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MQA – ein Erfahrungsbericht, Teil 2

24.04.2017 // Wolfgang Kemper

Der Tidal-Player erlaubt die Wahl zwischen weitgehend dekodierter oder originär belassener Wiedergabe der in MQA gehörten Musiktitel
Der Tidal-Player erlaubt die Wahl zwischen weitgehend dekodierter oder originär belassener Wiedergabe der in MQA gehörten Musiktitel

Tidal Master lässt sich auch über das neue Audirvana Plus 3 komfortabel aufrufen. Es ist wesentlich übersichtlicher und informativer als der Tidal-Player selber. So lässt sich ablesen, welche PCM-Auflösung das MQA-Format beinhaltet und welche Auflösung an den DAC ausgegeben wird. Brinkmann-Audio stellte mir für diesen Bericht leihweise einen Nyquist zur Verfügung. An diesen gibt Audirvana das verschlüsselte Master weiter, da der Nyquist die Dekodierung komplett übernimmt. Höre ich hingegen über meinen nicht-MQA-fähigen Audio-GD Wandler, gibt Audirvana die dekodierte Musik mit einer Aufschlüsselung bis maximal 96kHz weiter. Über Audirvana Plus 3 klingt jede Musik anders als über den Tidal-Player direkt – für mein Empfinden besser, weil etwas transparenter und strukturierter. Deshalb habe ich auch die meisten Hörvergleiche über Audirvana gemacht. Zudem erlaubt es, die MQA-Alben, die ich von Highresaudio.com oder von 2L auf meinen Mac Mini heruntergeladen habe, zu verarbeiten. Die Player-Software signalisiert auch per kleinem grünen LED-Symbol die Authentifizierung und damit, dass es sich um ein MQA-File handelt. Alternativ leuchtet dieses LED-Symbol in Blau, wenn es darüber hinaus ein vom Künstler oder dessen Rechte-Inhaber autorisiertes MQA-File ist. Dieses besondere Merkmal hat Bob Stuart kreiert. Merkwürdig ist in diesem Zusammenhang, dass bei Tidal neben einer remasterten PCM-Version gleich zwei Varianten des Eagles Album Hotel California in MQA angeboten werden, die deutlich unterschiedlich klingen, vor allem in der Bass-Intensität. Dazu gab mir Bob Stuart über sein Büro diese Erklärung – hier in Übersetzung wiedergegeben:

„Dies ist ein großartiges Beispiel für unseren Prozess. Wenn man sich die Geschichte dieses berühmten Albums anschaut, war die erste High-Speed-Version von Elektra im Jahr 2001 auf DVD-Audio. Diese Dateien wurden zum Download im Jahr 2011 remastered und die Version ist auf einigen Download-Shops zu finden. Für dieser wurde die Codierung in MQA genehmigt. Anschließend wurde die MQA-Zulassung für ein neueres, 2013 erschienenes Remaster von Bernie Grundman gegeben, der auf das ursprüngliche analoge Band zurückgegriffen hat. Diese spätere Übertragung ist die, die in MQA auf Tidal verfügbar ist. Im Rahmen eines normalen Prozesses hat die veröffentlichende Plattenfirma den Streaming Services die Version von 2013 zur Verfügung gestellt. In einigen Gebieten ist nur noch eine Version verfügbar und wenn man in der Lage ist, zwei Versionen zu finden, muss das während des Übergangs gewesen sein. Unsere Politik für das Streaming ist es, zu jedem Zeitpunkt immer das Beste anzubieten. Zuletzt ist noch anzumerken: In manchen Fällen hat ein Künstler mehr als eine Version genehmigt - wie zum Beispiel die originale und remasterte Version gleichzeitig oder zu verschiedenen Zeiten.“

Zweimal das gleiche Album in MQA stimmt nachdenklich, findet aber eine plausible Erklärung
Zweimal das gleiche Album in MQA stimmt nachdenklich, findet aber eine plausible Erklärung

Lassen Sie mich die klanglichen Eindrücke der gehörten MQA-Musik im Vergleich zu entsprechenden PCM-Files in dergleichen Auflösung zusammenfassend beschreiben: Angefangen habe ich mit dem Vergleichen im Tidal-Player, und zwar in der wenig praxisnahen, nicht entschlüsselten Einstellung. Ich habe also uncodierte 24Bit/44,1 oder 48kHz MQA-Files im Flac-Format Download im Flac-CD-Format gegenübergestellt. Da fiel es mir anfangs nicht so leicht, die gehörten Unterschiede qualitativ einzuordnen. Dummerweise gibt es zwischen den Files auch Pegel-Unterschiede, was die Sache deutlich erschwert. Ich hatte das Gefühl, die MQAs klängen eine Spur gedämpfter, weil die „spitzen“ Höhen des PCM-Files im Vergleich mehr Eindruck machten. Besonders bei natürlichen Instrumenten wird aber bald klar, dass die ruhigere Darstellung per MQA musikalisch glaubwürdiger ist.

Bei den folgenden Hörsitzungen mit dekodierten MQA-Dateien – egal ob als Stream über Tidal, in Audirvana Plus 3 oder vom auf dem Rechner gespeicherten Files – ist MQA die bessere Wahl. Auch ist dieses Ergebnis unabhängig davon, ob ich den hochkarätigen Nyquist mit voller Auflösung bis 352,8kHz einsetze oder über den klanglich schwächeren Audio-GD Wandler mit bei 96kHz limitierter Auflösung höre. In Abhängigkeit von der jeweiligen Musik ist der Unterschied mal sehr, mal wenig deutlich. Das gilt beim relativ schnellen Umschalten. Hier bedarf es oft eines mehrfachen Hin- und Her-Schaltens. Ich habe mir einen Blind-Test auferlegt, indem ich die Files gemischt habe und sie dann, ohne genau hinzuschauen, startete. Beim späteren Blick auf den entfernt stehenden Nyquist konnte ich dann sehen, ob mein Tipp stimmte. Meine Trefferquote lag ziemlich hoch.


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