aus und wie stark?

Hier befinde ich mich gemeinsam mit Satoshi Yamamoto und Haruto Hirai in der Online-Abstimmungs-Session
Hier befinde ich mich gemeinsam mit Satoshi Yamamoto und Haruto Hirai in der Online-Abstimmungs-Session

Mit „Hell and Highwater“ von Karen Elsons Album Double Roses höre ich mein Referenzsetup zum ersten Mal und es tritt etwas ein, was mir bisher sehr selten passiert ist. Viele In-Ears, Lautsprecher, und HiFi-Komponenten im Allgemeinen beeindrucken mich beim ersten Hören. Aber nicht selten gibt es einen kurze Adaptionsphase. Gerade wenn Komponenten sich stark unterscheiden, treten diese Unterschiede besonders im Direktvergleich initial hervor – logisch. Aber auch ohne eine vorherige Referenz, bin ich oft in der Lage, das Gehörte einzuordnen und zu beurteilen. Ungefähr so, wie wenn man aus dem Gedächtnis ein Musikstück singt und auch ohne absolutes Gehör oder Stimmgabel genau die richtige Tonlage erwischt, einfach aus Gewohnheit oder doch aus einer Art musikalischer Erinnerung? Mit diesem Phänomen habe ich mich bei weitem nicht tiefgreifend genug beschäftigt, um einem wissenschaftlichen Standard gerecht zu werden, aber es ist eine Beobachtung, die ich nicht nur bei mir, sondern auch bei befreundeten Musikern aus meinem Umfeld machen konnte. Ähnliches gilt umgekehrt meiner Meinung nach auch für das Gehör. Wir hören zwar im höchsten Maße relativ und dieser Fakt muss immer wieder klug umschifft werden. Beim Abmischen eines Musikstücks ist es beispielsweise unabdingbar, auf Referenztracks zurückzugreifen, um nicht in eine falsche Richtung zu mischen und beispielsweise immer hochtonlastiger zu werden. Aber dennoch gibt es meiner Meinung nach eine Art Ankerpunkt, der es uns ermöglicht, ausgehend von – ja, wovon denn eigentlich? – unserer Gewöhnung oder doch ganz natürlichen Hörgewohnheit oft in Sekundenbruchteilen festzustellen, ob beispielsweise ein Lautsprecher oder ein In-Ear für uns „richtig“ klingt oder nicht. Und genau das ist der Fall mit meinem Reference Profil der ZE8000 JDH. Ich habe sofort das Gefühl, dass alles stimmt und nehme die Musikwiedergabe frei von einem Eigenklang der In-Ears wahr. Einen Adaptionsprozess meiner Ohren oder viel mehr meines Gehirns kann ich kaum wahrnehmen. Ich höre eins zu eins, was auf der Aufnahme enthalten ist. Das Stück wird von Percussion und tiefen Klavieranschlägen eröffnet. Der hart nach rechts gepannte Hall der Trommel ist klar getrennt vom Piano wahrnehmbar. Kurz nach dem Einsatz Karens, deren Stimme genauso klingt, wie ich es von dem Album gewohnt bin, folgt die Bass Line, die sich wiederum klar vom Klavier absetzt und deutlich trockener wahrnehmbar ist. Während die tiefen Klaviersaiten einen klaren metallischen Kern haben, ist der der Basssaiten eher rund und warm, wenngleich auch er beim genauen Hinhören einen minimalen metallischen Kern offenbart. Gemeinsam mit dem Schlagzeug steigt auch die Harfe ein. Im nächsten Song-Abschnitt verschwindet die Trommel auf dem linken Kanal und wird durch eine Gitarre mit Nylonsaiten ersetzt. Es gibt also eine ganze Menge Details zu hören, die Instrumente heben sich schön voneinander ab, der gesamte Frequenzbereich ist fein aufgelöst und sehr gut durchhörbar. Zwar bin ich gerade erst am Anfang der Hörsession, aber der Eindruck einer großen Leichtigkeit und Unaufdringlichkeit der Wiedergabe bleibt auch bei langen Hörsessions und vor allem bei für mich eher ungewöhnlich hohen Lautstärken bestehen.

