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Wilson Audio – Watt/Puppy

06.05.2025 // Thomas Heinemann

Als Schlüssel für den Live-Klang, oder für die natürliche und authentische Wiedergabe, nennt David Wilson zwei Punkte: In Punkt Eins beschreibt er den „dynamischen Kontrast“. Damit meint er allerdings nicht den „dynamischen Bereich“, sondern den hörbaren Kontrast in der Veränderung, respektiv die „Geschwindigkeit“ von kaum noch hörbar zum Spitzenpegel. Ich würde es auch „Lebendigkeit“ nennen. Als den zweiten Punkt, respektive essenziellen Aspekt für den Live-Klang, nennt er den „harmonischen Ausdruck“. Und spricht weiter von der notwendigen Korrektheit und Vollständigkeit der harmonischen Reihe oder der Obertöne. Die Intensität und die Zusammensetzung der Obertöne machen die Klangfarbe, oder auch das Timbre eines Instruments oder einer Stimme aus. Alle Entwicklungen der vergangenen 50 Jahre tragen diese Erkenntnis in sich. Es ist der Anspruch auf Natürlichkeit, den so viele Audiophile suchen und den viele mit Wilson Audio für sich gefunden haben. Aber warum nun eine Neuauflage der Watt/Puppy? In dieser Preisklasse gab es doch bereits die nicht mehr erhältliche Yvette und darüber das aktuelle Modell der Sasha V im Programm. Und hier schätze ich Daryl Wilson, der Sohn Davids, für seine Experimentierfreude und sein Vertrauen, die Watt/Puppy erneut in seine Entwicklungen einzubeziehen. Es zeigt, wie schlüssig alle Entwicklungen bei Wilson ineinandergreifen – auch heute. Sicherlich gab es mehr Beweggründe, die zu dieser Entscheidung und einer Neuentwicklung auf Basis des Urkonzepts führten. So sah Daryl Wilson wohl die Chance, mit aktuellen technologischen Erkenntnissen und Fortschritten einen preisgünstigeren Lautsprecher zu entwickeln, der die Lücke zwischen der Sabrina X und der Sasha V schließt. Zudem bringt die Justierbarkeit des Neigungswinkels zum Hörer gewichtige Vorteile gegenüber der eingestellten Yvette. Entstanden ist – trotz des ersten Anscheines – ein völlig neuer Lautsprecher, der die Technologie und das klangliche Vermögen aus der Sasha V fast nahezu vollständig adaptiert und in ein völlig neu konstruiertes Gehäuse transferiert. Die nahe Verwandtschaft zur Sasha wird auch durch die nun im Bassgehäuse liegende Frequenzweiche und der entsprechend sichtbaren Verbindung zwischen Watt und Puppy deutlich. Sogar die X-, S- und V-Gehäusematerialen und alle Treiber sind bei beiden Systemen gleich. Vergleicht man nun die Sasha V mit der neuen Watt/Puppy, sind die Unterschiede in der Größe, im Gewicht, den angepassten Detaillösungen und im Preis zu finden.

Die Bespannung der Watt/Puppy ist in verschiedenen Farben erhältlich
Die Bespannung der Watt/Puppy ist in verschiedenen Farben erhältlich

Auch die Neukonstruktion behält das frühere Konzept bei und macht die Watt, mit Einschränkung der Frequenzen von unterhalb von circa 230 Hertz, fast zu einem vollwertigen kleinen Lautsprecher. Die sehr niedrige Übergangsfrequenz von 230 Hertz zwischen Watt und Puppy ist typisch für Wilson Audio: Sie soll Verfärbungen der Mitteltöne durch die Basseinheit verhindern. Die Puppy-Einheit kann dann bis 25 Hertz hinunterspielen und sorgt für genügend Bass und Tiefgang. Sogar der Tragebügel der Watt, den David Wilson für den komfortablen Transport zu seinen Aufnahmeorten nutzte, ist geblieben. Wie gut, er ist nicht nur ein schönes Designelement, sondern er erfüllt auch heute noch sinnvolle Dienste, wie beispielsweise bei der Justage des Anstellwinkels der Watt. Auch die WATT/Puppy 2024 nutzt, wie gerade erwähnt, die drei spezifischen Wilson-Verbundstoffe: das X-, S- und V-Material. Der Materialmix soll eine Gehäusestruktur schaffen, die akustisch neutral ist und gleichzeitig die Dynamik, Klarheit und emotionale Ausdruckskraft der Musik unverfälscht wiedergibt. Die Auswahl und Anordnung der Materialien spielen dabei eine entscheidende Rolle. Sowohl Hochtöner, Mitteltöner, als auch die Tieftöner sind jeweils in akustisch speziell abgestimmten Kammern untergebracht, die sich auch in der Materialzusammensetzung unterscheiden. Durch diese ausgefeilte und gezielte Kombination der Materialien wird das Verhältnis von Masse zu innerer Dämpfung so abgestimmt, dass Gehäuseschwingungen auf ein absolutes Minimum reduziert werden. Konkret wird das X-Material für die Rahmenstruktur der Gehäuse verwendet. Es ist ein hochdichter Verbundstoff mit extremer Steifigkeit. Das S-Material wurde speziell für die Frontplatte des WATT-Moduls entwickelt. Die damit optimierte Ankopplung des Mitteltöners verbessert die Mitteltonwiedergabe und trägt zu mehr Klarheit bei. Das V-Material ist ein vibrationsabsorbierender High-Tech-Verbundstoff, der für die obere Platte des Puppy-Bass-Systems respektive als Trennschicht zwischen WATT und Puppy-Modul verwendet wird. Ziel war, die mechanische Übertragung von Vibrationen zwischen den Gehäuseeinheiten zu reduzieren und die präzisere Zeitausrichtung und damit die Klarheit der Darstellung zu unterstützen. Aus der Verwendung der drei dichten Verbundstoffe resultiert das hohe Gewicht der Lautsprecher. Daher überrascht es nicht, dass je Box dann fast 73 Kilogramm zusammenkommen. Für die Oberfläche hat man die Wahlmöglichkeit zwischen fünf Standardfarben oder für eine der sieben Upgrade-Ausführungen und 11 Pearl-Lackierungen. Bei der Frontbespannung kann man aus sieben Farben wählen. Damit sollte für jeden Geschmack eine gute Integration in die häusliche Umgebung möglich sein. Ein kleiner Wermutstropfen für die, die keine passende Farbe auch der Standardpalette finden: Für die Sonderlackierungen muss man einen stattlichen zusätzlichen Betrag einplanen.

