MSB Technology Platinum M203 Monoblock Amplifier

01.12.2014 // Dirk Sommer

Die beiden Netztrafos stammen vom renommierten kanadischen Hersteller Plitron und tragen nicht unwesentlich zum Gewicht der Endstufe bei
Die beiden Netztrafos stammen vom renommierten kanadischen Hersteller Plitron und tragen nicht unwesentlich zum Gewicht der Endstufe bei

Á propos Heizkörper: Für eine beachtliche Wärmeentwicklung sorgt bisher nur der Betrieb der Endstufen mit „normalem“ Ruhestrom. Da mich die M203 bisher mit ihren klanglichen Leistungen wunschlos glücklich machten, war ich nie versucht, die weder dem Raumklima noch der Stromrechnung besonders zuträgliche „High Bias“-Einstellung auszuprobieren: ein grober Fehler! Ein paar Watt mehr sorgen für eine vielleicht etwas größere Bühne, auf der die Instrumente aber eindeutig von deutlich mehr Luft umgeben werden. Die Abbildung gewinnt an Plastizität. Die M203 scheinen dank etwas zusätzlichen Stroms sogar das Tempo angezogen zu haben, die gesamte Darbietung wirkt noch ein wenig inspirierter und farbiger. Während beim „normalen“ Ruhestrom massive Geigen- oder Flöteneinsätze aufnahmebedingt schon mal mit einem Hauch Schärfe rüberkommen, besitzen sie mit „High Bias“ zwar immer noch den nötigen Biss, strahlen aber mit dem Weiß einer konventionellen Glühbirne. Dagegen scheinen bei „normalem“ Bias LEDs die Szene zu beleuchten. Man verschenkt ein paar Prozent – und das ist auf dem hohen Niveau, auf dem die MSBs und der Rest der Kette spielen, eine Menge – Klangqualität, wenn man beim Ruhestrom knausert. Ihr volles Potential entfalten die M203 nur in der „High Bias“-Betriebsart.

Die hohe Packungsdichte der Bauteile im Gehäuse soll für kurz Signalwege sorgen
Die hohe Packungsdichte der Bauteile im Gehäuse soll für kurz Signalwege sorgen

Schon zu Anfang der Beschäftigung mit den MSB-Technology-Endstufen war klar, dass sie im Bassbereich ein bisschen mehr zu bieten haben als die Ayons, die je nach Röhrenbestückung aber auch um die Hälfte günstiger zu haben sind. Bevor ich die beiden sowohl in puncto Technik als auch Preis recht ungleichen Endverstärker abschließend vergleiche, tausche ich die bFly-Füße gegen die Finite Elemente CeraBase. Die steigern die Agilität der MSBs noch einmal ein gutes Stückchen: Die Schwarzen Riesen scheinen nun noch eine Nuance leichtfüßiger und geschmeidiger zu agieren. Und das ist für die Konfrontation mit den Ayon auch gut so: Die Röhrenendstufen beeindrucken mit einer ungeheuren Spielfreude und Lebendigkeit. Aber gerade im Mittel-Hochtonbereich scheinen es mir die eine Spur weniger funkelnden und strahlenden M203 mit der Wahrheit ein wenig genauer zu nehmen. Ohne Frage machen die Ayon eine Menge Spaß, sie besitzen eben dieses gewisse (Röhren-)Etwas. Aber die einen Hauch ehrlicheren und nüchterneren MSBs verwöhnen ihren Besitzer durch zusätzliche Feinformationen, eine Portion mehr Durchzeichnung und einen größeren virtuellen Raum und beweisen damit, dass nicht nur eine kleine Dosis Euphonie höchsten Musikgenuss garantieren kann. Strikte Basskontrolle, unbedingte Wahrheitstreue, Schnelligkeit und Detailverliebtheit können mindestens ebenso viel, wenn nicht mehr Freude an der Musik vermitteln.

b_200_0_16777215_10_images_content_tests_14-12-01_msb_Boussaguet.jpgNach der Vergleicherei gönne mir noch einen Song, den ich während des Schreibens quasi wiederentdeckt habe. Die besonderen Fähigkeiten von AudioMachina und MSB im Tieftonbereich hatten mich dazu gebracht, wieder einmal einem alten Laster zu frönen: basslastigen oder reinen Bass-Klängen. So fiel meine Wahl unter anderem auf die Solo-CD von Pierre Boussaguet, die ich nach einem Konzert im Neuburger Jazzland erstanden hatte. Auf Pour Ou Contrebasse interpretiert er eine Komposition von Lalo Schifrin, die hierzulande durch die Fernsehserie Kobra, übernehmen Sie bekannt wurde, „Mission Impossible“. In Multiplay-Technik legt Pierre Boussaguet hier diverse Basslinien und einen mit den Händen auf dem Korpus getrommelten Track übereinander: Eine echte Herausforderung für Lautsprecher und Endstufen, diese Bass-Fülle sauber zu differenzieren, dank AudioMachina und M203 jedoch ein tieffrequenter und rhythmischer Hochgenuss!

