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Vertere Ruby one

19.06.2026 // Dirk Sommer

Dem neuen Topmodell kann man meines Erachtens nach aber mit nur einem möglichen Abschlusswiderstand nicht gerecht werden. Ich benötige also eine Phonostufe, die mehr Vielfalt bietet, mir nicht völlig unvertraut ist und darüber hinaus auch noch eine weitere Absicherung für meine Einschätzungen des Ruby one. Die stellt das Vertere Xtrax dar, das mir Andreas Kayser freundlicherweise ebenfalls nach Gröbenzell geschickt hat. So steht einem direkten Vergleich der beiden nichts im Wege. Dafür probiere ich aus, wie die beiden Systeme mit Einsteins kurzem The Tonearm harmonieren. Nach der Papierform verlangten die beiden Vertere eigentlich nach einem Tonarm mit etwas geringerer effektiver Masse. Da Einsteins Arm jedoch über ein abnehmbares Headshell verfügt und ich zwei von diesen zur Hand habe, hörte ich die beiden Abtaster dennoch erst einmal im geraden, sehr rigiden Stahl-Aluminium-Sandwich-Arm. Der wies mit keinem der Tonabnehmer auch nur die geringste Auffälligkeit im subsonischen Bereich auf. Darüber hinaus gestaltete sich das Zusammenspiel des Trios klanglich so überzeugend, dass ich keinerlei Anlass sehe, auf die Bequemlichkeit zu verzichten, die zwei in ihren Headshells perfekt voreingestellte Tonabnehmer bei einem Vergleich bieten. Die einzige Einstellung, die bei einem schnellen Wechsel korrigiert werden muss, ist dann wegen des unterschiedlichen Gewichts die der statischen Auflagekraft.

Die Diamant-Nadel wurde durch das Rubin-Stäbchen gesteckt
Die Diamant-Nadel wurde durch das Rubin-Stäbchen gesteckt

Während ich die Tonabnehmer im Neun-Zoll-Einstein ausprobierte und mir noch weitere Gedanken über die Modalitäten des Test mache, ist die Aavik R-588 aus Dänemark eingetroffen, eine Phonostufe, deren Vorgänger, die R-580 mich beim Test vor fünf Jahren auf den ersten Blick wegen ihrer Cinch-Ein- und Ausgänge und wegen des Resonant-Mode-Netzteils erst ein wenig verstörte. Dann begeisterte sie mich klanglich auf ganzer Linie und erwies sich als bisher ruhigster Entzerrervorverstärker, der je in meinem Hörraum zu Gast war. Damit spiele ich nicht auf seine – übrigens ganz hervorragenden – dynamischen Fähigkeiten an, sondern auf den absolut schwarzen Hintergrund, vor dem sich das musikalische Geschehen entfaltet, und das nahezu völlige Fehlen von Rauschen. Dass es nicht einmal einen Anflug vom Brumm gibt, brauche ich da gar nicht mehr zu erwähnen. Genug der Lobpreisung: Jetzt steht der Nachfolger auf einer Ebene des Artesania-Racks und übernimmt die Aufbereitung der Phono-Signale. Er verfügt, anders als die 580 nicht nur über einen MC-Eingang, sondern zusätzlich noch über einen für DS-Audio-Tonabnehmer. Laut Michael Børresen, dem Entwickler des R-588, gibt es gegenüber dem Vorgänger auch noch einige Verbesserungen in Sachen Bauteilequalität und Schaltungsdesign. Doch dazu in nicht allzu ferner Zukunft mehr.

Der sehr schmale Micro-Ridge-Schliff
Der sehr schmale Micro-Ridge-Schliff

Entgegen aller Gewohnheit höre ich diesmal also mit gleich zwei Unbekannten in meiner Kette, eben um mehr Flexibilität bei den Abschlussimpedanzen zu haben. Aber zum einen kenne ich die klangliche Ausrichtung der Aavik R-580 und zum anderen kann ich so dank der hohen Auflösung der R-588 auch die Unterschiede zwischen dem Vertere Ruby one und dem Xtrax noch präziser herausarbeiten. Schon nach den ersten Takten von Art Farmer und Jim Halls Big Blues weiß ich, dass diese Entscheidung keine schlechte war – zumindest, wenn wenn es um ein Musikerlebnis auf höchstem Niveau geht. Im Einstein-Arm ist das Headshell mit dem Ruby one montiert und die Abschlussimpedanz im Aavik ist auf ein Kiloohm eingestellt: Das Blech der Becken erklingt sehr realistisch, die Soli von Gitarre und Flügelhorn begeistern mit Transienten, die denen einer Live-Darbietung extrem nahe kommen, und dennoch bestens in den musikalischen Fluss integriert sind. Die Dynamik erscheint schier unbegrenzt, und Mike Mainieris zurückhaltende Begleitung auf dem Vibraphon während der Soli zieht plötzlich meine Aufmerksamkeit auf sich. Die Instrumente werden von viel Luft umgeben, und der Studiohall sorgt für einen großen virtuellen Raum. So habe ich diese immer wieder gespielte Scheibe noch nicht gehört. Wie groß der Anteil des Ruby one und der des Aavik R-588 an dieser emotional so packenden, äußert detailreichen, plastischen und ausgesprochen lebendigen Wiedergabe ist, kläre ich gerne später durch einen Vergleich des Ruby one mit dem Xtrax. Doch erst einmal ziehe analogen Hochgenuss dem weiteren Erkenntnisgewinn vor.


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