Die Beschäftigung mit dem Vertere Xtrax vor beinahe anderthalb Jahren hatte richtig Spaß gemacht. Daher nahm ich das Angebot von Andreas Kayser, dem Inhaber des deutschen Vertere-Vertriebs Beat Audio, das neue Topmodell Ruby one zu testen, gerne an. Dafür habe ich sogar eine meiner selbstauferlegten Regeln für Tests gebrochen. Dazu später mehr.
Vorrangig freute ich mich darauf, nach Monaten endlich mal wieder längere Zeit nur Schallplatten zu hören. Außerdem unterscheiden sich Xtrax und Ruby one nur in Details, und die Besonderheiten des ersten hatte ich in der recht ausführlichen Vorstellung des Xtrax ja bereits beschrieben. Da wäre zum Beispiel die Befestigung des Generators im Gehäuse durch zu einem Spike auslaufende Madenschrauben aus Edelstahl – eine Technik zur Resonanzableitung, die Vertere-Chef Touraj Moghaddam schon während seiner Zeit bei Roksan für das auf dem EMT-Generator basierenden Shiraz entwickelt hatte. Obwohl die Impedanz der Spulenwicklungen 40 Ohm beträgt, werden als Abschlussimpedanz 850 bis 1500 Ohm empfohlen. Den ungewöhnlich hohen Wert hatte Touraj Moghaddam beim Xtrax damit begründet, dass dessen Frequenzgang so ausgewogen sei, dass es keiner Bedämpfung einer Überhöhung im Präsens- oder Hochtonbereich bedürfe. Es sei schlicht nicht nötig, einen auch noch so kleinen Teil der Ausgangsspannung zugunsten der Linearität zu opfern. Das gilt natürlich beim Ruby one ebenso. Den Generator, bei dem die auf einen kreuzförmigen Träger gewickelten Spulen in Verbindung mit einem Samarium-Cobalt-Magneten eine Ausgangsspannung von recht hohen 0,45 Millivolt bei einer Schnelle von fünf Zentimetern pro Sekunde liefern, bezieht Vertere von der Excel Sound Cooperation in Japan. Die schätzt Touraj Moghaddam ganz besonders wegen der hohen Qualität der Politur der Diamanten, die ein sehr geringes Laufgeräusch in der Rille garantieren soll.

Das war es dann auch schon mit den Gemeinsamkeiten. Zwar gibt es auch beim Ruby one die Teleskop-Konstruktion des Nadelträgers. Allerdings bedämpfen sich hier nicht wie beim Xtrax zwei Aluminium-Röhrchen aus unterschiedlichen Legierung nach dem Prinzip des Constraint Layer Dampings, sondern ein industriell hergestelltes Rubin-Stäbchen, das in einem Alu-Röhrchen steckt. Auf der gegenüberliegen Seite des Stäbchens wurde ein Diamant mit einem Micro-Ridge-Schliff in eine Aussparung im Rubin eingesetzt. Auch dieser soll sich durch eine besonders feine Politur auszeichnen. Für Rubin als Material für den Nadelträger hat sich Vertere nach ausgiebigen Experimenten mit diesem, Boron und Diamant entschieden. Für Touraj Moghaddam ergibt sich bei der gemeinsamen Verwendung von Aluminium und Rubin die stimmigste Kombination von körperhafter Darstellung und Detailfülle. Da er herausgefunden hatte, dass das härtere Material des Nadelträgers das Resonanzverhalten des Tonabnehmers leicht verändert hat, erhöhte er beim Ruby one die Masse des Aluminiumgehäuses im Vergleich zum Xtrax um 0,6 Gramm, um wieder die gewünschte Schwingungsableitung sicherzustellen. Ob am Dämpfungssystem und am Spannfaden ebenfalls Anpassungen nötig gewesen sind, führte er nicht aus. Die elektrischen Eigenschaften des Generator sollen absolut gleich geblieben sein. Dennoch wird in den Spezifikationen für das Xtrax ein Abschlusswiderstand von 850 Ohm bis 1,5 Kiloohm empfohlen, für das Ruby one jedoch einer von 1 bis 1,5 Kiloohm. Für solche Werte ist meine Phonostufe allerdings nicht ausgelegt. Die beiden höchsten Werte sind hier 500 und 1000 Ohm. Da der obere von ihnen zwar nicht mittig, aber immerhin zwischen den beiden für das Xtrax empfohlenen Extremwerten liegt, habe ich es bei dessen Test dabei bewenden lassen – zumal der Tonabnehmer klanglich rundum überzeugte.

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