Norddeutsche HiFi-Tage 2026 – Teil 2

06.02.2026 // Finn Corvin Gallowsky

Zum zweiten Mal finden die Norddeutschen HiFi-Tage im Le Méridien statt. Zentral gelegen, leicht zu erreichen und mit modernen Räumlichkeiten ausgestattet, erweist sich das Hotel abermals als sehr angenehmer Austragungsort für die HiFi-Tage. Auch das zweite Jahr in Folge am gleichen Ort ließ bei mir keine Langeweile aufkommen.

Dieses Jahr hat mir das Gleichgewicht aus preisgünstigen und High-End-Systemen sehr gut gefallen. Viele der Aussteller haben sich Mühe gegeben, Abwechslung zu bieten und andere Konfigurationen, Marken und Produkte in den Fokus gerückt als noch im Jahr zuvor. So empfand ich die Messe, obwohl sich der Standort nicht, wie es für die HiFi-Tage in den letzten Jahren ja öfters der Fall war, verändert hat als frisch, unverbraucht und spannend. Ich hatte das Gefühl, dass noch mehr Aussteller geschlossene Vorführungen anboten. Genauso wie es Birgit Hammer-Sommer für den ersten Bericht schwergefallen ist, alle gewünschten Fotos zu schießen, machten auch mir die Vorführungen das Redakteursleben nicht leichter. Zumal bei einem Besuch aller Räume kaum die Zeit bleibt, allen Vorführungen meine vollumfängliche Aufmerksamkeit zu schenken. Für die Besucher jedoch war das intensive Erleben der Lieblingsmarke oder potenzieller neuer Komponenten auf diese Weise ein Segen. Diese Art der Vorführungen sorgte insgesamt für eine weniger hektische Messe. Zumindest schien es mir so, als herrschte trotz wirklich gut besuchtem Samstag weniger aufgeregtes Gedränge. Insgesamt war die Stimmung sichtlich gut.

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Wie auf Hotelmessen üblich, waren eher weniger Hörräume akustisch optimiert. Überraschenderweise gab es dennoch kaum akustische Totalausfälle. Die Norddeutschen HiFi-Tage sind damit genau das Pendant, das Veranstaltungen wie die High End brauchen. Natürlich ist das Portfolio auf der High End um ein Vielfaches breiter, aber letztendlich wird dort ein Duell der Giganten ausgetragen. „Normale“ bezahlbare Systeme wie auf den HiFi-Tagen sind dort kaum mehr zu finden. Und genau das macht den Charme von Lokalmessen aus. So langsam scheint das Bewusstsein zu erwachsen, dass es nicht nur um die aufwendigste Technik, sondern auch ein Lebensgefühl geht, das nicht exklusiv sein muss. Gerade junge Marken und Gesichter der Branche scheinen sich darauf zurückzubesinnen. Um Musik geht es natürlich auch, obwohl gerade die Auswahl dieser auf Messen erschreckenderweise manchmal am uninspiriertesten ist – irgendetwas muss an dieser Messe ja noch zu verbessern sein. Wenn sich die Norddeutschen HiFi-Tage auch in den nächsten Jahren ähnlich lebhaft und abwechslungsreich präsentieren, kommen gute Zeiten auf uns zu.

 

Bei Lyravox gab es gleich zwei auf den ersten Blick nicht ersichtliche Premieren. Zum einen spielt der Karlson Mini Tower Monolith (42.000 Euro) das erste Mal überhaupt offiziell im Norddeutschen Raum. Auf der High End des letzten Jahres war er nur zu sehen, nicht zu hören. Für viele Besucher war es folglich ein Erstkontakt mit dem Dreiwege-Lautsprecher aus Kunststein. Für mich, der den Monolith schon recht früh in der Entwicklung hören konnte, gab es dennoch eine Überraschung: Der Karlson Mini Tower ist mit einem neuen Hochtöner ausgestattet: Optisch kaum, klanglich hingegen durchaus feststellbar. Accuton hat ein neues Membranmaterial entwickelt und auf den Namen Crystalid getauft. Es soll eine Härte von 7 auf der Härteskala nach Mohs aufweisen und somit härter als jedes zu verarbeitende Metall sein. Außerdem ist die Masse mit 2,4 Gramm pro Kubikzentimeter deutlich geringer als die Masse des sonst von Accuton verarbeiteten Keramikmaterials Al²O³. Obwohl der Hochtöner seinem Keramikpendant zum Verwechseln ähnlich sieht, sind neben dem Membranmaterial auch die Sicke, Aufhängung und Polplatten verändert. Außerdem hat der Hochtöner jetzt ein etwa 10 Zentimeter tiefes, auf Simulationen basierendes Rückvolumen. Es handelt sich folglich kaum um eine Weiterentwicklung des bisherigen Keramikmodells, sondern viel eher um eine Neuentwicklung. Lyrvox ist von diesem neuen Modell und Material derart überzeugt, dass es zukünftig die bisher üblichen Cell-Keramikhochtöner in allen Modellen ersetzen wird. Der Grad an unaufdringlicher Auflösung und Transparenz in dieser Kette wurde mit schwebender Leichtigkeit, fast beiläufig erreicht. Die Lautsprecher ließen die Musik sprechen, so dass Götz von Laffert in der Vorführung gar nicht speziell für das System geeignete Test-Tracks aussuchte, sondern einfach Seite für Seite spannende Platten laufen ließ. Der Bauer DPS 3 in aktueller Ausführung – für dieses Produktjahr wurde unter anderem das Lager erneuert und ist dank Modularität auch für bisherige DPS 3 nachrüstbar – für 9.700 Euro und Lyravox‘ eigener Phono-Vorverstärker LyraGroove (ab 17.600 Euro) haben sicher ihr übriges zu dieser wunderbaren Vorführung beigetragen. Hier ging es einfach nur um Musikgenuss – nicht mehr und nicht weniger.

 

Auch bei Audio Reference nahm man sich Zeit für geschlossene Vorführungen. Die Impedanz der Wilson Audios Alexx V beträgt in einigen Bereichen nur ein Ohm. Für VTLs Lohengrin mit acht HT88 stellte dies kein Problem dar. Im geräumigen Hörraum war nicht nur die High-End Anlage mit dCS Rossini APEX Player und SME Model 35 zu sehen. Wie schon im letzten Jahr war das mit Velodyne und Perlisten ausgestattete Heimkino zu erleben. In einer weiteren Kette spielte eine Wilson Sabrina V (ab etwa 37.000 Euro) und SME Synergy Diamond Series (etwa 35.000 Euro) mit dem besonderen, glänzenden Gehäuseschliff, dCS- und Dan D’Agostino- Elektronik.


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