LeadingEdge Plattform

02.02.2015 // Jürgen Saile

Seien wir doch einmal ehrlich, der allerbeste Weg, unser Hifi-System zu verbessern ist der Austausch einer Komponente gegen ein neues Modell. Und wenn wir schon einmal dabei sind, ehrlich zu sein, nachdem dann der Effekt des Neuen verflogen ist, sind wir wieder genauso unzufrieden wie zuvor.

Interessanterweise neigt man hierzulande eher dazu, oben genannten Weg zu gehen, während beispielsweise Hörer aus Frankreich sich schon immer mehr damit befasst haben, wie man aus einem vorhandenen System das beste herausholen kann. Wobei ich natürlich nicht behaupten will, dass mit einer technisch besseren Komponente keine Verbesserung möglich wäre, aber das hochwertigere Gerät wird bei einer schlechten Infrastruktur immer weit unter seinen Möglichkeiten bleiben. Die beiden folgenden, schon fast ketzerischen Artikel – ich weiß, was früher mit Ketzern passiert ist – sollen sogenannte Nebensächlichkeiten wie Systemplattformen, Stromversorgung und andere Dinge ins richtige Licht rücken. In unserer Begeisterung für Plattenspieler, Verstärker und Lautsprecherboxen vergessen wir schnell, dass deren Performance eindeutig von den Umgebungsbedingungen abhängt. Wenn wir versuchen, mit einem Formel 1 Racer über einen Kartoffelacker zu fahren, ist es völlig unerheblich, ob der Motor nun 800 oder 900 PS hat, wir werden trotzdem nicht schneller vorankommen. Allerdings ist der umgekehrte Weg natürlich genauso unsinnig, wenn wir dann beispielsweise mit einem Goggomobil auf der Rennstrecke entlang eiern.

Über die ovalen Metalleinlassungen wird das Gerät an das akustische Labyrinth angekoppelt. Die Paneele an der Seite können natürlich in der gleichen Ausführung wie die Basen geliefert werden
Über die ovalen Metalleinlassungen wird das Gerät an das akustische Labyrinth angekoppelt. Die Paneele an der Seite können natürlich in der gleichen Ausführung wie die Basen geliefert werden

Trotzdem werden wir uns im Folgenden überlegen, wie man aus dem Kartoffelacker eine Formel 1 Rennstrecke macht. Wie war doch früher alles einfach, den Plattenspieler auf die Kommode gestellt, den Vollverstärker innen rein, Lautsprecher angeschlossen und los gehts! Bis dann irgendwann einer gemerkt hatte, dass man den Klang deutlich verbessern kann, wenn der Plattenspieler auf einem festen Untergrund steht. Verräter!

Wie wollen wir das Ganze nun angehen? Für die Hifi-Spielwiese hält der Zubehörhandel jede Menge Artikel parat, Spikes, Kügelchen aus unterschiedlichsten Materialien, Untersetzer aus Glas, Acryl oder Karbon, Konstrukte aus Titan und was weiß ich alles. In einem Anfall geistiger Umnachtung hatte ich mir vor Jahren aus dem riesigen Fundus der Redaktion alle möglichen Untersetzer ausgeliehen um herauszufinden, ob sich damit etwas verbessern ließe. Das Endergebnis war immer das gleiche, manche Teilaspekte haben sich verbessert, dafür wurden andere Eigenschaften schlechter. Die Erkenntnis war letztlich, mit trial and error kommt man hier nicht weit. Grundsätzlich sollte man sich erst einmal überlegen, was hier überhaupt passiert.

Zum besseren Verständnis wollen wir uns den Begriff Impedanz einmal vor Augen führen. Unter Impedanz versteht man allgemein den Widerstand, der der Ausbreitung von Schwingungen entgegenwirkt. Einfluss auf die Impedanz haben neben Eigenschaften des Ausbreitungsmediums auch Hindernisse und Übergänge zu unterschiedlichen Ausbreitungsmedien. Für uns interessant ist der Begriff mechanische Impedanz, der den Widerstand gegen die Ausbreitung mechanischer Schwingungen beschreibt. Stehen nun zwei Materialien mit gleicher Impedanz in festem Kontakt, beispielsweise Stahl auf Stahl, so wird die Schallenergie leicht von einem zum anderen übertragen. Der Übergang hat eine angepasste mechanische Impedanz. Hat man zwei Materialien mit unterschiedlichen Eigenschaften in festem Kontakt, sagen wir einmal Stahl auf Gummi, so wird ein großer Teil Schwingungsenergie an der Grenzfläche reflektiert. Die Verbindung hat eine nicht angepasste mechanische Impedanz.

