AcousticPlan Mantra

25.09.2017 // Jürgen Saille

Die Beurteilung des Klangs ist immer subjektiv, machen wir uns da nichts vor. Es gibt keine absolut richtige Wiedergabe und auch keinen Guru, der alles weiß. In diesem Zusammenhang fällt mir ein sehr interessantes Experiment unseres Kollegen Sommer bei einer seinen Aufnahmen ein. Hier wurde ein Konzert gleichzeitig mit drei verschiedenen Mikrofonen unterschiedlicher Bauart aufgenommen. Und jede Aufnahme klingt etwas anders, obwohl es sich um den gleichen Konzertmitschnitt mit demselben Aufnahme Equipment handelte. Was ist nun richtig? Für uns richtig ist eben das, was unseren persönlichen Klangvorstellungen am nächsten kommt. 

Mit diesem Trafo hat Jäckle wohl für alle Eventualitäten vorgesorgt
Mit diesem Trafo hat Jäckle wohl für alle Eventualitäten vorgesorgt

Ähm, wo war ich stehengeblieben? Ach ja, beim Klang des Mantra Verstärkers. Trotz Röhreneingangsstufe klingt Mantra nicht wie ein reiner Röhrenverstärker. Zumindest nicht so, wie ein Verstärker, der mit direkt geheizten Trioden aufgebaut ist. Es handelt sich also um keine 300B auf Steroiden. Hat wohl auch keiner erwartet. Es gibt natürlich auch Röhrengeräte, die im Klang so sehr den transistorisierten Kollegen ähneln, dass man sich fragt, warum man dann nicht gleich ein transistorisiertes Gerät kauft. Die Wiedergabe über den Mantra ist klar, detailliert aber nicht überanalytisch, was sonst schnell  dazu führen kann, dass die Hälfte der Musiksammlung nicht mehr anhörbar ist. Die harmonische Wiedergabe ist sicher ein Verdienst der E88CC. Gut zu hören ist dies beispielsweise bei alten Live-Aufnahmen mit der Woody Herman Bigband aus den 60er Jahren, die zeigen, dass Aufnahmetechnik seinerzeit nicht unbedingt zu den Stärken von Philips gehört hat. Der Hybrid zeigt uns ganz klar, wo die Schwächen der Aufnahme liegen, eigentlich überall! Trotzdem kann sich der Woody-Herman-Fan als solcher die Scheibe komplett anhören, ohne ständig auf das Manko der Aufnahmetechnik hingewiesen zu werden.

In Extremsituationen, und da meine ich in diesem Fall geringe Lautstärken, behält der Verstärker die Übersicht, alle Instrumente sind klar umrissen und positioniert, allerdings verliert die Musik manchmal etwas an Ausdruck. Das ist nun nichts Ungewöhnliches bei Verstärkern mit dieser Ausgangsleistung. Man hört dies in erster Linie bei kleinen Ensembles, die auf historischen Instrumenten spielen. Interessanterweise habe ich bei einer Scheibe mit Miles Davis eigentlich nichts vermisst. Sei markanter, sehr dunkel gefärbter Ton ist auch bei geringer Lautstärke sofort zu erkennen. Und auch die Intensität seiner Spielweise bleibt bei geringer Lautstärke erhalten. Die Fans von Röhrenverstärkern mit einstelligen Wattzahlen werden nun genüsslich auf die Geschichte von dem klangentscheidenden ersten Watt hinweisen. Ein Verstärker mit 100 Watt Ausgangsleistung spielt an meinen hochempfindlichen Lautsprechern bei geringen Lautstärken quasi im Leerlauf. Jetzt kommt natürlich wieder das Argument, wer will schon AC/DC bei 45 Dezibel Lautstärke hören? Stimmt auch wieder, aber ich schreibe ja, was mir so alles aufgefallen ist.

