tests/24-10-22_phonar
 

Phonar Veritas p4.2 Next

22.10.2024 // Wolfgang Kemper

Erfreulich ist die auch an der Veritas p4.2 Next vorhandene Option, durch Umstecken eines Jumpers am Terminal den Hochtöner plus oder minus eineinhalb Dezibel lauter oder leiser spielen zu lassen und so an die Raumakustik und den Hörgeschmack anzupassen. Der Hochtöner ist ein D2604 von Scan-Speak mit 27-Millimeter-Textil-Kalotte aus der Discovery-Serie der Dänen. Er besitzt eine hohe Empfindlichkeit von 92 Dezibel und kann bei niedrigen Verzerrungen mit weitem Abstrahlwinkel bis über 30 Kilohertz spielen. Die beiden 130-Millimeter-Tiefmitteltöner, die Peerless HDS, leisten teils unterschiedliche Arbeit. HDS steht für ein hochdichtes, leichtes Papier, welches laut Phonar ein als natürlicher empfundenes Eigenresonanzverhalten der Membran mit sich bringen soll. Der obere Bassmitteltöner läuft ab seiner Übernahmefrequenz zum Hochtöner bei 2.800 Hertz unbegrenzt bis in den Tiefbass. Das gleiche, darunter angeordnete Chassis läuft bei einer oberen Trennfrequenz von 700 Hertz sozusagen als Subwoofer-Unterstützung ebenfalls bis in den Bass-Keller. Auf diese Weise vermeide man, so Phonar, gegenüber einer klassischen Drei-Wege-Lösung ein elektrisches Filter im sensiblen Tief/Mittelton-Bereich. Auf der Rückseite befinden sich zwei unterschiedlich große Bassreflexöffnungen. Die obere, kleinere wurde für eine schnelle Energieableitung und zur Vermeidung akustischer Phasendrehung auf der Höhe des oberen, breitbandiger arbeitenden Tiefmitteltöners platziert. Mit einem Wirkungsgrad von 89 Dezibel stellt die Veritas P4.2 Next keine hohen Anforderungen an die Verstärkerleistung.

Hier ist die Neigung des Gehäuses nach hinten gut zu erkennen. Man sieht, dass die beiden Bassreflex-Öffnungen unterschiedliche Durchmesser haben
Hier ist die Neigung des Gehäuses nach hinten gut zu erkennen. Man sieht, dass die beiden Bassreflex-Öffnungen unterschiedliche Durchmesser haben

Sehr wohl reagiert sie auf die Qualitäten des Verstärkers, in meiner Kette dem sehr fein zeichnenden, analytischen Soulnote A2 und alternativ dem eher etwas wärmeren, aber dennoch sehr gut differenzierenden Pier Audio Hybrid. In Kombination mit dem Soulnote reproduziert die p4.2 Next die oberen Tonlagen beispielsweise von Louis Armstrongs unlängst veröffentlichtem Live-Album Louis in London, wo er mit viel Spielfreude seine bekannten Hits bei der BBC zum Besten gibt, feiner aufgelöst und tiefer auf der Bühne gestaffelt. Dennoch werde ich den Test mit dem Pier Audio weiterführen, weil dieser insgesamt prima harmoniert und mir mit seinem Preis von 2300 Euro angemessener scheint. Die Hochtonwiedergabe der Phonar p4.2 Next ist das Auffälligste beim direkten Vergleich mit der p9.2 SE, die ihrerseits mächtig mehr Glanz und Details zu vermitteln weiß. Kein Wunder, denn in ihr spielt der kostspielige Ringradiator aus Scan-Speaks Illuminator-Linie. Aber das ist überhaupt kein Grund jetzt und hier das Buch zuzuklappen. Denn in Tarp hat man es verstanden, die Fähigkeiten der Discovery-Kalotte so einzusetzen, dass ihr Defizit zwar im direkten Vergleich klar hörbar ist, aber kaum noch eine Rolle spielt, sobald ich mich auf die Veritas p4.2 Next allein einlasse. Im Gegenteil: Man kann es sogar als vorteilhaft empfinden, dass die oberen Tonlagen etwas zurückhaltender reproduziert werden und damit auch eine wärmere Stimme mit mehr Körpervolumen bei Louis Armstrongs Gesang erlebbar wird.

Die Frequenzweiche befindet sich direkt am Terminal. Der Jumper erlaubt durch Umstecken, auch im Spielbetrieb, eine Feinanpassung des Scan-Speak Hochtöners um plus oder minus 1,5dB
Die Frequenzweiche befindet sich direkt am Terminal. Der Jumper erlaubt durch Umstecken, auch im Spielbetrieb, eine Feinanpassung des Scan-Speak Hochtöners um plus oder minus 1,5dB

