Test.
Deutsch English|

Kaiser Kawero! Chiara

18.04.2014 // Jürgen Saile

„Die sehen ja schnuckelig aus!“ Solche Kommentare bin ich von meiner besseren Hälfte eigentlich nicht gewöhnt; zumindest nicht was HiFi anbelangt. Wobei ich bei dem Chiara-Design eher an ein amerikanisches Stealth Flugzeug denke. Was man auf den ersten Blick aber nicht sehen kann: „Schnucki“ hat es genauso faustdick hinter den Ohren!

Die Verarbeitung der Gehäuse ist ein Traum! Eine Version komplett in Hochglanz ist gegen Aufpreis ebenfalls möglich. Man kann auch erkennen, dass der Hochtöner aus klanglichen Gründen nicht parallel zur Frontplatte steht
Die Verarbeitung der Gehäuse ist ein Traum! Eine Version komplett in Hochglanz ist gegen Aufpreis ebenfalls möglich. Man kann auch erkennen, dass der Hochtöner aus klanglichen Gründen nicht parallel zur Frontplatte steht

Spiel doch mal... höre ich dann als nächstes. Offensichtlich ist die Neugier, was aus dem Designobjekt wohl an Musik kommen könnte, so groß, dass ich plötzlich eine CD von Dusty Springfield in die Hand gedrückt bekomme. Die Engländerin mit der unheimlich „schwarzen“ Stimme, die bei jeder Motown Produktion eine gute Figur gemacht hätte. Für dieses Label hätte sie wohl auch gerne gesungen, das war aber wegen ihrer weißen Hautfarbe damals schwierig. Also kommt The Windmills Of Your Mind ins Laufwerk. Die mir vorliegende Aufnahme ist nun wahrlich keine Sensation, mal positiv ausgedrückt. Aber was hier an Feeling rüberkommt, ist dagegen schon sensationell. Die älteren Leser unter uns, die diese Zeit noch miterlebt haben, können dies vielleicht nachvollziehen. Mit der Chiara gelingt es, über die Schwächen dieser Aufnahme hinwegzuhören und einfach die Musik zu genießen. Die Fehler sind natürlich allesamt zu leicht hören, treten aber nicht als Spaßbremse auf. Eines wird aber bereits mit dieser Aufnahme klar: Die Abbildungsfähigkeiten der Chiara sind hervorragend! Wenn das kein guter Anfang ist!

Geliefert wird die Chiara in einem professionellen Flightcase, das senkrecht aufgestellt, durchaus auch als begehbarer Kleiderschrank durchgehen könnte. Na ja fast. Wobei es sich bei der Chiara noch um das Leichtgewicht der drei verfügbaren Lautsprechermodelle handelt. Für den Transport des größten Modells Classic sind dann wahrscheinlich vier trainierte Sargträger vonnöten.

Die Polklemmen stammen aus dem Hause Mundorf, Bi-wiring Betrieb ist nicht vorgesehen. Bei diesem äußerst homogen spielenden Lautsprecher ist dies wahrscheinlich auch nicht von Vorteil
Die Polklemmen stammen aus dem Hause Mundorf, Bi-wiring Betrieb ist nicht vorgesehen. Bei diesem äußerst homogen spielenden Lautsprecher ist dies wahrscheinlich auch nicht von Vorteil

Zunächst aber ein paar Worte zu Kaiser Acoustics, die Firma hat es ja mit großem Erfolg geschafft, den Namen Kawero! in der deutschen HiFi Szene geheim zu halten. Warum sie nun konstant unter dem Radar fliegt... vielleicht doch Stealth Technologie? Dabei sind sie beileibe keine Newcomer, sondern überwiegend im professionellen Bereich tätig. Also akustische Optimierung von Studios und Konzertsälen. Als die Chiara geliefert wurde, wurden gerade die Studios des Bayerischen Rundfunks entsprechend umgebaut. Zudem besitzen die Untergriesbacher eine hochspezialisierte Möbelmanufaktur. Nun darf man sich hier nicht einfach eine große Schreinerei vorstellen, sondern Kaiser kann Holz in alle erdenklichen dreidimensionalen Formen verarbeiten. Bereits an der extravaganten Form der Chiara würde sich eine konventionelle Schreinerei die Zähne ausbeißen.

