Aurender X100S

29.08.2014 // Jürgen Saile

Den Aurender W20 kennen wir ja bereits, ich halte diesen für eine der besten Digitalquellen überhaupt. Leider liegt dieser in einer Preisregion, die nicht unbedingt für jeden Geldbeutel geeignet ist. Um es einmal so auszudrücken. Die koreanische Firma TV Logic hat deshalb eine kleinere Version entwickelt; wie nahe diese an den W20 herankommt, wollen wir in diesem Test herausfinden.

Etwa die Größe eines Schuhkartons. Allerdings ein massiv gebauter Schuhkarton. Mit dem Schalter links lässt sich der Aurender auf Standby schalten, der eigentliche Netzschalter befindet sich auf der Rückseite. Die vier Schalter rechts ermöglichen rudimentäre Basisfunktionen zur Steuerung des Gerätes
Etwa die Größe eines Schuhkartons. Allerdings ein massiv gebauter Schuhkarton. Mit dem Schalter links lässt sich der Aurender auf Standby schalten, der eigentliche Netzschalter befindet sich auf der Rückseite. Die vier Schalter rechts ermöglichen rudimentäre Basisfunktionen zur Steuerung des Gerätes

Im Vergleich zum W20 kommt der X100S daher wie ein halbes Hemd, er ist nämlich etwa nur halb so breit und auch viel kürzer. Erinnert größenmäßig irgendwie an einen Schuhkarton. Trotzdem finde ich das professionelle Industriedesign sehr ansprechend. Auch die Anfassqualität ist hervorragend. Es existieren zwei X100 Varianten mit der zusätzlichen Bezeichnung „S“ für small und „L“ für large, wobei der hier vorliegende X100S eine Festplatte mit einer Speicherkapazität von 1TB besitzt, der X100L hat zwei Festplatten mit jeweils 3TB. Ansonsten sind die beiden X100 Varianten so ziemlich gleich. Wobei mir die 1TB bei dem Testgerät etwas wenig vorkommen, selbst wenn man keine hochauflösenden Formate speichert.

Ein optisches Laufwerk fehlt in allen Aurender Geräten, weil man der Meinung ist, dass dieses nur RF-Intermodulationen und Vibrationen erzeugen würde. Nun kämen diese durch eine rotierende Festplatte natürlich genauso ins System, deshalb dient die Festplatte nur als Datenspeicher; zum Abspielen der Musik werden die Dateien dann in einen 120 GB SSD Festspeicher geladen und die Festplatte abgeschaltet. Das Überspielen dauert ein paar Sekunden. Der X100 ist sehr solide gebaut, profitiert aber trotz nicht vorhandener beweglicher Teile während des Abspielens von einer Platzierung auf der LeadingEdge Plattform. Soweit ist alles ähnlich wie beim großen Modell W20. Worin liegen nun die Unterschiede, nachdem der W20 ja fast fünfmal so teuer ist? Da man auch in Südkorea nicht zaubern kann, musste man beim X100 ja irgendwo der Rotstift ansetzen.

Neben dem LAN-Anschluss existieren drei-USB Buchsen, nur die linke sollte man für die Verbindung zum Wandler hernehmen
Neben dem LAN-Anschluss existieren drei-USB Buchsen, nur die linke sollte man für die Verbindung zum Wandler hernehmen

Wie gesagt handelt es sich hier um eine schlankere Variante und nachdem das Gehäuse nur etwa halb so breit ist, mussten einige Baugruppen geopfert, beziehungsweise in anderer Form aufgebaut werden. Zunächst einmal fällt die aufwändige Batterieversorgung mit drei unterschiedlichen Batterieblöcken aus dem Flaggschiff weg. Für ein lineares Netzteil wie im S10 Modell war ebenfalls kein Platz mehr, die Stromversorgung übernimmt ein neuartiges 100-Watt-Schaltnetzteil. Geblieben sind die seitlichen Kühlkörper, obwohl es seitlich eigentlich nichts zu kühlen gibt. Der eigentliche Kühlkörper für die Hauptplatine sitzt nämlich - von außen unsichtbar – im Gerät. Als nächstes musste die temperaturstabile OCXO-Clock weichen und wurde durch ein einfacheres, nicht weiter definiertes Modell ersetzt. Und schließlich wurde auf S/PDIF- und AES/EBU-Digitalausgänge verzichtet, es existiert nur noch ein spezieller USB 2.0 Ausgang für den Anschluss an den DA-Wandler. Dieser entspricht allerdings der aufwändigen Version aus dem W20. Dabei ist das USB-Audiosignal mit einer eigens entwickelten Schaltung gepuffert, um Jitter und Störeinflüsse zu unterdrücken. Zudem bietet die USB-Audio-Schnittstelle eine kräftigere 5Volt/1A-Stromversorgung. Diese Reduktion der Eingänge kann natürlich trotzdem für den einen oder anderen eine Limitierung darstellen. Geblieben ist das gestochen scharfe AMOLED Display, hier zwangsläufig in einer schmaleren Ausführung. Cover können – wie beim großen Bruder auch – nicht angezeigt werden, dafür hat Aurender eine weit bessere Lösung parat. Auch die Anzeigemöglichkeit der VU-Meter im Design von McIntosh oder Accuphase ist nicht möglich – geschenkt!

Zur Kühlung der CPU ist ein riesiger Kühlkörper eingebaut, damit kann der X100S ohne Lüfter betrieben werden
Zur Kühlung der CPU ist ein riesiger Kühlkörper eingebaut, damit kann der X100S ohne Lüfter betrieben werden

Die Frage, die todsicher bei solchen Gerätschaften immer wieder gestellt wird, ist folgende: Wozu so ein Gerät, ich habe doch einen Computer, der dies auch alles kann. Mein Computer macht das alles mit links! Und außerdem ist auch der X100 nichts anderes als ein spezieller Computer, eben für diesen einen Zweck optimiert, nämlich Musikdateien auszulesen und an den DA-Wandler weiterzuleiten. Allerdings sollten wir eines im Auge behalten: In der Computerbranche tobt ein gnadenloser Preiskampf, deshalb werden hier nur die billigsten Bauteile verbaut, die ihren Zweck gerade so erfüllen. Und möglichst noch bis zum Ende der Garantiezeit durchhalten. In der Audiobranche kommt ein Gerät, das spätestens nach zwei Jahren mausetot ist, nicht so gut an. Zudem möchte der Computer just dann, wenn wir gerade die neu erstandene Scheibe spielen wollen, ein wichtiges Update aufspielen, oder stürzt gerade aus anderen Gründen ab. Viel wichtiger aber: Ein Computer ist für einem völlig anderen Zweck konstruiert worden, er soll möglichst viele Prozesse gleichzeitig in möglichst kurzer Zeit abarbeiten können. Das bedeutet, er ist mit völlig anderen Dingen beschäftigt, die für ihn eine viel höhere Priorität haben, als unsere Audiodateien abzuspielen. Und es sollte auch keiner glauben, dass Computerhersteller wie Dell, Acer, Lenovo oder wie sie alle heißen, irgendetwas für die Highend-Gemeinde entwickeln werden. Beim X100S gibt es weder eine Grafikkarte, noch eine Soundkarte, noch Tastatur, Maus und all die Dinge, die ihn von seinem eigentlichen Tun ablenken könnten. Das verhindert übrigens auch, dass einer auf die Idee kommen könnte, neben dem Musikhören gleichzeitig mit dem Computer E-Mails zu schreiben.


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