JE Audio Dyad S400

25.03.2014 // Dirk Sommer
Wenn ich die Artikel der letzten Jahre so Revue passieren lasse, machen die über Endstufen einen verschwindend geringen Teil aus. Während es bei digitalen und auch analogen Quellen spannende Neuerungen gibt, ist die Bereitstellung von Leistung für die Lautsprecher kein großes Problem mehr. Doch gibt es auch bei Endverstärkern die ein oder andere Entdeckung zu machen.


Die Stärke der auf Wunsch auch in schwarz erhältlichen Frontplatte nimmt von oben nach unten zu. Dort erreicht sie eine Dicke von 13 Millimetern
Die Stärke der auf Wunsch auch in schwarz erhältlichen Frontplatte nimmt von oben nach unten zu. Dort erreicht sie eine Dicke von 13 Millimetern

Transparent Acoustic vertreibt seit kurzem hierzulande auch Produkte der Firma JE Audio, die John Lam 2007 in Hongkong gründete, wo er auch geboren wurde. Schon während er die High School besuchte, beschäftigte er sich mit Audio-Elektronik-Bausätzen. Im College entschied er sich dann für Elektrotechnik und studierte in Australien, in Hongkong und schließlich in den USA. Nach seiner Ausbildung kehrte er abermals nach Hongkong zurück und arbeitete unter anderem für National Semiconductors. Nach erfolgreichen Jahren in der Elektronikindustrie entschloss er sich dann vor sieben Jahren, sich mit JE Audio selbstständig und sein Interesse für Audio-Elektronik zum Beruf zu machen. Inzwischen hält er sechs Patente für Audio-Schaltungen.

Wie die Produktpalette aus momentan drei Vor- und ebenso vielen Endstufen zeigt, entwickelt John Lam mit Vorliebe Schaltungen, in denen Röhren die Verstärkung übernehmen. Er hat aber auch ein Herz für diejenigen Musikfreunde, deren Lautsprecher oder Hörgewohnheiten es nicht erlauben, mit 70 Watt auszukommen. Für diese Zielgruppe schuf er die Dyad S400, die an vier Ohm so viel Watt bereitstellt, wie ihr Name suggeriert. Aber auch, wer 400 Transistor-Watt an vier Ohm zum Musikgenuss braucht, soll auf feinen Röhrenklang nicht verzichten müssen. Um dies Ziel zu erreichen, spendierte John Lam seiner Hybrid-Stereo-Endstufe eine bipolare Ausgangsstufe, die er „High Current Buffer Amplifier“ oder kurz „HCBA“ nennt und die keinerlei Spannungsverstärkung übernimmt. Sie liefert nur Strom, aber das mit 20 Leistungstransistoren pro Kanal, wobei sich je zehn des invertierten und des nicht invertierten Signals annehmen, da die Dyad vom XLR-Eingang bis zu den Lautsprecherterminals durchgängig symmetrisch aufgebaut ist. Die Spannung verstärken je zwei 12AU7 und eine 6922 in der von John Lam entwickelten und patentierten „Dual Balanced Feedback Topology (DBFT)“: Zwei Paar Gegenkopplungssignale sollen es hier ermöglichen, mit sehr geringer Gegenkopplung auszukommen, was aus klanglichen Gesichtspunkten wünschenswert ist, und dennoch höchste Stabilität zu gewährleisten. Die Auskopplung des Signals aus der Röhrenstufe erfolgt über „Audio Grade“-Kondensatoren, die John Lam aber nicht näher spezifiziert. Jeder der beiden High Current Buffer Amplifier eines Kanals ist gegen Überstrom, Gleichstrom und Überhitzung geschützt. Und wenn es an Sommertagen oder bei Volllast mal wirklich heiß hergehen sollte, springt ein Ventilator an.

Die Rückseite bietet alle benötigten Anschlüsse und Schalter – aber auch nicht mehr. Da kommen bei der Bedienung keine Fragen auf
Die Rückseite bietet alle benötigten Anschlüsse und Schalter – aber auch nicht mehr. Da kommen bei der Bedienung keine Fragen auf

Die Endstufe wird in einem perfekt verarbeiteten Flightcase mit Rollen geliefert – und das ist bei einem Gewicht von über 40 Kilogramm, zu dem der Netztrafo einen beträchtlichen Anteil beisteuert, auch ausgesprochen praxisgerecht. Bei der Ausstattung gibt es keine Überraschungen: pro Kanal ein Paar Lautsprecher-Terminals, einen Cinch- und einen XLR-Eingang, zwischen denen man per Kippschalter wählen kann. Der Netzschalter befindet sich auf der Rückseite des Verstärkers in der Nähe der IEC-Buchse. Auf der Front sind mittig eine Tipptaste und drei LEDs montiert: Ein Druck von drei Sekunden auf erstere holt den Verstärker aus dem Standby-Modus und leitet eine etwa 45-sekündige Hochlaufphase ein, in der eine Einschaltstromverzögerung dafür sorgt, dass die Netzsicherung beim ersten Aufladen der zwölf großen Siebelkos keinen Schaden nimmt und die Spannung der Röhren langsam und schonend hochgefahren wird. Diesen Vorgang dokumentieren blinkende LEDs. Ein  kurzer Druck auf den Taster schaltet die Endstufe auf Mute respektive Spielbereitschaft.


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