Da uns Marktdynamik und Verbraucherverhalten eher weniger interessieren, hatten wir uns für einige technische Vorträge angemeldet. Mit „Lacquer Cutting and Direct Metal Mastering in Vinyl Production: A Comparative Study“ ging es los. Sidney Claire Meyer, die im Emil Berliner Studio in Berlin Lack- und Kupferfolien schneidet, war zwar leider wegen eines Direktschnitts mit den Berliner Philharmonikern verhindert, doch in einem spannenden Video zu sehen. Für ihren Vergleich standen ihr eine Neumann VMS 82 mit SX82 Schneidekopf und eine VMS 80 mit SX74 für Kupfer- respektive Lack-Schnitte zur Verfügung. Einziger Wermutstropfen: Die VMS 82 arbeitet mit den original Neumann-Schneideverstärkern, während die Leistung für den Schneidekopf bei der VMS 80 von zwei Ortofon GO 741 Schneideverstärkern geliefert wird – was die Aussagekraft der Untersuchung ein wenig schmälert. Einer der größten Unterschiede zwischen beiden Verfahren ist außer dem Material der Winkel, in dem der Schneidestichel zur Folie steht.

Schon allein daraus können Unterschiede beim Laufgeräusch, bei den harmonischen Verzerrungen und bei der Kanaltrennung herrühren. Sidney Claire Meyer hat verschiedene Messsignale und ein Reihe von kurzen Musikbeispielen auf die Folien überspielt. Davon wurden dann bei Optimal unter der Aufsicht des Qualitätsmanagers Thorsten Megow Pressstempel erstellt und einige Anpressungen gefertigt. Diese wurden dann in den Emil Berliner Studios messtechnisch und per Gehör bewertet. Um es kurz zu machen: Sidney Claire Meyer konnte in keinem Bereich Vorteile für das DMM-Verfahren nachweisen. Wir werden die Schneideingenieurin der nächsten Woche fragen, ob es möglich ist, auf das spannende Video zugreifen und auch ansonsten am Thema dranbleiben.

Direkt im Anschluss interviewte Barry Grint aus den Londoner Air Studios Miles Showell zum Thema Halfspeed-Mastering: Der größte Vorteil sei, dass der Schneidestichel doppelt so viel Zeit habe, die Rille auszuformen wie beim Schnitt mit normaler Geschwindigkeit. Allerdings ist es nicht damit getan, die Bandmaschine mit halber Geschwindigkeit laufen zu lassen. Denn dadurch ändern sich natürlich auch die wiedergegebenen Frequenzen. Die Zeitkonstanten für die Scheideentzerrung, die ansonsten von der RIAA vorgegeben werden, müssen entsprechend angepasst werden. Auch bewährte Peripheriegeräte wie beispielsweise ein DeEsser zur Verminderung störender Zischlaute arbeitet frequenzabhängig, ist also beim Halfspeed-Mastering nicht mehr verwendbar. Miles Showell führte aus, dass er jeden einzelnen S-Laut vor der Überspielung in seiner Digital Audio Workstation (DAW) entschärfe. Auch in Abbey Road verwende er nur seine eigene, nach seinen Anforderungen modifizierte Halfspeed-Schneideanlage.
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