
Was beim ersten kurzen Hineinhören bereits so signifikant hörbar war, sollte sich nun auch im ausgiebigen Hörtest bestätigen: Jetzt kam die Musik von der Festplatte des Dell Roon Servers per Netzwerk zum Eversolo T8 gestreamt an den AES/EBU-Eingang des Virtus I4S. Wieder beeindruckte mich die schön aufgefächerte, detailreiche und homogene Darbietung des Albums Sotho Blue von Abdullah Ibrahim und Enkaya. Dabei spielte es keine Rolle, ob ich sehr laut oder leise hörte. Das erbaulich stressfreie Klanggeschehen blieb. Das ist schon bemerkenswert und ein besonderes Lob wert und auch in weit höheren Preisklassen nicht selbstverständlich. In meiner etatmäßigen Kette mit dem Soulnote A2 Vollverstärker kann die Klangästhetik schon mal leiden, wenn irgendetwas nicht stimmt. Es spielen aber hier und jetzt peripher die selben Geräte und ich bin beeindruckt von der Schönheit der Musik, wie die beiden Foundation Line sie in Szene setzen. Andererseits kann der gegenüber dem Virtus I4S weit mehr als zweimal so teure Soulnote mit mehr Feindynamik und an gegebener Stelle auch mehr Biss beeindrucken, während das slowakische Duo stets gelassen und elegant musiziert. Es macht Spaß zuzuhören, vor allem, weil auch der Reichtum an Nuancen ein tiefes Hineinhören in die Musik leicht macht. Beim ersten Album der Chicago Transit Authority ist das nicht anders. Wie es sich für die rockigen Arrangements gehört, haftet der Musik eine angemessene Portion Aggressivität an. Nicht zu viel, es bleibt geschmeidig und anstrengungsfrei. Dabei erlebe ich die Instrumente stets farbenstark und authentisch mit musikalischem Fluss reproduziert. Bei „I´m a Man“ gefallen die Percussion und das Schlagzeug durch natürliche Klangfarben und in den Gesangsparts lassen sich die drei Sänger ohne Mühe voneinander unterscheiden. Das ist schon verflixt gut. Egal welches Stück dieses Albums ich spiele, es bestätigt jeweils diesen Eindruck. Versuchen wir nun orchestrale Musik, und zwar Rimsky-Korsakovs Scheherazade mit Ernest Ansermet und dem Orchestre de la Suisse Romande bei Decca. Wie auch schon zuvor, erlebe ich eine große, aber nicht übertrieben oder gar sphärisch diffuse Bühne mit Tiefe. Kraftvoll eröffnet das Orchester, bis nach wenigen Takten die feine zartere Instrumentierung und die Solovioline übernehmen. Die beiden Foundation Line machen dies zu einem musikalischen Hochgenuss und lassen dank des stimmigen Gesamtbildes die Transparenz und Kraftentfaltung nicht vermissen, die ein Soulnote A2 zusätzlich beisteuern könnte. Ich bescheinige dem Foundation Line Duo gerne eine außerordentliche Musikalität, die man andernorts in dieser Klasse nicht so leicht findet. Wie ich anfangs erwähnte, lassen sich durch die verschieden digitalen Filter kinderleicht feine Anpassung an das subjektive Klangideal während des Spielens machen. Das wirkt sich auf die Raumabbildung und leichte Betonungs-Veränderungen im Frequenzspektrum aus.

Da ich bislang lediglich die AES/EBU Verbindung mit dem Boaacoustic-Kabek nutzte, probiere ich den nun den USB-Eingang desCanor D4S mit dem Habst USBIII-Kabel, das eine etwas kühlere Klangcharakteristik aufweist, Dazu höre ich nochmals „Calypso Minor“. Ja, entsprechend der Timbrierung der Kabel, klingt es jetzt im Bass akzentuierter, trockener und mit etwas verbesserter Kontur. Der angenehme, ein wenig schmeichelnde Sound des Canor Duos geht dabei erfreulicherweise keineswegs verloren. Bei der „Scheherazade“ gewinnt die USB-Verbindung nicht, weil die Coolness des Habst hier den Streichern nicht guttut. Die digitalen Eingänge des Verto D4S darf man somit als klanglich gleichwertig betrachten, da die Unterschiede allein auf das Konto der Kabel-Charakteristika gehen. Der erwähnte konstruktive Aufwand, auch mit der galvanischen Isolation, trägt hier Früchte. Trotz oder gerade wegen des stimmigen Klangeindrucks bei allen gehörten Musikgattungen, mit dem die beiden Canor mich begeistern, möchte ich doch gern klären, inwieweit der Verto D4S daran beteiligt ist und schließe statt seiner meinen PS Audio DAC über AES/EBU an den Eversolo T8 an. Zum Einhören wähle ich abermals Abdullah Ibrahim und Enkaya. Der getunte PS Audio stellt preislich natürlich einen unfairen Vergleich dar, was man auch hört. Denn jetzt er bietet mehr Auflösung und Dynamik, besonders im Bass. Allerdings leidet auch diese wunderschöne, angenehme Darbietung etwas, die das Duo Virtus und Verto so herrlich genussreich anrichten. Bei der „Scheherazade“ war der klangliche Unterschied, mal abgesehen von den die Transparenz fördernden feindynamischen Vorteilen des PS Audio, relativ gering. Denn die Herausforderungen im Tiefbass sind hier nicht vergleichbar mit denen in „Calypso Minor“ von Sotho Blue.
