Sombetzki ESL Home

09.11.2015 // Bert Seidenstücker

Hier geht es um eine völlig neue Art von Schallwandlern, die das Beste von Kopfhörer- und Lautsprecherwiedergabe vereinen soll. Da ich Michael Sombetzkis Kreationen bei ihm und nicht bei mir zuhause gehört habe, wollte ich diesen Artikel erst mit Hörbericht überschreiben, aber dann wäre er in der Rubrik „Feuilleton“ gelandet. Da ist er unter den Tests besser aufgehoben.

Unzählige Stufen wuchteten wir Anfang der Neunziger Jahre die schwergewichtige Krone des schottischen Lautsprecherbaus nebst Elektronik in eine stylische Düsseldorfer Etagenwohnung. Akribisch und hochmotiviert wurde das Packgut in dem angedachten Hörraum positioniert, deutete doch der Interessent ernsthafte Kaufabsichten an. Das zwar übersichtliche, aber gehobene Interieur zerstreute zudem alle Zweifel an der potentiellen Zahlungsfähigkeit. Eine Stunde später war alles verkabelt, die Hörproben lagen bereit, das Gemetzel konnte beginnen. Unser hochwertiges Set-Up spielte in einem 80 Quadratmeter großen Raum mit altbautypischen hohen Decken. Möbel gab es so gut wie keine, ebenso fehlten Tapeten, Bilder, Vorhänge oder Regale an den Wänden. Einzig ein Flügel dominierte die Raummitte. In der Vorhölle konnten die akustischen Bedingungen nicht schlechter sein. Nach dem Abspielen von drei Musiktiteln endete die Demonstration folgerichtig abrupt, es tönte schlichtweg barbarisch. In diesem Umfeld Highendiges artgerecht zu etablieren, war damals ohne massive Korrektur der Räumlichkeiten unmöglich. Für uns junge ambitionierte Hifi-Händler eine nachhaltige Lektion in Sachen Raumakustik.

Dem ESL Home ist es egal wo er spielt, er braucht nur eine Steckdose und gute Zuspieler
Dem ESL Home ist es egal wo er spielt, er braucht nur eine Steckdose und gute Zuspieler

25 Jahre später eröffnen sich mit der zunehmenden Computerisierung unserer Musikanlagen neue Optionen, Systeme auch in solch widrigen Umgebungen ohne langwierige Diskussion über die optische Gestaltung der Spielstätte wohlklingend zu konstituieren. Digitale Signalprozessoren korrigieren Frequenzgänge, die Phasenlage wird angepasst, dem Nachhall wird in Grenzen Einhalt geboten. Ist das der ultimative Lösungsansatz? Verliert nicht der Charakterdarsteller, also ein exquisiter Schallwandler, so viel von seinen Charme, wegen dessen er ursprünglich ausgewählt wurde? Mutiert die wohlig klingende Verstärkerröhre womöglich auf diese Weise zu einem korrekten, aber sterilen Transistor? Wäre es nicht besser, einen Lautsprecher zu konstruieren, der praktisch unbeeindruckt von der Umgebung aufspielt, mit genau der Spielfreude, die ihm die vorgeschalteten Komponenten anbieten?

Die beiden Breitbandwandler sind circa 50 mal 30 Zentimeter groß, in der Tiefe messen sie zwei Zentimeter
Die beiden Breitbandwandler sind circa 50 mal 30 Zentimeter groß, in der Tiefe messen sie zwei Zentimeter

Nun, die gibt es schon seit vielen Jahren in unzähligen Varianten: Kopfhörer interessiert es nicht, in welchem Raum sie musizieren, ihr direkt abgestrahlter Schall überlagert jede Interaktion mit der Umgebung. Gänzlich unbeeinflusst von Raummoden gelingt den kleinen Schallquellen damit eine präzise hochaufgelöste Darbietung, die von klassischen Boxen praktisch nicht erreicht werden kann. Das ist die Habenseite. Ein Schallereignis so unmittelbar am Ohr lässt das Klangbild naturgemäß „im Kopf“ entstehen. Die Konzertbühne baut sich nicht vor dem Hörer auf, sondern er/sie wähnt sich mitten zwischen den Musikern auf dem Podium. Durchaus reizvoll aber realitätsfern. Daneben ist das Ausblenden aller Nebengeräusche mitunter ebenso unangenehm, wie die typischen „heißen Ohren“ nach einer längeren Hörsession.

