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Hornlautsprecher

16.10.2012 // Jürgen Saile


Hornlautsprecher sind groß – oder sie decken nur den oberen Teil des Frequenzspektrums ab. Solche Konstrukte können hervorragend klingen, sofern man einen Basstreiber findet, der mit dem schnellen Horn mithalten kann. Ein Zweiwegesystem böte auch noch die einfachere Möglichkeit des Bi-Ampings oder des Aktivbetriebs. Bei dem hohen Wirkungsgrad der Mittel-Hochtontreiber würden beispielsweise die 1,5 Watt einer 45 Röhre locker ausreichen. Und diese ist eine der am besten klingenden Röhren überhaupt. Wobei es hierbei natürlich auch auf das Schaltungskonzept ankommt, die Röhre allein macht noch keinen exzellenten Verstärker. Für den Bass dürfen es dann ein paar Watt mehr sein.

Soll der Hornlautsprecher nun den gesamten Frequenzbereich übertragen, wird es komplizierter. Ein Beispiel einer derartigen Konstruktion mit modernen Hörnern – ich weiß, das ist ein Oxymoron – der Firma Cessaro war auf der Highend 2012 zu sehen:

Bis auf den Bass wird das gesamte Hornsystem hier von einer Endstufe mit circa acht Watt Ausgangsleistung angetrieben!
Bis auf den Bass wird das gesamte Hornsystem hier von einer Endstufe mit circa acht Watt Ausgangsleistung angetrieben!


Hier handelt es sich um ein Fünfwegesystem, das Basshorn ist schneckenförmig, liegend angeordnet und wird aktiv von zwei 16“ Bässen befeuert. Eine Besonderheit an der Konstruktion ist nun, dass sämtliche Hörner direkt abstrahlen, „frontloaded“ auf Neudeutsch. Meistens wird aus Platzgründen der Bass in einem „backloaded“ Horn untergebracht. Dabei wird der rückwärtige Schall über ein gefaltetes Horn zur Verstärkung genutzt. Nachteil dabei ist, dass das Signal zeitverzögert und phasenverschoben noch einmal abgestrahlt wird. Ähnliche Probleme hat man natürlich auch bei einem Dipolstrahler. Zudem hat der Entwickler des abgebildeten Konstruktion mechanische Einstellmöglichkeiten geschaffen, mit der die einzelnen Treiber phasenrichtig angepasst werden können, so dass sich ein zeitrichtiges Signal ergibt. Sind die Hörner bündig in eine Frontplatte eingelassen, so mag dies vielleicht cooler aussehen, die Phasenprobleme bekommt man in diesem Fall aber nur mit digitaler Laufzeitkorrektur in den Griff. Trotzdem findet man solche Konstrukte auch bei teuren Hörnen.

Wie gesagt, Hornsysteme können sehr groß werden, hier ein nur mittelgroßes System von Acapella. Den legendären Ionen-Hochtöner muss man einmal im Leben gehört haben, damit man weiß, was Perfektion im Hochtonbereich bedeutet. Wem dieses Horn immer noch zu klein ist, der kann bei Acapella auch mit gigantischen Systemen über 100dB Kennschalldruck versorgt werden
Wie gesagt, Hornsysteme können sehr groß werden, hier ein nur mittelgroßes System von Acapella. Den legendären Ionen-Hochtöner muss man einmal im Leben gehört haben, damit man weiß, was Perfektion im Hochtonbereich bedeutet. Wem dieses Horn immer noch zu klein ist, der kann bei Acapella auch mit gigantischen Systemen über 100dB Kennschalldruck versorgt werden

Nun sind im PA-Bereich Hörner nicht mehr wegzudenken. Auch hierzu ist zu sagen, dass diese Systeme für einen völlig anderen Zweck konstruiert wurden als zum Heimgebrauch. Wenn der Schlagzeuger aus Versehen einmal anstatt des Crash-Beckens das Mikro trifft, dann dürfen die Schwingspulen nicht sofort abrauchen. Eine Belastbarkeit der Bässe von 1000 Watt ist im Profibereich nichts ungewöhnliches, aber interessiert dies wirklich jemanden für zu Hause? Insbesondere in Anbetracht des hohen Wirkungsgrads dieser Chassis.

Ein Argument gegen den Gebrauch von Hörnern wird immer wieder ins Feld geführt: Alle Hörner tröten. Scherzbolde erfreuen sich dauerhaft an dem Gag mit der zugehaltenen Nase, haben aber wohl noch nie ein gut konstruiertes Horn gehört.


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