Wie wird das Analoge digital?

10.08.2018 // Dirk Sommer

Natürlich mithilfe eines Analog/Digital-Wandlers. Welche klanglichen Unterschiede ADCs machen können, haben wir anhand dreier ausgesuchter Exemplare während der diesjährigen Norddeutschen Hifi-Tage und der High End in unserem jeweiligen Raum demonstriert. Für alle die nicht dabei sein konnten, gibt es hier drei Musik-Dateien zum Download.

Auf den Messen konnte man – wegen der Nahfeld-Aufstellung der aktiven Lautsprecher in einer kurzen Reihe hintereinander – vor einer Digitalen Audio Workstation Platz nehmen und per Mausklick drei Versionen einen Liedes miteinander vergleichen, die alle vom selben analogen Mastertape erstellt wurden. Dabei reichte die Spanne der Wandler vom recht preisgünstigen Tascam DA-3000 über den Mytek Brooklyn ADC bis zu MSBs ADC V für knapp 35.000 Dollar. Unter Messebedingungen ist es ja nicht so leicht, Unterschiede aufzuspüren. Die drei für diesen Download verwendeten Wandler liegen preislich deutlich dichter zusammen. Aber dazu gleich mehr.

Unten links im Display des Mytek Brooklyn ADC wird angezeigt, dass der symmetrische – englisch: balanced – Eingang direkt mit dem Wandler-Baustein verbunden ist
Unten links im Display des Mytek Brooklyn ADC wird angezeigt, dass der symmetrische – englisch: balanced – Eingang direkt mit dem Wandler-Baustein verbunden ist

Ich fand es ausgesprochen interessant, dass der Wandler, der die meisten (Fein-)Informationen lieferte, ohne dabei – zumindest für meine Ohren – zu analytisch oder präsent zu klingen, nicht alle Hörer überzeugte. Einige präferierten ein kompakteres Klangbild. Und sogar der, wie ich finde, etwas harsche Sound des günstigen Studio-Werkzeugs fand seine Anhänger. Bei einem redaktionsinternen Vergleich einiger DSD256-fähiger ADCs hing die Bewertung auch von der gewählten Musikrichtung ab. Eine breite musikalischen Auswahl kann ich Ihnen an dieser Stelle aus Copyright-Gründen leider nicht bieten. Es schien mir auch nicht verlockend, wieder einmal auf die inzwischen wohlbekannten Eigenproduktionen von sommelier du son zurückgreifen. Freundlicherweise hat es Dieter Ilg ermöglicht, dass ich Ihnen drei Varianten eines Stücks aus Otello Live At Schloss Elmau zugänglich mache. Wenn Ihnen das Album mit den Bearbeitungen von Verdis Melodien bekannt vorkommen sollte, liegt das daran, dass wir die in Kooperation von Dieter Ilgs Label Full Fat und sommelier du son entstandene Langspielplatte kurz vor einigen Jahren an dieser Stelle vorgestellt und den Track „Fuoco Di Gioia“ in CD-Qualität und in 96/24 zum Download angeboten haben – damals waren Wandler, die Dateien mit einer Abtastrate von 192 Kilohertz verarbeiteten, noch nicht so verbreitetet, weshalb wir uns auf 96 Kilohertz beschränkten. Nun können Sie den Song von Deutschlands bestem Bassisten, Rainer Böhm am Flügel und Patrice Heral an Schlagzeug und Elektronik in noch höherer Qualität genießen: nicht einfach nur in höherer Auflösung, sondern auch mit klanglich deutlich besseren Wandlern erstellt als die 96-Kilohertz-Version.

Unten links im Display ist T 1:1 zu lesen: Zwischen der elektronischen Eingangsstufe und dem Wandler-Baustein liegt ein Übertrager mit einem Übersetzungsverhältnis von eins zu eins im Signalweg
Unten links im Display ist T 1:1 zu lesen: Zwischen der elektronischen Eingangsstufe und dem Wandler-Baustein liegt ein Übertrager mit einem Übersetzungsverhältnis von eins zu eins im Signalweg

Zuerst wäre da einmal der Mytek Brooklyn ADC, der in PCM eine maximale Abtastrate von 384 Kilohertz und bei DSD knapp 11,3 Megahertz erreicht. Da Michal Jurewicz, einer der beiden Mytek-Entwickler und Toningenieur in New York, den Wandler auch als Mittel der kreativen Klanggestaltung sieht, lässt sich beim Brooklyn zwischen der elektronischen Eingangsstufe und dem eigentlichen Wandler-Baustein ein Übertrager in den Signalweg legen – ganz einfach per Knopfdruck im Menü. Ebenso leicht kann auch das Verhältnis von Primär- zu Sekundärwicklung verändert werden: von 1:1 über 2:1 bis zu 3:1. Mit einem entsprechenden Eingangspegel kann der Übertrager also leicht in die Sättigung gebracht werden, was eine angenehme harmonische Verzerrung zur Folge hat. Für unseren Wandler-Vergleich habe ich eine Datei erstellt, bei der allein die elektronische Eingangsstufe im Signalweg liegt, und eine zweite, bei der der Trafo mit einen Verhältnis von 1:1 für eine minimale Klangfärbung sorgt.