Ein Mittelding zwischen Lautsprecher und Kopfhörer muss her, das die Stärken beider Prinzipien vereinigt, dachte sich ein cleverer Entwickler aus Südhessen. Wobei die Ausführung als Nahbereichs-Monitor Fundament des Vorhaben war. Echos, Raumresonanzen, indirekter Schall reflektiert von Wänden und Decken, all diese Misslichkeiten der Raumakustik, so das Kalkül, können bei dieser Art der Aufstellung das direkte Schallereignis seines ESL Home getauften Entwicklungsprojektes nicht beeinflussen, ganz so wie bei einem Kopfhörer.


  • BETONart-audio SYNO supreme

    Zurück in die Zukunft oder voran in die Steinzeit? Jörg Wähdel, der Chef und Gründer von BETONart-audio macht das Beste daraus und hat sich bei seinen Lautsprechersystemen für beide Wege entschieden. Die SYNO supreme gibt es erst seit September dieses Jahres, das Basismodell SYNO ist seit zwei Jahren auf dem Markt. In den achtziger Jahren gab es einen Werbeslogan für Beton: Es kommt darauf an, was man daraus macht. Das gilt auch heute noch. Wähdel…
    07.12.2018
  • AudioSolutions Figaro S

    AudioSolutions Flaggschiff, die „Jubiläums-Vantage“ zum fünfjährigen Firmenbestehen, ist in meinen Augen schon jetzt eine Ikone – leider für mich in naher Zukunft unbezahlbar. Glücklicherweise darf ich in diesem Test einen erschwinglichen Vorgeschmack mit dem Figaro S aus der neusten Serie der litauischen Lautsprecherschmiede erleben. Zur Abwechslung mal ein Lautsprecher, der sich auch ohne die Hilfe einer Spedition, von einem Haufen Freunde bei der Aufstellung und eines Bankkredits ins heimische Wohnzimmer schaffen lässt. Der Figaro S…
    26.11.2018
  • Bohne Audio BB-12

    Das größte Bohne Audio System BB18 begeisterte mich auf der High End, das zweitkleinste, die BB-10 habe ich bereits getestet. Genau in der Mitte der Bohne Audio Angebotspalette positioniert sich die BB-12. Das dürfte sie für viele High-Ender besonders interessant machen. Nachdem ich im Frühjahr eines der beiden Einstiegsmodelle von Jörg Bohne, dem Chef von Bohne Audio testen konnte, faszinierte mich auch sein Topmodell auf der diesjährigen High End. Von den unzähligen Sessions, die ich…
    13.11.2018
     
  • BLOCKAUDIO Shelf Block

    Recently, the new BLOCKAUDIO Shelf Block loudspeakers have been presented at the High End show in Munich. Not very surprisingly, that from there they found their way straight into my listening room. The High End in Munich had ended just a few hours before, and the BLOCKAUDIO team, Jiri Nemec and Daniel Oudes, brought their latest creation directly afterwards to my home. BLOCKAUDIO is known to our readers particularly because of their spectacular pre/power amp…
    24.08.2018
  • Q Acoustics Concept 500

    Meine erste Begegnung mit Q Acoustics fand auf der diesjährigen High End statt. Einige Wochen später hat der Concept 500, das zwei-Wege-Flaggschiff des britischen Herstellers, seinen Weg zu mir gefunden. Es gilt herauszufinden, ob der gute erste Eindruck, den diese Marke bei mir hinterlassen hat, bestehen bleibt. Der Concept 500 ist nicht einfach nur irgendein Lautsprecher, sondern durch und durch bis in das letzte Detail durchdacht und kompromisslos umgesetzt. So vereint er das geballte Wissen…
    06.08.2018
  • BLOCKAUDIO Shelf Block

    Vor kurzem wurden die neuen BLOCKAUDIO Shelf Block Lautsprecher noch auf der High End in München vorgestellt. Von dort fanden sie ihren Weg direkt in meinen Hörraum. Die High End in München endete erst wenige Stunden vorher und schon brachte das BLOCKAUDIO-Team, Jiri Nemec und Daniel Oudes, ihre neueste Schöpfung zu mir nach Hause. BLOCKAUDIO kennen unsere Leser bisher vor allem durch deren sensationelle Vor-Endstufenkombination, die Dirk Sommer im Vorjahr sicher zurecht als Verstärker-Entdeckung des…
    19.06.2018
 
 
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok Ablehnen