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Buchardt Audio S400

05.07.2019 // Matthias Jung

Nach dem furiosen Debüt bei Hifistatement mit der S300 Mk II legt Buchardt Audio mit der S400 nach und will die bereits bemerkenswerten Eigenschaften des Basismodells noch gesteigert haben.

Für Spannung war gesorgt. Das Abschneiden der Buchardt Audio S300 Mk II im Test bei Hifistatement war für Größe und Preis außergewöhnlich. Als sich die S400 ankündigte, folgte natürlich gleich der Versuch, ein Exemplar zur Besprechung zu bekommen. Allerdings verzögerte sich erst die Auslieferung, und dann waren die Lautsprecher gleich ausverkauft. Hören war nur auf Messen drin, von denen es jeweils hymnische Berichte zu lesen gab. Im Grunde musste der Inhaber Mads Buchardt überhaupt keine Werbung für die Lautsprecher machen. Monate vor der Marktauslieferung war das Internet voll von Hörberichten und Kaufabsichten. Als dann die ersten Exemplare ausgeliefert wurden, gab es auf Youtube geradezu liebevolle Vorstellungen und Besuchsberichte beim glücklichen Besitzer. Wenn Hifi jemals virales Onlinemarketing erfahren hat, dann hier. Und so hat es ewig gedauert, bis Hifistatement – als erstes Magazin in Deutschland – ein Pärchen ergattern konnte.

Inzwischen haben die Lautsprecher aus Dänemark auch einen deutschen Vertrieb und werden durch Hifipilot in Eisingen betreut, die die den Hifistatement-Lesern bestens bekannten Produktlinien von IOATVX und XTZ vertreten. Bekommt man die S400 endlich in die Hände, ist man erstaunt eingedenk der Tatsache, dass sie von den Abmaßen her kleiner sind als ihre immerhin 700 Euro billigeren Geschwister. Betrachtet man den Aufbau wird schnell klar, wohin die zusätzlichen Investitionen geflossen sind. Sind die S300 Mk II sehr konventionell aufgebaute Lautsprecher, haben sich Mads Buchardt und Entwickler Kaspar Raun bei der Buchardt Audio S400 einiges einfallen lassen. Bei beiden Modellen handelt es sich um ein Zwei-Wege-Design im handlichen Format, das sich am wohlsten auf einem stabilen Ständer fühlt.

Passivmembran statt Bassreflexrohr. Da die Membranfläche doppelt so groß wie der Tiefmitteltöner mit Antrieb sein soll, musste in dem relativ kleinen Lautsprecher eine ovale Variante zum Einsatz kommen
Passivmembran statt Bassreflexrohr. Da die Membranfläche doppelt so groß wie der Tiefmitteltöner mit Antrieb sein soll, musste in dem relativ kleinen Lautsprecher eine ovale Variante zum Einsatz kommen

Besonderes Augenmerk wurde bei der Entwicklung auf die Abstrahlcharakteristik gelegt, weswegen der 19-Millimeter-Gewebekalottenhochtöner nach unten gewandert ist und am Ende eines großen tiefen Waveguides sitzt. Darüber angeordnet auf ganzer Frontbreite ein 150-Millimeter-Konus-Tiefmitteltöner aus Aluminium. Die Wahl der Chassis wird zum einen mit der Fähigkeit zur sauberen Höchsttonwiedergabe der Kalotte und zum anderen mit der hohen Belastbarkeit und strukturellen Integrität des Konustöners begründet. Um das bei Aluminiumchassis gefürchtete Aufbrechen zu hohen Frequenzen hin zu unterbinden, bekommt die Membran Prägungen, die an entsprechender Stelle derartiges verhindern soll. Getrennt wird bei 2000 Hertz mit einer Weiche mit jeweils zwölf Dezibel/Oktave. Dies ist durchaus sportlich für eine Kalotte mit so einem kleinen Durchmesser. Das klassische Spielfeld solch kleiner Hochtöner ist an sich ein Einsatz ab drei bis vier Kilohertz in Drei-Wege-Konstruktionen. Und hier kommt der Hornvorsatz beziehungsweise das Waveguide ins Spiel. Einerseits wird der Schalldruck gesteigert und dem Chassis zu tiefen Frequenzen hin Hub erspart, andererseits das Abstrahlverhalten optimiert. In diesem Fall ist das auch nötig, sonst wäre eine so tiefe Ankopplung des Hochtöners technisch gar nicht machbar. Die genannten Positiveffekte sind dabei gern mitgenommene Zugaben. Um die daraus resultierenden Phasenverschiebungen auszugleichen, wurde dann die Anordnung des Hochtöners unten gewählt und die Front um zwei Grad angeschrägt, weswegen man den Lautsprecher möglichst nicht umgedreht betreiben sollte. Der Hersteller beschreibt das zwar als Möglichkeit, das ist dann aber eher Glückssache. Nach Angaben von Mads Buchardt sind die Chassis von SB-Acoustics – abgesehen vom homogenen Abstrahlverhalten – rein nach klanglichen Gesichtspunkten ausgewählt worden. Die Verarbeitung der in Schleiflack weiß, schwarz und mit Eichenfurnier erhältlichen Lautsprecher ist übrigens ausgezeichnet. Die beiden ersten Varianten sind jeweils für 2000 Euro erhältlich, die Variante mit Echtholzfurnier gibt es für einen maßvollen Aufpreis von zusätzlichen 150 Euro. Passende Ständer kann man für 275 Euro gleich dazunehmen, diese gibt es allerdings nur in schwarz.


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