Hier möchte ich eine Lanze für das Radiohören brechen. Und zwar ausdrücklich nicht für das Öffentlich Rechtliche oder von Privatsendern im MP3 Format ausgestrahlte Radio. Wer ist sie nicht leid, die ewig fröhlichen Moderatorenduos mit oberflächlichen Wortbeiträgen und den sich in Endlosschleife wiederholenden Mainstreamsongs aus dem Computerfabrik?
Selbstverständlich finden sich auch bei WDR, SWR und Co. Nischensender mit klassischer oder Jazzmusik, allerdings werden dem Klang durch das MP3 Format hier klare Grenzen gesetzt. Ich erinnere mich noch mit Wehmut an die Zeiten, als die Radiosender ausschließlich analog über UKW, LW oder KW empfangbar waren und der audiophile Hörer viel Geld in hochwertige Tuner investierte, zum Beispiel in einen Accuphase UKW-Stereo-Tuner. Und einige Hifi Enthusiasten – ich gehörte dazu – besaßen sogar einen Motorantrieb für die Richtantenne auf dem Hausdach, um die Antenne so auszurichten, dass der jeweils gewählte Sender in bestmöglicher Qualität zu empfangen war.

Diese Zeiten sind nun endgültig vorbei und über UKW oder DAB werden überwiegend komprimierte Datenströme gesendet. Zum Glück finden wir im Internet in stetig wachsender Zahl Radiostationen, die das digitale Signal in einem hochaufgelösten Format streamen. Am weitesten verbreitet sind die verlustfreien AIFF- oder FLAC-Formate und die Auflösung entspricht mindestens der CD-Spezifikation, also 44,1 Kilohertz und 16 Bit Worttiefe. Einige Stationen streamen aber auch mit 96 Kilohertz Auflösung und 24 Bit, also mit Bitraten von bis zu 4608 Kilobit je Sekunde. Erwähnen sollte ich an dieser Stelle, dass nahezu alle hier vorgestellten Sender ausschließlich Musik streamen. Wortbeiträge sind eher selten und beziehen sich dann hauptsächlich auf die ausgestrahlte Musik. Ebenso, und das ist sehr schön, gibt es keine oder nur sehr, sehr wenig Werbung zu ertragen. Fast alle Sender sind frei empfangbar, sie finanzieren sich über Spenden oder Sponsoring oder werden ganz einfach von Musik-Enthusiasten betrieben. Wer erinnert sich nicht an die Piratensender, deren Gründer eine ganz bestimmte Mission hatten und gegen das Establishment rebellierten. Empfangen und weiterleiten kann man den Radio Stream zum Beispiel mittels eines Computers oder man nutzt entsprechende Apps auf dem Tablet oder Smartphone, das zur Steuerung der eigenen digitalen Musikbibliothek und Streamers dient. Einige Hersteller von Netzwerkplayern oder Streaming DACs wie Lumin, Naim oder Auralic bieten die Integration von Internet Radio bereits an: Hier sind schon einige Sender gespeichert und abspielbereit.

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