Nun reicht es für einen perfekten Lautsprecher natürlich nicht aus, lediglich in der Holzverarbeitung topfit zu sein. Die gesamte technische Entwicklung obliegt deshalb einem weiteren Profi, Rainer Weber, der auch das zweite Buchstabenpaar in dem Kunstwort Kawero! beisteuert. Wenn man nun die Chiara anhebt, um sie in eine geeignete Position zu bringen, wundert man sich, wo der kleine Kerl sein Gewicht hernimmt. 34 Kilogramm bringt er auf die Waage! Aufklärung bekommt man schließlich aus Untergriesbach: Die Gehäusewände sind aus Panzerholz gefertigt. Hier handelt es sich nun nicht um Holz vom seltenen Panzerbaum (Arctostaphylos Saileii), sondern um ein künstlich hergestelltes Verbundmaterial. Dabei wird dünnes Buchen-Furnierholz mit Phenolharz imprägniert und unter hohem Druck und den dann entstehenden hohen Temperaturen zu Platten gepresst. Diese haben dann nur noch 60 Prozent der ursprünglichen Dicke.

In das Panzerholz lassen sich sogar Gewinde für die Befestigungen der Chassis schneiden. Und zwar für Metallschrauben! Bei normalem Multiplex würde das wegen der geringen Gewindesteigung sofort ausreißen
In das Panzerholz lassen sich sogar Gewinde für die Befestigungen der Chassis schneiden. Und zwar für Metallschrauben! Bei normalem Multiplex würde das wegen der geringen Gewindesteigung sofort ausreißen

Kunstharzpressholz/Schwerfolien/Fiberglas-Sandwich nennt es der Hersteller. Nun ja, „schwer“ kann ich auf alle Fälle bestätigen. Mit dieser Konstruktion bekommt das Material fast metallähnliche Festigkeitswerte. Kleiner Nebeneffekt am Rande: durch das Panzerholz ist die Chiara praktisch kugelsicher! Man weiß ja nie. Nun ist die Form der Chiara nicht nur als Eyecatcher gedacht, sondern hat den Sinn, parallele Wände zu vermeiden. Damit sollen natürlich stehende Wellen im Gehäuse vermieden werden. Zudem hat man sich sehr viele Gedanken gemacht, wie man Vibrationen und Resonanzen von den Chassis fernhalten kann. Wenn man dies mit Dämmmaterial versucht, dämpft man natürlich nicht nur die Resonanzen sondern entzieht auch akustische Energie. Die bessere Idee wäre also, diese Resonanzen abzuleiten, ein akustischer Blitzableiter sozusagen. Dazu hat der Hersteller die Konstruktion so ausgelegt, dass alle Resonanzen vom Gehäuse in den Fuß abgeleitet werden. Was man von außen nämlich nicht erkennen kann; der Ständer hat es ebenfalls in sich, in den Fuß sind drei akustische Labyrinthe integriert, welche die Vibrationen absorbieren sollen. Diese Technologie wurde in Zusammenarbeit mit dem englischen Spezialisten Vertex AQ entwickelt. Dies hat auch den Nebeneffekt, dass im Gehäuseinneren kaum noch Dämpfungsmaterial benötigt wird.


