tests/17-09-05_cayin
 

Cayin CS-88A und CS-100CD

05.09.2017 // Carsten Bussler

Auch unter dem entfernten Bodenblech setzt sich der bis dato sehr gute Eindruck fort: Der Verstärker ist frei verdrahtet und nutzt bauteilabhängig lediglich wenige Hilfsplatinen. Die teildiskret aufgebaute Phonosektion mit ihren beiden Operationsverstärkern ist durch ein separates Blechgehäuse abgeschirmt und befindet sich so weit wie möglich entfernt vom streuenden Netzteil. Dank separatem Trafo-Abgriff verfügt sie über eine eigene Spannungsversorgung. Auch wenn die Phono-MM-Sektion ohne Röhren auskommen muss, wird erkennbar, dass hier ein hoher Aufwand betrieben wurde – man sollte sich also davor hüten, diese voreilig als Alibi-Feature abzutun.

Neben den Phono- und Line-Eingängen verfügt der Vollverstärker noch über einen direkten Endstufeneingang zum Betrieb mit einem separaten Vorverstärker. In dieser Betriebsart wird das Lautstärkepoti per Relais umgangen und die Eingangsempfindlichkeit fällt gegenüber den Line-Eingängen ab: Circa 1.000 Millivolt werden für Vollaussteuerung benötigt. Ein praxistauglicher Wert, den jede gute Vorstufe einerseits aus dem Ärmel schüttelt, dem Vorverstärker andererseits aber genügend Potispiel im unteren Regelbereich lässt, ohne dass es dem Hörer auf „9 Uhr“ gleich die Ohren wegbläst – auch wenn der Wirkungsgrad der verbandelten Lautsprecher hier natürlich ebenfalls ein gehöriges Wörtchen mitzureden hat.

Die Abdeckung nimmt dem CS-88A einen Großteil seiner Attraktivität, darf aber im Lieferumfang nicht fehlen
Die Abdeckung nimmt dem CS-88A einen Großteil seiner Attraktivität, darf aber im Lieferumfang nicht fehlen

Die Schaltung des CS-88A würde ich als „klassisch“ bezeichnen mit einer 6SL7 Doppeltriode als Eingangsstufe und einer 6SN7 Doppeltriode als Treiber für die KT88 Beam-Power-Tetrode. Letztere erblickte erstmals 1956 das Licht der Welt und wurde von der General Electric Company (G.E.C.) entwickelt. Ein solches gematchtes Quartett von G.E.C. in New Old Stock Qualität aufzuspüren dürfte sich meines Erachtens als fast hoffnungsloses respektive außerordentlich kostspieliges Unterfangen erweisen – mitgeliefert werden freilich mit Cayin-Logo versehene Nachbauten, von denen ich mutmaße, dass sie vom chinesischen Hersteller Shuguang stammen. Die KT88 kommt hier in Push-Pull-Anordnung zum Einsatz und ist mit ihrer Anodenverlustleistung von 42 Watt in dieser Schaltung für 48 Watt Ausgangsleistung im Ultralinearbetrieb beziehungsweise für 27 Watt Ausgangsleistung im Pseudo-Triodenbetrieb gut. Mithilfe der Fernbedienung lässt sich bequem zwischen beiden Betriebsarten wechseln. Ein sehr schönes Gimmick stellt die Möglichkeit dar, statt der KT88 auch eine EL34 in die Sockel stöpseln zu können. Auf der Geräterückseite müssen dazu lediglich ein entsprechender Schalter verschoben und die BIAS-Anpassung respektive die Anpassung der Gittervorspannung vorgenommen werden – dank der Wippschalter auf der Front, der gut zugänglichen Trimmpotis und dem BIAS-Anzeigeinstrument auf dem Chassis ein Kinderspiel. Lautsprecherseitig gibt es Übertragerabgriffe für vier und acht Ohm – hier hätte ich mir persönlich die Wahlmöglichkeit zwischen acht und 16 Ohm gewünscht, obwohl vier Ohm Impedanz natürlich „massenmarktaffiner“ sind als 16 Ohm.