Und schon bin ich bei einem entscheidenden Punkt meines Höreindrucks. Phonar hat bei dieser Standbox eine Abstimmung hinbekommen, die durch ihr ganzheitliches, homogenes Klangbild ihre Defizite gegenüber der kostspieligeren Konkurrenz aus eigenem Hause hinsichtlich des Erlebniswertes keine Rolle spielen lässt. Das geht sogar soweit, dass ich mich beim einen oder anderen Musikstück frage, ob ich die Veritas p9.2 SE wirklich besser finde. Das ist sie zweifellos, aber: Die musikalische Stimmigkeit der kleinen Standbox ist so gelungen, dass sie vergessen macht, dass sie das eine oder andere in Sachen Detailfülle nicht so perfekt beherrscht. Die Phonar Veritas p4.2 Next strotzt vor Musikalität und Spielfreude und lässt mich entspannt die Musik genießen oder konzentriert mit wippenden Füßen auf der Couchkante sitzen – je nachdem. Die Tatsache, dass der Obertonbereich eher etwas zurückhaltend wiedergegeben wird, schadet auch nicht bei rockigen Songs. „Spirit In The Sky“ von Norman Greenbaum (Deluxe Edition Qobuz 16/44,1) reproduziert die Phonar mit für dieses Genre angemessener Aggressivität und gleichzeitig viel Körperhaftigkeit beim Gesang, so auch bei den Background-Stimmen. Obwohl diese recht laut abgemischt sind, kann man singende Frauen wahrnehmen und zwar ohne kreischende Überbetonung. Das Timbre der 4.2 Next schränkt die rockige Lebendigkeit in keinster Weise ein, nervt nicht, macht nicht müde. Es macht vielmehr auf den nächsten Track neugierig. Das Miteinander der drei Lautsprecherchassis funktioniert bruchlos. Das Tiefmitteltöner-Duo erledigt seinen Part mit nicht vom Hochtöner abweichender Präzision und Dynamik. Die optionale Hochtonanpassung habe ich in meinem Hörraum nicht angewendet, und die beiden Bassreflexöffnungen besitzen keine Schaumstoffpfropfen, die, wie bei der Großen möglich, zum Experimentieren verführen und den Verlauf des Frequenzganges im Bass beeinflussen könnten.


  • Oladra Presence

    Die Server und Streamer von Antipodes Audio sind kostspielig. Das ist nicht neu. Sie bieten für's Geld eine hervorragende Klangqualität. Das begann seinerzeit für mich mit dem EX, ging über die S-Serie zum K50 und schließlich sogar bis zum Oladra G4. Jetzt steht der brandneue Oladra Presence bei mir zum Test. Der Oladra Presence kostet enorme 58.000 Euro. Das ist für mich eigentlich Grund genug, mich nicht mit ihm zu befassen. Aber mein Interesse und…
    11.08.2026
  • MSB Technology Cascade DAC – aktuelle Version

    Die Bilder könnten zwar den Anschein erwecken, aber ich recycele hier nicht den Cascade-Test von vor zwei Jahren – auch wenn das bei den Temperaturen im Hörraum ein verlockender Gedanke wäre. Der aktuelle MSB-Wandler unterscheidet sich rein äußerlich nicht von dem, den ich Ihnen bereits vorgestellt habe, in Sachen Technik und Klang aber sehr wohl. Ich habe Jürgen Sachweh, den Inhaber des deutschen MSB-Vertriebs gefragt, was mein damaliges Testmodell von der neuen Version unterscheidet, und…
    04.08.2026
  • MSB Technology The Sentinel DAC

    Hier geht es um einen D/A-Wandler, der zum Aufwändigsten zählt, das in dieser Gerätegattung gebaut wurde – vergleichbar höchstens noch mit dCS' Varèse. Hören konnte ich das Ausnahmegerät zwar nicht in meinem Hörraum, allerdings in einer bereits etwas vertrauten Umgebung. Reicht das, um meine Eindrücke in der Rubrik Tests zu veröffentlichen? Üblicherweise finden Sie die Schilderung meiner in fremden Gefilden bei Firmenbesuchen gemachten Erfahrungen unter dem Menü-Punkt Feuilleton. Aber diesmal ging es nicht um eine…
    31.07.2026
  • SPL Crossover Mk2

    SPL ist nach meinen Informationen der einzige Audiogeräteproduzent, der überhaupt eine aktive Analogfrequenzweiche im Portfolio führt. Mit der Mk2 steht inzwischen eine Überarbeitung der Ur-Version in den Startlöchern. Höchste Zeit, sich dieses HiFi-Einhorns einmal anzunehmen. Der Funktionsumfang der zweiten Generation ist immens angewachsen. Während das Crossover erster Generation lediglich bei der optimalen Einbindung eines Subwoofers in die Stereokette helfen konnte, eröffnet die Mark 2 gänzlich neue Möglichkeiten. Statt der Trennfrequenzen von 50, 60, 70, 85,…
    28.07.2026
  • Matrix Audio mini-i Pro 4

    “Die Matrix ist allgegenwärtig, sie umgibt uns. Selbst hier ist sie, in diesem Zimmer.” Lange habe ich darauf gewartet, einen Testbericht mit einem passenden Filmzitat zu eröffnen. Ähnlich lange habe ich mich auf den Test eines Produkts aus dem Hause Matrix Audio gefreut. Mit dem mini-i Pro 4 ist es endlich so weit. Der Name Matrix Audio beruft sich eigentlich auf das gleichnamige mathematische Konzept, aber bei der Namensverwandtschaft zu dem stilprägenden Film kam ich…
    21.07.2026
  • Børresen Acoustics T5 SSE – das Interview

    Während meines letzten Besuchs der Audio Group Denmark in Aalborg hatte ich am Tag nach der Präsentation der Børresen M8 und der Aavik M-880 Gelegenheit, mit dem Entwickler der T5 SSE über sein Produkt zu sprechen. Wenn Sie im ersten Teil technische Details vermisst haben sollten: Hier finden Sie sie in Hülle und Fülle. Dirk Sommer: Nun zu etwas ganz anderem, den T5. Was ist anders im Vergleich zum 05? Ich muss zugeben, dass ich…
    17.07.2026

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.