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Interview mit Jonathan Gullman und Daniel Gullman, MSB Technology

23.06.2023 // Roland Dietl

MSB (Fortsetzung): Am Punkt der Digital-/Analog-Umwandlung sind die analogen Signale am kleinsten und am empfindlichsten. An dieser Stelle störende Prozesse im gleichen Gehäuse zu haben, ist wirklich schwierig zu handhaben. Wir haben ein aufwändiges Gehäuse und EMI-Abschirmungen im Gehäuse und all diese Maßnahmen helfen, aber wir haben immer gesagt, dass physischer Abstand das Beste für die Isolierung von Störgeräuschen ist, genau wie es beim Netzteil am besten ist, die Stromversorgung zu separieren und weit weg vom DAC zu platzieren. Die Einstreuung magnetischer Felder vom Transformator in den DAC reduziert sich deutlich, wenn man sie durch acht Zoll Abstand trennt. Aber wenn man den Netz-Transformator in dasselbe Gehäuse steckt, ist die magnetische Einstreuung buchstäblich an den Ausgang gekoppelt. Das ist der Grund, warum alle unsere Produkte in den letzten zehn Jahren immer ein separates Netzteil hatten, denn man kann alles Mögliche versuchen, um zu filtern, aber es gibt keine bessere Filterung, als die Störquellen einfach weiter weg und in größerer Entfernung zu platzieren.
RD: Wir sprechen von räumlicher Entfernung?
MSB: Ja genau: räumliche Entfernung. In der Vergangenheit waren unsere Quellen nicht so verrauscht, aber jetzt bauen wir alle auch Computer in unsere Produkte ein. Und Ethernet und Stromversorgung waren vor 30, 40 Jahren nicht so verschmutzt. Jetzt hat alles ein Schaltnetzteil, Solarwechselrichter und so weiter. Das sind alles keine sauberen Stromquellen. Sie sind alle verrauscht. Und je schmutziger der Strom wird, desto mehr muss man sich davor schützen.
RD: Verwenden Sie lineare Netzteile oder Schaltnetzteile?
MSB: Wir verwenden lineare Netzteile für alle unsere DACs mit einem rauscharmen Shield-Design. Im Premier Director ist ein Schaltnetzteil verbaut. Das geschieht aus Kostengründen und um das Gerät so kompakt zu machen, dass es zu den Abmessungen der Premier-Serie passt. Aber der Director hat keine analogen Schaltungen. Deshalb ist er nicht ganz so empfindlich.
Reference Director und Select Director haben dagegen vollständig diskrete lineare Netzteile und natürlich haben unsere Verstärker lineare Netzteile.

Jonathan Gullman ist seit 2007 der Geschäftsführer von MSB, aber hauptsächlich Ingenieur mit Leib und Seele
Jonathan Gullman ist seit 2007 der Geschäftsführer von MSB, aber hauptsächlich Ingenieur mit Leib und Seele

