Wie in eigentlich jedem Lautsprechertest landen meine Testkandidaten auf dem Platz, an dem auch meine eigenen Dreiwegelautsprecher üblicherweise arbeiten. Bisher gab es kaum Lautsprecher, die an dieser Position nicht optimal funktioniert haben. Viele Aufstellungsalternativen bietet mein kompakter Raum aber auch nicht. Über leichtes Ein- oder Ausdrehen lässt sich üblicherweise „einstellen“, wie gut sich Schallquellen von den Lautsprechern ablösen und wie die Abbildung zwischen den Lautsprechern ausfällt. In vielen Aufnahmen werden Schallquellen bewusst nicht ganz nach außen gepannt. Mit der passenden Lautsprecheraufstellung sind diese dann vollkommen frei auf der Stereobreite innen, leicht neben und hinter den Lautsprechern wahrnehmbar. In „Pardon, Goddess Of The Night” von Elisabeth Karsten vom Album Flux ist dies beispielweise der Fall. Damit das mit den Scansonics funktioniert, müssen sie wie eigentlich alle Lautsprecher in meinem Raum auf den Hörplatz eingedreht werden. Sie zeigen dabei leicht an meinen Ohren vorbei und ihr Schnittpunkt liegt leicht hinter meinen Kopf – ebenfalls nichts Neues oder Ungewöhnliches.

Innerhalb der ersten Minuten Spielzeit zeigt sich schnell, dass sowohl Lautsprecher und Raum als auch Lautsprecher und mein persönlicher Geschmack außergewöhnlich gut miteinander harmonieren. Gerade im Bassbereich ist mein Raum kritisch und die meisten Lautsprecher, schmeißen (für meinen Raum und Geschmack) grundlegend viel zu viel Bassenergie in den Raum – oder umgekehrt betrachtet, im Hochtonbereich zu wenig. Nicht so der M15.2. Er spielt unprätentiös in einer sehr ausgewogenen Balance über alle Frequenzbereiche hinweg: ein Lautsprecher, mit dem Musikhören schlicht und ergreifend unkompliziert ist. Da der M15.2 erst der zweite Lautsprecher mit Passivmembran statt deutlich häufigerem konventionellen Bassreflexaufbau in meinem Hörraum ist, kann ich nicht ganz eindeutig sagen, ob hauptsächlich die Passivmembran für die überdurchschnittlich gutmütige Ankopplung des Bassbereichs an meinen Raum verantwortlich ist, lediglich die Abstimmung besonders gut passt, oder eine Mischung aus beidem vorliegt. Die Lautsprecher spielen in meinem Raum deutlich tiefer als im Datenblatt angegeben und bieten dabei einen trockenen, straffen und impulsschnellen Bass, nicht zuletzt, da sie meine Hauptraummode bei 65 Hertz deutlich weniger anregen als andere Lautsprecher dies in der Vergangenheit taten.

Seventh Wonders „Against the Grain“ von ihrem Konzeptalben Tiara, bewegt sich wie für die Band typisch zwischen feinstem Prog und Kitsch. Die Aufnahme beginnt mit einer wunderbar freigestellten Akustikgitarre in der Phantommitte zwischen den Lautsprechern und wird schnell von E-Gitarren und Synthsoli abgelöst, bevor das Tempo wieder zurückgenommen wird und Sänger Tommy Karevik über Tiaras innere Konflikte lamentiert. Die komplexe, nicht im entferntesten audiophile Produktion meistert die M15.2 mit Bravour. Sie offenbart eine ausgezeichnete Fähigkeit zum Öffnen einer großzügigen virtuellen Klangbühne in Tiefe und Breite. Selbst in dieser dichten Produktion heben sich die Instrumente spielend voneinander ab und es bereitet mir keinerlei Schwierigkeiten einzelnen Melodien zu folgen. Gleichzeitig spielen die Instrumente in einer glaubwürdigen Größe mit einem gut fokussierten Mittelpunkt und sind sogar von einem guten Schwung Luft umgeben. Auch wenn im nächsten Stück des Albums „Victorious“ noch etwas stumpfer auf den E-Gitarren losgeschrammelt wird, der Hörspaß bleibt keinesfalls auf der Strecke. Die Gitarren sind in diesem Fall zwar sehr weit nach außen gepannt und deutlich in Richtung Lautsprecher zu verorten, kleben aber keinesfalls an ihnen fest und wirken von der Einheit aus Tiefmittel- und Hochtöner sehr bruchlos dargeboten. Über den Fakt, dass die Stimme das Sängers nicht ganz so frei in die Produktion eingebettet ist und ihr noch ein Rest Mikrofon- und Aufnahmeraumklang anhaftet, täuscht die M15.2 galant hinweg. Gleichzeitig kann aber nicht im Geringsten von einer Abwesenheit an Details gesprochen werden. Ein Auflösungswunder ist die Scansonic allerdings auch nicht. Aber genau das ist ihre ausgesprochene Stärke. Gerade bei Rockmusik, Metal, alten und nicht perfekten Aufnahmen möchte ich nicht dauerhaft an ihre Minderwertigkeit erinnert werden. Eine Domäne in der Lautsprecher mit einer guten Grundauflösung punkten, die aber nicht jedes noch so kleine Detail ungefragt herausspielen. Es klingt paradox, aber ich habe schon insgesamt hochauflösendere Systeme gehört, die es trotzdem nicht geschafft haben, so präzise und gezielt zu differenzieren wie die M15.2, ja sogar gleichermaßen hochauflösend und dennoch verhangen klangen. Die Detaildarbietung der 15.2 ist wirklich etwas Besonderes. Alle relevanten Details werden in grandioser Auflösung dargeboten, alle eher die Wiedergabe störenden Informationen werden deutlich weniger hervorgehoben, sind aber dennoch nicht gänzlich verschwunden oder sorgen für einen Verlust an Auflösung.