Die M203 ist eine elegante Erscheinung. Bei der Farbauswahl für das Gehäuse sind den Wünschen der Kunden so gut wie keine Grenzen gesetzt
Die M203 ist eine elegante Erscheinung. Bei der Farbauswahl für das Gehäuse sind den Wünschen der Kunden so gut wie keine Grenzen gesetzt

STATEMENT

MSB Technoloy hat mit den M203 Endstufen von höchstem Niveau geschaffen. Sie erlauben sich nicht die geringste klangliche Färbung und begeistern durch einen straff kontrollierten Bassbereich, der dennoch weder Farbe noch Wärme vermissen lässt. Die Raumdarstellung und die in den musikalischen Fluss eingebundene Detailpräsentation der MSBs gehören zum besten, was ich in meinem Hörraum erleben durfte. Dazu kommt noch die ebenso funktionale wie eigenständige Gestaltung: ein Gesamtkunstwerk.
Gehört mit
Plattenspieler Brinkmann LaGrange mit Röhrennetzteil
Tonarm AMG Viella 12‟, Thales Simplicity
Tonabnehmer Einstein The Pickup, Brinkmann EMT ti, Lyra Olympos
Phonostufe Einstein The Turntable’s Choice
Computer iMac 27‟, 3.06 GHz Intel Core 2 Duo, 8 GB, OS X Version 10.9.2
Audioplayer Amarra Symphony 2.6, Pure Music 2.0.2
CD-Laufwerk Wadia WT3200
D/A-Wandler Mytek 192-DSD-DAC, M2Tech Young und Van Der Graaf
Vorverstärker EAR Yoshino 912, Einstein The Preamp
Endstufe Ayon Epsilon mit KT 150
Lautsprecher LumenWhite DiamondLight Monitors, Audiomachina Maestro GSE
Kabel Precision Interface Technology, Sunwire Reference, HMS Gran Finale Jubilee, Audioplan Powercord S, Audioquest, Swiss Cables Reference, Goebel High End Lacorde
Zubehör PS Audio Power Plant Premier, Clearaudio Matrix, Sun Leiste, Audioplan Powerstar, HMS-Wandsteckdosen, Acapella Basen, Acoustic System Füße und Resonatoren, Finite Elemente Pagode Master Reference Heavy Duty und Cerabase, Harmonix Real Focus
Herstellerangaben
MSB Technology Platinum M203 Monoblock Amplifier
Eingang 2 x XLR, 1 x Cinch
Eingangsimpedanz 36 kΩ (symmetrisch), 18 kΩ (unsymmetrisch)
Eingangsempfindlichkeit 4,34 Vpp für 200W (High Gain +28db)
8,68 Vpp @ 200W (Low Gain +22db)
Gleichtaktbereich ± 20 V
Max. Eingangsspannung 20 Vpp
Max. linearer Eingangsbereich 10 Vpp
Transistoren alle bi-polar
Gegenkopplung 0 Negative Local Feedback, 0 Negative Global Feedback
Dämpfungsfaktor 80
Fremdspannungsabstand 
>120 dB
Leistung >200 Watt an 8 Ω, treibt Lasten bis 1 Ω
Statische Leistungsaufnahme 250 Watts
Filter Kapazität 220,000 µF
Transformatoren Dual-600W Ringkerntransformatoren
Bedienungselemente Schalter für symmetrischen oder unsymmetrischen Betrieb, beleuchteter Schalter für Ein/Standby/Aus
, Schalter für normalen oder niedrigen Ruhestrom, Buchse für Fernein- und -ausschaltung
Abmessungen 30,5 cm (Durchmesser), 45,7 cm (Höhe)
Gewicht 40,8 kg
Paarpreis 28000 Euro

Vertrieb
HiFi2Die4
Anschrift Austrasse 9
73575 Leinzell
Telefon +49 (0) 7175 909032
E-Mail hifi2die4@gmx.de
Web www.hifi2die4.de


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