Crayon Audio CFA-1.2

11.04.2017 // Wolfgang Kemper

Ein alter Bekannter? Für einige von uns ist sicherlich. Auf den Norddeutschen HiFi-Tagen brachte eine gelungene Präsentation des RB-Audiovertriebs mir die Elektronik von Crayon wieder nah. Der CFA-1.2 ist nicht der neueste Verstärker des Herstellers aus Österreich, macht aber richtig was her.

Er ist sicher ein Blickfang, da er mit seinem auffälligen Gehäuse beim Betrachter gleich Fragen aufwirft. Bei genauerem Hinsehen sind es nur diese runden, massiven Aluminium-Teile auf dem Gehäuse des CFA 1.2, die ihn aus der Reihe funktional und schlicht gestalteter Verstärker hervorheben. Man mag darüber rätseln, ob diese vier üppigen Aluminium-Teller für ein weiteres Gerät auf dem CFA-1 die Basis bilden sollen – vielleicht einen CD-Spieler? Crayon baut aber ausschließlich Verstärker. Vielmehr sind diese runden Elemente markante Bestandteile eines sehr ungewöhnlichen Gehäuse-Konzepts, zu dem auch die ausgefallen gestalteten Lüftungs-Öffnungen im acht Millimeter starken Aluminium-Gehäuse-Deckel zählen. Ihre entsprechende Ergänzung findet die Belüftung im ebenso massiven Gehäuse-Boden. So dienen denn diese vier Rund-Blöcke auch nur nebenbei dem Resonanz-Verhalten. Ihr Zweck ist der Zusammenhalt des gesamten Gehäuses. Eine Verschraubung wie wir sie üblicherweise kennen, findet sich am CFA-1.2 nicht. Löst man also ohne Werkzeug diese üppigen „Kontermuttern“, die auf vier Gewindestangen genauso verschraubt sind wie die vier gleichartigen Standfüße gegenüber am Boden, kann man den schweren Deckel abheben. Auch die sechs Millimeter starken Aluminium-Seitenteile sind jetzt hiermit vollständig gelöst. Was stehen bleibt, ist der Gehäuse-Boden mit der an ihm verschraubten, aus einem Zentimeter starken Aluminium gefertigten Frontplatte und die Drei-Millimeter Rückwand, voll gespickt mit Anschlüssen, die – von den WBT-Lautsprecher-Terminals einmal abgesehen – direkt, ohne weitere Verdrahtung auf die große Hauptplatine führen. Nur eine kleine Platine für den regelbaren Vorverstärker-Ausgang findet sich zusätzlich.

Das originelle Aussehen des Verstärkers aus Österreich erklärt sich mit Funktionalität
Das originelle Aussehen des Verstärkers aus Österreich erklärt sich mit Funktionalität

Der innere Aufbau des CFA-1.2 ist klar gegliedert, erstaunt aber, weil das raumtrennende Kühl-Element ungewöhnlich gestaltet ist. Es besteht aus einer Vielzahl von Kaminen, die im Zusammenspiel mit den Aussparungen im Boden und Deckel den gewünschten thermischen Ausgleich schaffen. An dieser Kamin-Reihe aus Aluminium sind die acht MOSFET-Leistungs-Transistoren verschraubt. Durch Brückenschaltung mit je zwei MOSFETs für die positive und negative Halbwelle ergibt sich eine Ausgangsleistung von 90 Watt an vier Ohm und 64 Watt an acht Ohm pro Kanal. Die vordere Hälfte des Gehäuses nimmt das gekapselte Schalt-Netzteil ein. Dies Modul kommt vom taiwanesischen Hersteller Mean Well und ist für Netzspannungen von 100 Volt bis 240 Volt ausgelegt. Der Wirkungsgrad liegt bei erfreulichen 87 Prozent. Ein integriertes Gebläse sorgt für Kühlung. Hätte ich in den CFA 1.2 nicht hineingeschaut, wäre ich Ihnen diese Information schuldig geblieben. Denn den Ventilator habe ich im Spielbetrieb nie gehört.

Dies bekomm man zu sehen, wenn man ohne Benutzung von Werkzeug das Gehäuse öffnet. Im unteren Teil des Bildes befindet sich das Schalt-Netzteil-Modul
Dies bekomm man zu sehen, wenn man ohne Benutzung von Werkzeug das Gehäuse öffnet. Im unteren Teil des Bildes befindet sich das Schalt-Netzteil-Modul


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