Die Ausgangsübertrager besitzen Wicklungen für Lautsprecher mit einer Nennimpedanz von 4 und 8 Ohm
Die Ausgangsübertrager besitzen Wicklungen für Lautsprecher mit einer Nennimpedanz von 4 und 8 Ohm


  • Struss Audio DM250

    Den polnischen Verstärkerhersteller Struss hat Hifistatement Ihnen schon in den Messeberichten aus Warschau und den Süddeutschen Hifi-Tagen vorgestellt. Mein Kollege Wojciech Pacula beschäftigte sich vor mehr als einem Jahr intensiv mit dem Vollverstärker DM 250. Der ist nun auch bei ausgesuchten deutschen Händlern erhältlich. Hier der Test aus HighFidelity. Ich wollte, ja ich wollte diesen Text wirklich anders anfangen, um den Erinnerungen an den Test des Verstärkers Chopin MkVI von Struss Audio zu entkommen. Aber…
    20.09.2019
  • Mastersound Dueundici

    Die italienische Hersteller Mastersound ist bekannt für seine feinen Röhrengeräte, die über eine hohe Fertigungstiefe bis hin zu selbst gewickelten Trafos und Ausgangsübertragern verfügen. Für Fans von Kleinleistungsverstärkern wie mich ist daher der zweimal elf Watt leistende Röhrenvollverstärker Dueundici von besonderem Interesse. Zwar bin ich bereits häufiger zum Beispiel auf Messen oder bei Fachhändlern Geräten von Mastersound über den Weg gelaufen, allerdings hatte ich noch nie die Gelegenheit, mir eins dieser Geräte intensiver anzuhören. Beziehungsweise…
    20.08.2019
  • Cayin HA-300

    Der chinesische Hersteller präsentiert mit dem HA-300 ein als Kopfhörerverstärker ausgewiesenes Gerät mit der Triode 300B, bei dem es sich gleichzeitig um eine ausgewachsene Single-Ended-Endstufe mit separatem Röhrennetzteil handelt. Mir ist sofort klar: Dieses Teil muss zum Test zu mir! Wie so häufig im Leben kommt es auf den Standpunkt an. In Fall des Cayin HA-300 kam mir zunächst folgende Frage in den Sinn: Handelt es sich hierbei tatsächlich um einen Kopfhörerverstärker, der sich auch…
    25.10.2018
     
  • Crayon Audio CIA-1

    Als ich nach längerer Abstinenz vom Testerdasein mal wieder einen Anruf vom Chefredakteur bekam, ob ich nicht mal einen Crayon „machen“ möchte, habe ich spontan zugesagt. Den Verstärkerkreationen aus dem Steyrischen eilt ein sehr musikalischer Ruf voraus, und viele Nutzer äußern sich geradezu euphorisch über die zurückhaltend gestalteten Geräte. Auch der Kollege Kemper zeigte sich sehr angetan von dem CFA-1.2. So präsentiert sich auch der kleinste Vollverstärker mit der neckischen Bezeichnung CIA-1 – nein, ich…
    25.06.2018
  • Bohne Audio BB-10

    Wie man hört, stattete ein deutscher Milliardär seine Sommerresidenz in Italien mit einem großen, aktiven Bohne-Audio-System aus. Jetzt kam ich in den Genuss, für Hifistatement das brandneue, größere der beiden Einstiegsmodelle von Bohne Audio, die BB-10, zu testen. Jörg Bohne, den Chef von Bohne Audio, kann man in keine Schublade stecken. Dazu ist er einfach zu facettenreich und immer für eine Überraschung gut. Er sagt von sich selbst nicht ohne einen Ansatz von Ironie, dass…
    24.04.2018
  • Accustic Arts Power I MK 4 und Player I

    Nach langer Testabstinenz, ausgelöst durch berufliche Veränderung und Umzug, hatte ich das Vergnügen, in den letzten Wochen die Kombination aus dem Vollverstärker Power I MK 4 und dem CD-Spieler Player I von Accustic Arts zu testen. Sie haben richtig gelesen, auch wenn ich damit vorgreife: Es war ein Vergnügen! Aber jetzt erst einmal zu den technischen Details. Bei beiden Geräten fällt gleich nach dem Auspacken auf, dass sie zum einen ordentliches Gewicht aufweisen und zum…
    19.01.2018
 
 
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok Ablehnen