tests/26-03-31_sotm
 

SOtM sMS-2000

31.03.2026 // Dirk Sommer

Das Gehäuse ist in drei Sektionen unterteilt. In der Mitte befindet sich das Mainboard
Das Gehäuse ist in drei Sektionen unterteilt. In der Mitte befindet sich das Mainboard

Ich höre seit langem mal wieder Patric Herals „Improvisation“ von Michel Godards Album Le Concert des Parfums in der bei Qobuz erworbenen 24-Bit-Variante: Schon von den ersten Trommelschlägen wird man fast magisch in den großen halligen Raum, den ehemaligen Speisesaal des Klosters von Noirlac, gezogen: kein Wunder, dass mir der Track vor einiger Zeit für Tests fast unverzichtbar erschien. Während mir die Aufnahmeumgebung sehr vertraut vorkommt, überrascht, dass dank des sMS-2000 plötzlich einige zusätzliche akustische Ereignisse auszumachen sind, und auch, wie differenziert die einzelnen Perkussionsinstrumente erklingen. So präzise und detailreich habe ich den Track über meine Up-Sampler-Wandler-Kombination noch nie gehört. Nun verbinde ich eines der beiden Netzteile mit der Buchse der Ethernet-Karte und starte die „Improvisation“ noch einmal: Es ist fast unglaublich, wie viel größer das Refektorium nun wirkt. Die Fülle an Feininformationen hingegen bleibt fast unverändert, aber fein- und grobdynamisch erreicht die Wiedergabe ein noch höheres Niveau. Der sMS-2000 treibt den M-Scaler und den DAVE mit seinen Linearnetzteilen zu klanglichen Höchstleistungen: Da wird der Test-Track zum Hochgenuss! Es wäre grob fahrlässig, SOtMs für sich allein genommen schon extrem gute Streaming Bridge ohne eine externe Stromversorgung für die Ethernet-Karte zu betreiben.

Der Hauptprozessor ist über Heatpipes mit dem Kühlkörper verbunden
Der Hauptprozessor ist über Heatpipes mit dem Kühlkörper verbunden

Auch der Anfang des ersten Satzes von Mahlers Symphonie Nr. 3 mit dem Bayrischen Radio-Symphonieorchester unter Mariss Jansons wird mit dem sMS-2000 zu einem enorm beeindruckenden Erlebnis. Das Intro der Blechbläser und die Reflexionen der Klänge an der gegenüberliegenden Seite des Saales kommen ungemein klar rüber und auch die leichten, dräuende Unruhe verbreitenden leisen Paukenschläge in der ruhigeren Phase nach dem vehementen Beginn werden bestens differenziert. Die Raumillusion ist einfach großartig. Ich hätte nie gedacht, dass sich mein Chord-Electronics-Duo zu solchen klanglichen Höhenflügen aufschwingen kann – dem SOtM sei Dank. Dennoch könnte es noch ein bisschen besser gehen, wenn nicht nur die Ethernet-Karte, sondern auch die USB-Audio-Host-Karte von einem eigenen SPS-500 gespeist wird. Hier genügte es nicht, das Kabel einzustecken und das Netzteil mit der grünen Taste, die je nach Betriebszustand unterschiedlich intensiv illuminiert ist, aus dem Standby-Modus aufzuwecken. Nach einem Neustart, der beim sMS-2000 erfreulich schnell geht, konnte man dann aber die Auswirkung der zusätzlichen Stromversorgung hören. Und wie: Die gesamte Abbildung geriet in allen drei Dimensionen noch einmal ein Stückchen größer. Gerade bei den leichteren Paukenschlägen war das Nachschwingen des Fells einen Hauch länger wahrzunehmen. Bei extrem konzentriertem Zuhören gab es zudem ein paar Feinheiten mehr zu entdecken – und all das, ohne dass man vom musikalischen Geschehen abgelenkt würde. In Anbetracht der im Verhältnis zum Preis der Streaming Bridge recht moderaten Investition für die beiden SPS-500 und der damit erzielbaren klanglichen Verbesserungen kann man sMS-2000-Eignern den Erwerb der beiden Netzteile nur dringend empfehlen.

Unter diesem Kühlkörper mit SOtM-Logo verbirgt sich der Platform Controller Hub
Unter diesem Kühlkörper mit SOtM-Logo verbirgt sich der Platform Controller Hub

Kommen wir zur Einstellung „System Tune“ auf der „System config“-Seite der Eunhasu App. Alle bisherigen ungemein positiven Erfahrung habe ich mit „No tune“ gemacht. Aus den Namen der übrigen Konfigurationen wie etwa „Hpc-compute“ oder „Throughput-permance“ kann ich weder schließen, was bei deren Wahl im sMS-2000 technisch passiert, noch welche klanglichen Auswirkungen sie haben sollen – und leider habe ich zu spät bei SOtM nachgefragt, als dass ich die Antworten des in den USA weilenden Chefentwickler Lee noch vor der Veröffentlichung dieses Textes bekommen konnte. Also bleibt mir nur, ein wenig herumzuexperimentieren. Dazu spiele ich mal wieder Ravi Shankars „West Eats Meat“ an. Die Menge der Tieftonenergie, die Größe der Abbildung, die Tiefe des imaginären Raums und die Auflösung sind einfach fantastisch. Bei „Hpc-compute“ wirkt der Raum noch eine Spur tiefer, der Bassbereich büßt einen Hauch seines Drucks ein, der Drive des Stücks kommt nicht ganz so intensiv rüber, und der Hochtonbereich zieht ein wenig mehr Aufmerksamkeit auf sich. Auf diese Einstellung kann ich getrost verzichten.
Also noch einmal zurück zu „No Tune“ und „West Eats Meat“, um dann auf „Latency performance“ umzuschalten. Die Unterschiede zwischen den beiden Einstellungen sind marginal, doch bei der ersten scheint sich der imaginäre Raum noch minimal weiter in die Tiefe auszudehnen, aber da der sMS-2000 in dieser Disziplin sowieso Hervorragendes leistet, verzichte ich gern auf die letzten paar Millimeter: „Latency performance“ suggeriert dafür ein leicht angezogenes Tempo und einen intensiveren Drive. Zumindest bei diesem Stück ist „Latency performance“ für mich die bessere Wahl. Weiter geht’s mit meinem Bezugspunkt „No Tune“, Keith Jarretts „God Bless The Child“ vom Album Standards Vol.1 und kurz darauf mit „Network Latency“. Die Fülle an zuvor über meinen DAC nicht gehörten Details – der Pianist gehört ja nicht gerade zu den ruhigen Vertretern seiner Zunft, klopft mit dem Fuß im Takt, atmet hörbar und singt auch mal kurz mit – ist einfach klasse, der Groove stimmt und die Bass Drum kommt druckvoll und doch bestens definiert: einfach herrlich. „Network Latency“ lässt das Studio etwa größer, aber auch kälter wirken, es sorgt für ein noch präziseres Klangbild, nimmt der Bass Drum einen Tick Volumen und spricht mich rhythmisch nicht ganz so stark an. Da möchte ich mich für keine der beiden Einstellungen entscheiden.


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