Die drei verwendeten Treiber-Typen von ScanSpeak
Die drei verwendeten Treiber-Typen von ScanSpeak

Alle im Watt/Puppy verwendeten Treiber kommen von ScanSpeak. Ein bekannter und renommierter Hersteller, der schon lange mit Wilson Audio zusammenarbeitet und die individuellen Modifikationen und Entwicklungen von Wilson Audio umsetzt. Auch der 1-Zoll-Hochtöner (Convergent Synergy Carbon) ist so ein individuell entwickeltes Design mit einer Seidenkalotte. Ziel war es, eine hohe Empfindlichkeit bei nur geringen Verzerrungen und Resonanzen zu erreichen. Das Ergebnis ist eine hohe Transparenz. Im 7-Zoll-Mitteltöner, aus einer Aluminium-Nickel-Kobalt-Legierung, stecken gleich mehrere Innovationen und Patente, die eine möglichst natürliche und verfärbungsfreie Wiedergabe gewährleisten sollen. In der Puppy-Einheit sind zwei 8-Zoll Tieftöner verbaut, hergestellt aus einem homogenen Zelluloseverbundstoff. Auf der Rückseite wird das Ende des aus massivem Aluminium gefrästen Bassreflexrohr sichtbar. Die Frequenzweichen sind im Bassgehäuse untergebracht und die Verdrahtung zu der darüber liegenden Watt wird smart über zwei Ausgänge geführt: Die Verbindungskabel lassen sich je nach Anstellwinkel der Watt in die passende Länge bringen und fixieren. Die von Wilson selbst entwickelten Eingangsbuchsen für die Lautsprecherkabel sind vergoldete Dreiwegeklemmen, die auf einer Platine mit gutem Abstand montiert sind. Auf der Rückseite, im oberen Bereich der Puppy, befindet sich das offene und hochwertig verarbeitete Widerstandsterminal, mittig ausgestattet mit einer „exklusiven Golden Anniversary Medaille“. Rechts und links daneben sitzen leicht zugängliche Schraubanschlüsse für den schnellen Austausch der Hoch- und Mitteltonwiderstände. Die Widerstände erfüllen gleich zwei Aufgaben: Zum einen dienen sie als Überlastschutz, zum anderen zur klanglichen Feinjustierung der beiden Treiber. Die Empfindlichkeit ist mit 89 Dezibel recht hoch, die minimale Verstärkerleistung wird mit 25 Watt angegeben. Wie bisher bleibt auch die neue WATT/Puppy eine 4-Ohm-Verstärkerlast, die bis auf 2,87 sinken kann – trotzdem gilt sie als verstärkerfreundlich. Wilson Audio ist ein Hersteller, der seine Lautsprecher in einem ausgeklügelten Set-Up-Verfahren entwickelt und abstimmt – und dieses Wissen an seine Kunden weitergibt, da man ja weiß wie entscheidend eine präzise Aufstellung für den bestmöglichen Klang ist. Um die ideale Position der Box für den jeweiligen Raum zu finden, gibt es das von David Wilson entwickelte strukturierte Verfahren mit den Namen WASP (Wilson Audio Setup Procedure). Es beschreibt den Weg zur „neutralen“ Position der Lautsprecher respektiver der mit der geringsten Interaktion mit den Raumwänden – alles ohne Messgeräte, sondern für jedermann mit den eigenen Ohren machbar.


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