tests/26-04-28_pro-ject
 

Pro-Ject Flatten it

28.04.2026 // Hifistatement

Das Thema thermische Behandlung von Festplatten, Kabeln oder Schallplatten wurde in Hifistatement mehrfach ausführlich behandelt. Heute geht es um den Flatten it Schallplatten-Bügler von Pro-Ject, der dank seines attraktiven Preises ein Angebot für jedermann sein könnte.

Dirk Sommer hat an dieser Stelle seit Jahren immer wieder über Kältebehandlungen zur Klangverbesserung explizit bei der Firma CoolTech berichtet. Das liest sich überzeugend, ist aber mit ein wenig Aufwand verbunden, der selbst manch eingefleischtem Audio-Freak zu lästig erscheint. Warum eigentlich? Denn nach einem Ausprobieren könnte man die ganze Plattensammlung auf einmal einer Kryobehandlung unterziehen. Eine Wärmebehandlung mit 50 bis 58 Grad scheint zumindest in meinem Umfeld eine akzeptierte Methode mit vergleichbaren Aussichten auf eine klangliche Verbesserung zu sein. Viel Aufsehen erregten die Geräte von Audio Fidelity Improvement und hier besonders das Modell AFI Flat.Duo, das aber eine Investition von 2000 Euro bedeutet, die besonders für kleinere Plattensammlungen relativ hoch empfunden werden könnte. Die eigentliche Bestimmung der Plattenbügler ist neben einer erwartbaren Klangverbesserung das Glätten welligen Vinyls. Pro-Ject bietet mit dem Flatten it für 800 Euro einen VinylBügler, der beinahe das Gleiche kann wie die kostspieligeren Mitbewerber. Äußerlich macht Flatten it einen sehr soliden Eindruck, ist überwiegend aus Aluminium sauber gefertigt und besitzt haptisch einwandfreie Bedienelemente sowie eine gut ablesbare Anzeige zur Beobachtung des Prozederes. Flatten it ist jedoch kein Automat und erfordert die manuelle Umschaltung nach dem Heizprozess auf Abkühlen.

Der Pro-Ject Flatten it ist mit seinen Design aus überwiegend Aluminium sehr gut verarbeitet. Allein die sichtbaren Kreuzschlitz-Schrauben stören, wenn man Kritik sucht, das gediegenes Gesamtbild etwas
Der Pro-Ject Flatten it ist mit seinen Design aus überwiegend Aluminium sehr gut verarbeitet. Allein die sichtbaren Kreuzschlitz-Schrauben stören, wenn man Kritik sucht, das gediegenes Gesamtbild etwas

Da muss man also etwas aufmerksamer den Vorgang im Auge behalten. Sonst kann es passieren, dass das Vinyl überhitzt wird, und Sie nachher eine LP mit Orangenhaut besitzen. Wir (mein Freund T und ich) haben das mit einer wertlosen LP ausprobiert und diese vier statt zwei Stunden erhitzt. Man kann dieses Risiko aber mit einer Zeitschaltuhr vor dem externen Zwölf-Volt-Netzteil minimieren. Denn das Umschalten auf langsames Abkühlen ist nichts anderes, als das Gerät auszuschalten. Eine aktive Kühlung findet nicht statt, was auch gut ist. Hektik ist hier nicht von Nutzen. Das Abschalten könnte also auch eine Schaltuhr bewirken; allein die Anzeige, die über den Stand der fallenden Temperatur Auskunft gibt, würde dann ebenfalls entfallen. Die Handhabung des Flatten it ist kinderleicht. Man sollte darauf achten, dass sowohl das Vinyl als auch die beiden Auflageflächen des Flatten it staubfrei sind. Ein sauberes Mikrofasertuch ist hier nützlich. Allerdings braucht man beim Pro-Ject diesbezüglich keine große Sorge zu haben. Denn wenn es sich nicht um besonders wärmesensibles Vinyl handelt, wie es gern in den USA verwendet wird, wird das Vinyl nicht aufgeweicht, so dass sich auch nichts in der Oberfläche festsetzt. Wir haben entsprechende Versuche gemacht und Teppichflusen sowie Haare bewusst bei 58 Grad über zwei Stunden mitgebügelt. Die ließen sich nach dem Abkühlen wieder einfach mit einer Plattenbürste entfernen. Überhaupt können wir erfreulicherweise konstatieren, dass bei für diesen Temperaturbereich geeignetem Vinyl nach der Behandlung keine zusätzlichen Störgeräusche, welcher Art auch immer, hörbar waren. Nur: Alle LPs waren jetzt wunderbar plan. Das ist allein schon eine gute Sache, weil die Nadel des Tonabnehmers nun keine störenden Extratouren in der Vertikalen mehr machen muss. Beim Air Force III Plattenspieler meines Freundes T. konnte das Saugsystem jetzt alle LPs per Knopfdruck ansaugen und benötigte keine mechanische Hilfestellung wie beispielsweise bei meiner unbehandelten Decca-LP La Fille Mal Gardée. Eine LP von Lee Ritenour Rio ist durch eine Beule unbrauchbar, die einen Durchmesser einer 10-Cent Münze aufweist. Diese rauszubekommen war auch durch wiederholtes und längeres Bügeln leider unmöglich. So etwas sind aber bedauerliche und seltene Einzelfälle und in diesem Falle durch eine Halogenlampe selbst verursacht…