  • Expolinear Sondermodell T-100 DeLuxe

    Als limitiertes Sondermodell präsentieren Expolinear® die neue T-100 DeLuxe. Es handelt sich um einen 2-Wege Kompakt-Lautsprecher, der mit exquisiten Bauteilen produziert wird und eine verfeinerte Version der beliebten T-100 L darstellt. Im Tiefmitteltonbereich setzen die Berliner Lautsprecherspezialisten ein neues Hochleistungssystem mit Spezial-Membran ein. Dieses arbeitet mit extrem linearem Frequenzgang. Der Hochtonbereich ist dem State of the Art Bändchenhochtöner Expolinear RT-9 Pro bestückt. Es handelt sich um ein klassisches Bändchen mit Übertrager, das extrem breitbandig (1500…
    21.06.2017
  • TAD Labs Micro Evolution One

    BER hat nur einen Buchstaben mehr als BE, aber während der Berliner Flughafen nie fertig wird, ist BE, das für Beryllium steht, seit langer Zeit eine echte Erfolgsgeschichte. Der im japanischen Aktienindex Nikkei 225 gelistete Weltkonzern Pioneer baut schon seit 1937 Lautsprecher. Im Tochterunternehmen TAD – die Abkürzung steht für Technical Audio Devices – werden seit 1975 Lautsprecher für den professionellen Bereich gebaut und diese besitzen eine hervorragende Reputation. So kommt beispielsweise die TAD Model…
    06.06.2017
  • Kaiser Acoustics Kawero! Classic

    Wer ab und zu einen Blick in die Liste der für den Test verwendeten Komponenten wirft, dem dürfte aufgefallen sein, dass die Kawero! Classic schon lange in meinem Hörraum zu Gast sind. Bei diesem Bericht der etwas anderen Art werde ich auch nichts über die Technik schreiben – und dennoch werden Sie zum Schluss umfassend informiert sein Meine Kollegen und ich genießen das Privileg, unsere Testobjekte unter vertrauten Bedingungen in der heimischen Kette erleben können.…
    12.05.2017
     
  • ICHOS Lautsprecher jetzt serienmäßig mit Duelund

    Der österreichische Lautsprecherhersteller ICHOS hatte bereits auf der letztjährigen Wiener HiFi-Messe klangBilder mit seinen speziell behandelten Breitbandsystemen einen starken Auftritt. Und mit den sehr hochwertigen Duelund-Frequenzweichen-Bauteilen soll der nun noch besser werden. Das Gehäuse der Ichos-Schallwandler beherbergt ein definiertes nach unten abstrahlendes Horn, das für den Bass zuständig ist. Der Hochtonbereich wird durch ein spezielles Dipol-Hochtonkonzept ergänzt. Besonders bedacht ist man bei ICHOS auf die heimische Produktion sowie die Verwendung von speziell selektierten Bauteilen und…
    19.04.2017
  • Buchardt Audio S300 MKII

    Was für eine hübsche Geschichte: Zwei hifi-begeisterte Sandkastenfreunde beschließen, den ultimativen Lautsprecher zu entwickeln – mit dem Fokus auf guten Klang. Optik egal, dafür sollen sie natürlich das beste Preisleistungsverhältnis überhaupt haben und alles andere in Grund und Boden spielen. Klar. Der eine ist Mads Buchardt, Musiker und ehemaliger Inhaber eines Instrumentengeschäfts in der Nähe von Århus, der andere Kaspar Raun, ein Ingenieur, der früher Entwickler bei Dynaudio und anderen Hifi-Herstellern war und heute für…
    03.04.2017
  • Q Acoustics 3050

    Bei der Fülle der hochpreisigen Testobjekte bleibt meistens kaum Platz für Geräte der unteren Preisklassen. Zum Glück nicht immer, sonst wäre dem Tester die Begegnung mit der Q Acoustics 3050 entgangen. Nicht nur ein Verlust für ihn, sondern auch für alle anderen preisbewussten Hifi-Liebhaber. Die 3050 sind das dritte Paar Lautsprecher des englischen Herstellers Q Acoustics aus Bishops Stortford nördlich von London, das seinen Weg in meinen Hörraum findet. Sie sind die Nachfolger der 2000i…
    20.03.2017