Hier ist das 3D-Bild eines meiner Ohren auf dem Bildschirm zu sehen
Hier ist das 3D-Bild eines meiner Ohren auf dem Bildschirm zu sehen

Okay, soweit, so gut. Die Timbre-Anpassung sorgt tatsächlich, und das sollte eigentlich nicht überraschend sein, für eine maßgeschneiderte Hörkurve. Das klingt weniger spektakulär als es technisch ist. Denn auch wenn ich in der Online-Hörsession eine geschmackliche Richtung vorgeben konnte, basiert das Ergebnis überwiegend auf einem 3D-Scan meines Körpers. Und das ist schon spannend: Final übersetzt meine Physiologie in eine akustische Präferenz. Nicht nur der Prozess an sich ist faszinierend, sondern Final muss auch die eigenen In-Ears aufs Genauste vermessen haben und eine sehr gut ausgemittelte Referenzkurve erstellt haben. Denn es hilft ja nichts, zu wissen, wie das natürliche Filter meiner Physiologie aussieht, wenn man dieses auf einen In-Ear spielt, dessen Frequenzgang gänzlich von dem abweicht, was dem Ohr schmeichelt. Ich wäre durchaus neugierig zu erfahren, wie viel tatsächlich aus dem 3D-Scan mehr oder weniger ablesbar, respektive errechenbar ist und wie viel interpretiert werden muss. Aber verständlicherweise möchte Final in dieser Hinsicht nicht unbedingt seine Geheimnisse preisgeben. Welche Effekte hat die Timbre-Anpassung noch und vor allem, wie ist diese denn schlussendlich einzuordnen? Dazu schalte ich in erster Instanz die Anpassung einfach mal ab. Der Unterschied fällt dabei weitaus größer als erwartet aus. Denn nicht nur verschiebt sich das Timbre in Richtung fülliger Bässe und satter Tiefmitten, an die ich mich nach einiger Zeit durchaus gewöhnen könnte, aber gleichzeitig verschwindet überraschenderweise die vorher wahrgenommene Transparenz und Präzision. Außerdem klingen die Instrumente und Karens Stimme schlicht und ergreifend nicht mehr so natürlich, wie sie es vorher taten. Dies ist eine besonders relevante Feststellung, denn sie zeigt, wie unheimlich wirkungsvoll die Anpassung tatsächlich ist. Es ist nicht so, dass Finals ZE8000 durch ihre Treiber prinzipbedingt Detailauflösung oder Akkuratesse fehlt, sondern dass schlicht und ergreifend die Abstimmung nicht perfekt mit meinem akustischen Fingerabdruck übereinstimmt und deshalb Details auf der Strecke bleiben. Das gibt mir, nebenbei bemerkt, über diesen Test hinaus zu denken. Außerdem, und auch dieser Punkt ist nicht unentscheidend, fällt die schöne Tiefenstaffelung, die sich mit dem Reference-Setting im Zentrum zwischen den beiden In-Ears aufbaut, in sich zusammen. Beim erneuten Einschalten des Filters wird regelrecht Platz um die Mitte geschaffen, die Instrumente heben sich besser voneinander ab und verteilen sich viel deutlicher, nicht nur in der Tiefe, sondern auch im Stereopanorama. Insbesondere der Stimme kommt dies zugute und sie wirkt regelrecht von jeglichem Ballast befreit. Die Timbre-Optimierung sorgt demnach auch für eine Verbesserung der räumlichen Wahrnehmung, obwohl dies gar nicht das erklärte Hauptziel von Final ist. Es gilt aber zu betonen, dass ich trotzdem das Gefühl behalte, mit In-Ears Musik zu hören. Es ist nicht so, dass ich plötzlich das Gefühl habe, in einem Konzertsaal, oder meinem Wohnzimmer vor zwei Lautsprechern zu sitzen – was ja auch nicht das Ziel ist. Ich habe aber sehr wohl das Gefühl, viel deutlicher hören zu können, welche Art von Räumlichkeit auf der Aufnahme vorhanden ist. Sämtliche Feststellungen gelten für sämtliche anderen Musikstücke gleichermaßen, das Reference Tuning ist für mich in sämtlichen Genres gleichermaßen effektiv, was ich von anderen Abstimmungen nicht immer behaupten kann. Um den Rahmen hier nicht zu sprengen, werde ich aber nur bei diesem einen konkreten Beispiel bleiben.


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