Der Verstärker wird nur handwarm, deshalb lassen sich die Kühlkörper ins Innere integrieren
Der Verstärker wird nur handwarm, deshalb lassen sich die Kühlkörper ins Innere integrieren


  • Dayens Menuetto

    Verstärker großer Hersteller wandeln sich immer mehr zu Mediencentern, die unterschiedlichste Formate bedienen können. Aus Serbien kommt der klassische Gegenentwurf als Bekenntnis zur analogen Technik. Dayens aus Serbien. Schon wieder eine Firma, von deren Existenz ich bis zum Erscheinen der Besprechung des Dayens Ecstasy III Custom 2 durch Wolfgang Kemper noch nie etwas gehört hatte. Der ehemalige Ostblock etabliert sich zunehmend als Gegenpol zu den Massenherstellern, die in China fertigen lassen und an sich nur…
    03.11.2017
  • Crayon Audio CFA-1.2

    Ein alter Bekannter? Für einige von uns ist sicherlich. Auf den Norddeutschen HiFi-Tagen brachte eine gelungene Präsentation des RB-Audiovertriebs mir die Elektronik von Crayon wieder nah. Der CFA-1.2 ist nicht der neueste Verstärker des Herstellers aus Österreich, macht aber richtig was her. Er ist sicher ein Blickfang, da er mit seinem auffälligen Gehäuse beim Betrachter gleich Fragen aufwirft. Bei genauerem Hinsehen sind es nur diese runden, massiven Aluminium-Teile auf dem Gehäuse des CFA 1.2, die…
    11.04.2017
  • Lyngdorf Audio TDAI-2170

    Brandneu ist der Verstärker Lyngdorf TDAI-2170 nicht. Zwei bedeutsame Merkmale unterscheiden ihn von vielen seiner Mitbewerbern: Er besitzt einen automatisch einmessenden Prozessor zur Optimierung des Klanges im Raum und durch neue Einschübe lässt er sich auch nachträglich erweitern und modernisieren. Diesen schlichten und eleganten, komplett digitalen Verstärker habe ich in seiner Vielseitigkeit unterschätzt. Der TDAI-270 bietet eine ungeheure Vielfalt von ungewöhnlichen Einstell-Möglichkeiten. Bei näherer Betrachtung der Bedienungsanleitung und im praktischen Umgang mit ihm lernte ich…
    27.02.2017
     
  • PS Audio BHK Signature 300 Amplifier

    Rechnet man die Einstiegsdroge Sprout hinzu, hat sich PS Audio im Laufe der letzten Jahre zum Elektronik-Vollsortimenter entwickelt: Von der Stromversorgung über digitale Quellen, eine Phonostufe und den erwähnten Vollverstärker bis zu Vor/Endstufen-Kombinationen reicht das attraktive Angebot – und mit letzteren wendet sich Paul McGovan erstmals auch an „Tube Roller“. Als „Tube Roller“ bezeichnet man übrigens Hifi- und Technik-Begeisterte, deren Hobby es ist, die serienmäßig in den Geräten eingesetzten Röhren gegen ähnliche, kompatible Modelle auszutauschen…
    29.08.2016
  • AcousticPlan DigiMaster, DriveMaster und PowerMaster

    Wenn Sie die Schwelle des HiFi-Händlers mir Ihrem neugekauften Digitalwandler überschritten haben, ist dieser bereits veraltet! Kennen Sie dieses Gefühl? Passiert Ihnen mit dem AcousticPlan DigiMaster garantiert nicht! Und mit dem DriveMaster sowieso nicht. Eine neue Gerätegeneration wird zwangsläufig immer dann entwickelt, wenn der bisher eingesetzte Wandler-Chip nicht mehr produziert wird und durch einen neuen, natürlich viel besseren ersetzt wird. Zumindest hoffen das alle. AcousticPlan setzt nun im DigiMaster den guten alten 24-Bit-1704K-Chip ein, den…
    22.04.2016
  • EINSTEIN - The PowerAmp

    Ein Verstärker wandelt ein schwaches elektrisches Signal am Eingang in ein stärkeres elektrisches Signal am Ausgang um. Bei einem idealen Verstärker entspricht hierbei das Ausgangssignal exakt dem Eingangssignal. Es dürfen keine Störungen hinzugefügt und es darf auch nichts weggelassen werden; also das berühmte Stückchen Draht mit Verstärkung. Die wesentlichen Qualitätskriterien für einen Endverstärker aus messtechnischer Sicht sind möglichst geringe Verzerrungen, eine hohe Bandbreite, ein möglichst geringer Innenwiderstand, möglichst geringes Rauschen und eine hohe Arbeitspunktstabilität der…
    21.03.2016