RD: Sie haben also alle digitalen Eingänge in den Director verlagert - wie ist Ihre Erfahrung mit diesem Konzept in der Praxis?
MSB: Es ging darum, die digitalen Module aus dem DAC in den Digital Director aus Gründen der Störgeräusch-Isolierung zu verlagern. So ist beispielsweise das Renderer-Modul ein vollständiger Computer. Es hat einen Prozessor, Speicher und vieles mehr. Indem wir also den Computer aus dem DAC herausnehmen und in den Digital Director verlagern, erreichen wir eine elektrische Isolierung zwischen Digital Director und DAC. Beim Anschluss von Transports, die nicht von MSB stammen, können wir die Störgeräusche auf den Kabeln nicht kontrollieren und alle Kabel übertragen Störgeräusche. Also wird das in den Digital Director verlegt. Das hat einen großen Einfluss darauf, dass alle digitalen Eingänge gleich klingen.
Wir haben Tests gemacht zwischen unserem isolierten USB-Eingang im Digital Director, unserem eingebauten USB-Modul im DAC, unserem Render-Interface und Standard-SPDIF. Die Unterschiede waren früher da, aber jetzt sind sie so klein, dass man kaum noch Unterschiede feststellen kann. Es sind jedenfalls keine Unterschiede mehr wie zwischen Tag und Nacht. Damit kann man die Schnittstelle wählen, die man gerne verwenden möchte, ohne klangliche Einbußen befürchten zu müssen.
RD: Sie erwähnten eingangs, dass der Digital Director über ein optisches Kabel mit dem DAC verbunden ist.
MSB: Ja, der Digital Director ist über eine Laser-Glasfaser-Schnittstelle mit dem DAC verbunden. Es ist die gleiche Art von Verkabelung wie bei einem Server oder der IT-Infrastruktur eines Unternehmens. Aber wir verwenden nur die Verkabelung und die Hardware. Was sich darauf abspielt, hat nichts mit einem Computernetzwerk zu tun. Wir übertragen den Takt der Master Clock im DAC zurück an den Digital Director. Die Master Clock taktet also den Digital Director, USB und alles andere. Auf der anderen Seite werden die Daten vom Digital Director zum DAC übertragen. Und da mit der Glasfaserverbindung so viel Bandbreite zur Verfügung steht, können damit auch Daten zur Fehlerkorrektur gesendet werden. So können Fehler erkannt und korrigiert werden. Es gibt also eine Menge Redundanz und wir müssen uns keine Sorgen machen, dass es zu Datenverlusten auf dem Übertragungsweg kommt.
RD: Was ist noch für unsere Leser interessant, zu erfahren?
MSB: Wir bieten unseren Kunden ein attraktives „trade in“ Programm an. Wir legen großen Wert auf langlebige und wertbeständige Produkte, aber wir wissen auch, dass sich Audiosysteme ständig weiterentwickeln. Deshalb bieten wir beim Umstieg auf eine leistungsstärkere Serie bis zu 100 Prozent Inzahlungnahme-Wert für bestehende MSB-Produkte.
Wenn man beispielsweise einen Stereo-Verstärker kauft, kann man ihn zurückschicken und zahlt nur für den neuen Mono-Block, und wir rüsten gleichzeitig den vorhandenen Stereo-Block auf einen Mono-Block um. Wenn Sie einen Premier DAC kaufen, können Sie ihn zurückschicken und erhalten 100 Prozent des Geldes zurück, wenn sie ihn gegen einen Reference DAC oder einen Select DAC tauschen.

Daniel Gullman arbeitet seit 2010 als Produktdesigner
Daniel Gullman arbeitet seit 2010 als Produktdesigner

RD: Modifizieren Sie dabei das bestehende Gerät oder tauschen Sie es gegen ein neues Gerät aus?
MSB: Das kommt darauf an, so nehmen wir beispielsweise beim Tausch zwischen Reference DAC und Select DAC das bestehende Gerät und tauschen einen Teil der Elektronik.
RD: Das klingt attraktiv, aber machen Ihre Kunden davon in der Praxis auch Gebrauch?
MSB: Viele Kunden kommen zu uns und sind unsicher, ob sie sich für den Premier DAC oder den Reference DAC, der viel teurer ist, entscheiden sollen. Wir raten dann, kaufen Sie zunächst den Premier DAC und genießen sie ihn. Wenn Sie später der Meinung sind, dass es sich lohnt, aufzurüsten, dann können Sie es immer noch tun. Man kann also schrittweise vorgehen.
Wir haben viele Kunden in den USA, die kaufen zunächst den Discrete DAC, unser „Einstiegsgerät“, und dann einen Monat später den Premier DAC und wieder zwei Monate später den Reference DAC und landen irgendwann beim Select DAC.
Wir glauben, viele Leute haben oft zunächst nicht das Gefühl, dass digitale Quellen jemals so gut sein können, wie sie es sind.
RD: Vielen Dank für das Gespräch!
MSB: Danke schön. Ihre Zeitschrift ist wunderbar – wir nehmen alle Ihre Artikel über unsere Geräte als Inspiration, gerade weil die Fotos so gut sind – mit die besten überhaupt!


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