Die beiden Schalter zur Bedienung und das Display zur Kontrolle der Ist- und Soll-Temperatur
Die beiden Schalter zur Bedienung und das Display zur Kontrolle der Ist- und Soll-Temperatur


  • Wilson Benesch Prime Meridian System – an approximation

    I reviewed Wilson Benesch's first turntable in 1996, and the second two years later. Getting hold of the third for a review shouldn't have been a big deal, I thought. But it was – for several reasons: It's a really big thing, weighing over 350 kilograms, and the accompanying white paper is 138 pages long. The fact that the Prime Meridian system, if I remember correctly, is the most expensive product ever tested by hifistatement.net…
    11.05.2026
  • Harbeth Super HL5plus XD2

    Der HL5 ist das älteste Modell von Harbeth und gehört nach wie vor zum aktuellen Sortiment. Seine Geschichte reicht fast 50 Jahre zurück und begann 1977, als H.D. Harwood, ein ehemaliger BBC-Ingenieur, als Erster Polypropylen für die Membranen der Treiber einsetzte. Übrigens steht „HL“ für die Vornamen von Harwood und seiner Frau Elisabeth. Vom HL5 zum Super HL5plus XD2 Die originalen HL-Monitor-Modelle, vom Mk 1 bis zum Mk 4, wurden zwischen 1977 und 1988 hergestellt.…
    08.05.2026
  • iFi iDSD Phantom

    Der iDSD Phantom vereint Streamer, DAC und Kopfhörerverstärker in bester iFi-Manier zu einem Alleskönner. iFi erreicht damit die höchstmögliche Ausbaustufe von stationärem HiFi. Abgerundet wird das Paket von einem aufwendigen Gehäuse und sowohl einer Transistor- als auch einer Röhren-Ausgangsstufe. Gerade im mobilen Bereich hat iFi in der Vergangenheit viele Geräte entwickelt, die einen Vergleich mit dem berühmten Schweizer Allzwecktaschenmesser nicht im Geringsten scheuen müssen. Mit dem Phantom hält die – nahezu – unbegrenzte Vielfalt an…
    05.05.2026
  • Sumiko Oriole

    Sumikos Firmensitz befindet sich in Mineapolis, USA im Bundesstaat Minnesota. Von hier aus werden die Tonabnehmer weltweit vertrieben. Hergestellt werden sie allerdings in Japan bei Excel Sound in Yokohama. Dort werden die Systeme seit 1982 von ausgewählten Handwerkern handgefertigt. Das neu auf dem Markt befindliche Oriole aus der Reference-Serie von Sumiko liegt preislich und klanglich in der Mitte zwischen dem Starling und Songbird aus gleichem Hause. Oriole ist übrigens die englische Bezeichnung für den hierzulande…
    24.04.2026
  • WestminsterLab Omne

    Ich schätze WestminsterLab-Komponenten für ihre Musikalität und Authentizität, die den Zugang zur Musik ganz selbstverständlich öffnen. Diese Qualität verspricht nun WestminsterLab in Form des Omne, einem Vollverstärker, der das gesamte Westminster-Lab Erlebnis in einem All-in-One-Paket vereinen soll. Ein Versprechen, das neugierig macht. Als Angus Leung den Omne Vollverstärker Anfang Februar 2025 in Hamburg präsentierte, ging es ihm erkennbar nicht um die übliche Choreografie aus Neuheit und Superlativen. Im Zentrum stand für ihn vielmehr die Antwort…
    21.04.2026
  • SOtM sMS-2000 – ein Nachtrag

    Klanglich, optisch und in Sachen Verarbeitung hat mich der SOtM sMS-2000 rundum begeistert. Im täglichen Betrieb erweist er sich als komfortabel und bisher völlig stabil. Die Einrichtung einer zusätzlichen internen Festplatte hätte allerdings Programmierkenntnisse in Linux erfordert. Ich habe deshalb die zum Lieferumgang gehörende SSD aktiviert. Beim kürzlich erschienenen Test agierte der sMS-2000 ja lediglich als Streaming Bridge. Die Musikdaten bezog er vom Melco N1Z H60/2 über Ethernet, denn die Kombination eines netzwerkgebunden Servers als…
    17.04.2026

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.