Über die von oben einstellbaren Stop Chock Füße kann die Plattform nivelliert werden, auch bei aufgesetztem Gerät. Dahinter die Schallabsorptionskammer
Über die von oben einstellbaren Stop Chock Füße kann die Plattform nivelliert werden, auch bei aufgesetztem Gerät. Dahinter die Schallabsorptionskammer


  • Telegärtner (Japan) M12 Switch Gold

    Auch wenn sich das hier vorgestellte Switch mit Gold im Namen schmückt und sein Preis vermuten lassen könnte, bei der Herstellung sei nicht wenig des Edelmetalls mit im Spiel gewesen, wurde es nicht für den exklusiven High-End-Markt entwickelt, sondern, wie der Importeur andeutete, für die japanische Eisenbahn. Es geht in diesem Artikel also um die klanglichen Auswirkungen eines Switch in einem kabelgebundenen Audio-Netzwerk. Schon mit Roland Dietls Artikel über das AQ-Switch hatten wir in dieser…
    19.02.2018
  • IsoTek Evo3 Genesis One

    Jeder Audiophile weiß, dass die Klangqualität seiner Kette nicht unwesentlich von der Sauberkeit der Energie abhängt, mit der sie betrieben wird. Leider sind die Ergebnisse von Tests nicht eins zu eins auf die heimische Kette übertragbar, dafür sind die Gegebenheiten regional zu unterschiedlich. Im breit gefächerten Angebot von IsoTek dürfte es aber für jedes Problem eine Lösung geben. Schließlich beschäftigt sich Keith Martin seit nun fast 20 Jahren mit Produkten zur Verbesserung der Stromversorgung von…
    30.10.2017
  • Aqvox LAN-Detoxer RJ45 Kappen

    Eigentlich wollte ich Ihnen die SE-Version der AQ-Switch-8 vorstellen, musste aber davon Abstand nehmen, da Susanne Candeias und Norman Lübke eine nochmals verbesserte Variante geschaffen hatten, die inzwischen auf dem Weg nach Gröbenzell ist. Den erstem SE begleiteten ein paar „Nubsis“, die im Aqvox-Shop in der Voodoo-Ecke zu finden sind. Um die geht es hier. Vor Produkten aus besagter Ecke im Aqvox-Angebot graut mir seit der Beschäftigung mit den USB-Detoxern nicht im geringsten: Die Abschlüsse…
    08.09.2017
     
  • Hijiri 'Takumi'

    Als ich mich vor etwa einem Jahr mit den Hijiri-'Nagomi'-Netzkabeln beschäftigte, musste ich den Rat des Herstellers, sie in einem mit Harmonix-Produkten getunten Raum zu verwenden, ignorieren. Dennoch hinterließen sie den allerbesten Eindruck. Da haben es die 'Takumi'-Kabel nun besser: Inzwischen ist Harmonix aus meinem Hörraum nicht mehr wegzudenken. Für alle, die den Bericht über die 'Nagomi' nicht gelesen haben, hier noch einmal kurz der Zusammenhang zwischen Harmonix und Hijiri: Beides sind Marken der Combak…
    07.08.2017
  • Sieveking Quantum Noise Resonator

    Der Quantum Noise Resonator gehört zu der Sorte von Geräten, die hitzige Diskussionen auslösen dürften, denn seine Wirkungsweise lässt sich mit der Schulphysik wohl nicht erklären. Ich sehe das vollkommen undogmatisch, schließe das Gerät an und höre – nichts! Ein Erfahrungsbericht mit einer Überraschung. Mit Jan Sieveking arbeite ich schon eine Weile zusammen. Wenn er über den Klang seiner Vertriebsprodukte wie etwa die feinen Lautsprecher von Verity, die schwergewichtige Vorstufe von AudiaFlight oder die Kabel…
    26.06.2017
  • BETONart-audio Silenzio

    Die Silenzio von BETONart-audio ist eine Geräte-Basis aus Gussbeton. So einfach, wie sie aussieht, ist sie nicht. In ihr steckt mehr. Auf den diesjährigen Norddeutschen Hifi-Tagen gefiel sie mir so gut, dass ein Testbericht verabredet wurde. Im Vorführraum von BETONart-audio in Hamburg war die Silenzio Basis nicht der einzige Star. Auch die dort spielenden Lautsprecher ließen aufhorchen. Boxen aus Beton sind die eigentliche Profession des Herstellers aus Leimen bei Heidelberg. Leimen dürfte den meisten von…
    09.06.2017