
Schon liegt eine Neuerwerbung auf dem Plattenteller von Einsteins Aerolith: Christian McBride und Edgar Meyers But Who's Gonna Play the Melody, ein Doppelalbum, eingespielt von zwei Bassisten. Besonders angesprochen haben mich „Bass Duo 2“ auf Seite 3 und der „Tennessee Blues“ auf Seite 4. Edgar Meyers Komposition beginnt mit einem längeren Intro des Basses auf der rechten Seite des großen, halligen Raums – leider verrät das Cover nicht, wer auf welcher Seite aktiv ist –, dann steigt der Viersaiter auf der linken in den Groove ein und setzt einige solistische Akzente, bevor nach einem kurzen Break das Knarzen des gestrichenen Basses von rechts im Fokus steht: jede Menge fein definierte Tieftonenergie, packendes Timing, ein unwiderstehlicher Drive, glaubwürdige Klangfarben und Dynamik satt – das macht den Klang-Gourmet wunschlos glücklich. Laufwerk, Tonarm, Ruby one und die Aavik R-588 agieren auf demselben hohen Niveau wie die beiden Bassisten. Einfach Klasse! Dem steht der „Tennessee Blues“ in nichts nach: Los geht’s mit zwei gestrichenen Tieftönern, von denen einer bald auf einem soliden gezupften Tieftonfundament tänzelt, dann wechseln die Musiker zwischen pizzicato und con arco, bevor sie das Stück gemeinsam streichend beenden. Das Ruby bringt diese – für mich – wirklich großartige Musik rhythmisch bestens akzentuiert, mit dem nötigen Druck und gleichzeitig sehr guter Durchzeichnung rüber. Allen Kontrabass-Fans kann ich dieses Album nur nachdrücklich empfehlen – auch wenn ich befürchte, dass sie nicht ganz so viel Spaß daran haben werden wie ich, wenn sie kein Vertere Ruby one ihr eigen nennen.

Weiter geht’s mit Codona, dem ersten Album von Collin Walcott, Don Cherry und Nana Vasconcelos. Die drei Multiinstrumentalisten fordern die Wiedergabekette mit teils exotischen Sounds von diversen Flöten, nahezu unzähligen Perkussionsinstrumenten, Berimbau, Sitar und Trompete. Die Klangfarben etwa von Glöckchen, Becken, Trommeln und Flöten habe ich von guten Tonabnehmer/Phonostufen-Kombinationen ähnlich stark und leuchtend in Erinnerung, aber beispielsweise beim Berimbau entdecke ich immer mal wieder ein zusätzliches Nebengeräusch, das es zuvor nicht über die Wahrnehmungsschwelle geschafft hat. Einige der Flöten und die Trompete kommen mit Nachdruck und Biss rüber – ein Grund, ein wenig mit den Abschlussimpedanzen zu experimentieren. Da Touraj Moghaddam in unserem Gespräch angeregt hatte, auch beim Ruby one Impedanzen unterhalb von einem Kiloohm auszuprobieren, wählte ich als erstes 900 Ohm, was Flöten und Trompete ein klein wenig zahmer klingen, aber auch den imaginären Raum einen Hauch kleiner erscheinen ließ. Eine ungemein faszinierende Raumillusion entstand, als ich die Last für das Ruby one auf 1500 Ohm erhöhte. Allerdings umgab den Hochtonbereich nun eine ganz leichte Spur von Härte. Da Ruby one und Aavik R-588 aber, egal bei welcher der drei Lasten mit einer luftigeren und weiträumigeren Präsentation verwöhnten, als ich es gewohnt bin, verzichte ich auf die letzten paar Zentimeter der imaginären Bühne und belasse es für die weitere Beschäftigung mit den Vertere-Tonabnehmern bei einer Abschlussimpedanz von einem Kiloohm. Diese Einstellung verleiht dem oberen Mittel- und Hochtonbereich genug Energie, so dass Trompete und Flöten mit ähnlich viel Attacke und Druck rüberkommen wie bei einem unverstärkten Konzert in einem kleinen Jazz Club. Viel lieber, als mir weiter darüber Gedanken zu machen, warum ich vor der heimischen Anlage hin und wieder in Versuchung gerate, Weichspüler-Effekte zu akzeptieren, lausche ich den beiden Seiten des Codona-Albums…

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