Beim Artistic Fidelity kann man zwischen 44,1 und 48 Kilohertz und dem Ein-, Zwei- oder Vierfachen dieser Frequenzen wählen
Beim Artistic Fidelity kann man zwischen 44,1 und 48 Kilohertz und dem Ein-, Zwei- oder Vierfachen dieser Frequenzen wählen

Auch der zweite beteiligte Wandler stammt nicht von einem Hifi-Hersteller, sondern von einem Studio-Profi: Ralf Koschnicke, der vielen Musik-Freunden durch seine Living Concert Series – ganz hervorragende, als CD, LP und HighRes-File erhältliche Aufnahmen vor allem mit Jonathan Darlington und den Duisburger Philharmonikern – ein Begriff sein dürfte, hat natürlich zuerst für seine eigenen Aufnahmen A/D- und D/A-Wandler entwickelt, die er inzwischen unter dem Markennamen Artistic Fidelity – nomen es omen – einem breiteren Publikum zugänglich macht. Das dritte File für unseren Vergleich habe ich mit dem Acousence Artistic Fidelity AD-Converter 2 Pro produziert. Der liegt preislich ein Stück über dem Brooklyn, wirkt im Vergleich zu diesem aber recht puristisch, besitzt trotz doppelter Gehäusegröße kein Display und erzeugt ausschließlich PCM und zwar nur bis zu einer Abtastrate von 192 Kilohertz. Und das hält Ralf Koschnicke auch für vollkommen ausreichend. Der Marketing-Hype mit immer höheren Abtastraten interessiert ihn nicht im mindesten. Wichtiger als – vielleicht – beeindruckende Zahlen sind für ihn der konsequente Schutz seiner Wandler vor hochfrequenten Störungen durch damit verbundene Computer oder Streamer und eine präzise Taktung. Eine genauere Betrachtung der eigenständigen Lösungen Ralf Koschnickes verschiebe ich aber auf den Test seines D/A-Wandlers, der schon seit über einer Woche in meiner Kette eingebunden ist.

Das Mastertape wurde von einer Studer A80 zugespielt
Das Mastertape wurde von einer Studer A80 zugespielt

Dass Wandler nicht gleich Wandler ist, zeigen auch die mit Xiveros Musicscope erzeugten Analysen der drei Songs. Hier sind die Unterschiede im Frequenzspektrum schon beim genauen Hinsehen erkennbar. Kleiner Tip: Ich habe mir die drei png.-Datein beim Mac in die Vorschau geladen, so dass ich schnell zwischen ihnen wechseln konnte.

So sehen die drei Files in der Analyse von Musicscope aus:

Natürlich entsprechen die Zahlen in den Namen der Dateien nicht der Reihenfolge der oben vorgestellten Wandler(-varianten). Wir sind sehr an Ihrer Bewertung der einzelnen Tracks interessiert: Bitte nennen Sie uns Ihren Favoriten. Noch mehr würden wir uns über ein kurze Begründung Ihres Urteils freuen. Als Belohnung verlosen wir unter allen Einsendern drei LPs von sommelier du son: Hans Theessinks Live At Jazzland, sds 0017-1. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Was Sie auf der Theessink-LP musikalisch erwartet, erfahren Sie im entsprechenden Artikel in unserer Download-Rubrik. Ich wünsche Ihnen viel Glück für die Verlosung und viel Spaß mit Verdi – hier mit mehr Groove denn je!

PS: Als Download-Button dient das Cover von Dieter Ilgs CD, die bei ACT erschienen und im Fachhandel erhältlich ist. Die LP gibt es direkt bei www.dieterilg.de.

Drei dieser LPs gibt’s zu gewinnen. Alle noch im August eintreffenden Kommentare zu den drei Files werden bei der Verlosung berücksichtigt
Drei dieser LPs gibt’s zu gewinnen. Alle noch im August eintreffenden Kommentare zu den drei Files werden bei der Verlosung berücksichtigt

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