Dayens Menuetto

03.11.2017 // Matthias Jung

Entsprechend einfach der Anschluss der Quellgeräte und Lautsprecher. Als einzigen Luxus gibt es eine No-Name-Fernbedienung, mit der das blaue Alps-Potentiometer für die Lautstärke gesteuert werden kann, die Quellen müssen manuell umgeschaltet werden. Das Innenleben des Dayens Menuetto zeigt sich sehr aufgeräumt. Die Umschaltung der Quellen und die Lautstärkeregelung direkt auf der Platine mittels Gestänge erinnern an die alten Cyrus-Verstärker und versprechen extrem kurze Signalwege. Die gewählten Bauteile sind solide Qualität. Nicht mehr, aber eben auch nicht weniger. Der große Ringkerntrafo mit jeweils einem relativ großen Siebelko pro Kanal erlauben den zwei Pärchen Toshiba-Endtransistoren immerhin eine Stromentnahme, die für 2 x 50 Watt an 8 beziehungsweise 2 x 70 Watt an 4 Ohm reichen soll.

Die WBT-0703-Cu-nextgen™-Polklemmen sehen schick aus und sind hochwertig, haben aber keine Bohrung. Am besten nimmt man Kabelschuhe oder Bananenstecker zum Lautsprecheranschluss
Die WBT-0703-Cu-nextgen™-Polklemmen sehen schick aus und sind hochwertig, haben aber keine Bohrung. Am besten nimmt man Kabelschuhe oder Bananenstecker zum Lautsprecheranschluss

Und wie klingt unser kleiner Minimalist? Na ja, gerade hatte ich für mich beschlossen, dass wirklich neutrale Komponenten eben doch am ehesten in der Lage sind, Musik wirklichkeitsgetreu und damit spannend zu reproduzieren, da kommt diese schwarze Kiste mit Vehemenz dazwischen gesprungen und wirft alles wieder über den Haufen. Als erstes fällt die räumliche Abbildung auf, die sich nicht nur in die Tiefe zieht, sondern in der Breite über die Lautsprecherebene hinaus. In dieser Disziplin erinnert der Dayens eher an Röhrengeräte, mit denen er klanglich noch mehr gemein hat. Zufällig habe ich gerade mal wieder die erste Soloplatte von Brian Eno raus gekramt, die Before And After Science. Für den Wegbereiter des Ambient geht es hier regelrecht rockig zu. Auf „Energy Fools The Magician“ – übrigens mit Fred Frith, Percy Jones und Phil Collins – zwar ruhiger und langsam, dafür hochdynamisch mit sehr direktem Raum, tiefem präsenten Bass und bösartigen Drumkicks. Der Dayens stellt die Instrumente groß, fast greifbar plastisch den Raum, der jeweils einen halben Meter links und rechts neben den Lautsprechern endet. Die harten Anschläge von Fretless Bass, Gitarre, Keybord und Vibraphon sind sowohl in Grob- als auch Feindynamik absolut beeindruckend. Die prägnanten Beckenschläge kommen metallisch funkelnd mit viel Energie. Der Menuetto spielt dabei aber auch bei gehobener Lautstärke nicht ungebührlich nach vorne und verleitet dazu, richtig Gas zu geben. Erst bei den vier finalen brutalen Kicks auf der Bassdrum zieht der Dayens bei sehr hohen Lautstärken die Reißleine und tendiert etwas ins Trockene.

Erinnert an die alten Briten: Großer Trafo und kurze Leitungswege
Erinnert an die alten Briten: Großer Trafo und kurze Leitungswege

Besonders bei schmalen Besetzungen machen sich die außergewöhnlichen Abbildungsfähigkeiten bemerkbar. Zum Beispiel bei Gideon Kremers Einspielung Hommage a Piazzolla. Neben der Geige gibt es noch Bandoneon, Klavier und Bass. „Milonga En Re“ und „Oblivion“ könnten kaum eindringlicher und dynamisch dramatischer sein. Ein Schönfärber ist der Dayens übrigens bei aller Hingabe nicht. Noch ein Hochgenuss, wenn bei David Sylvians „When Poets Dreamed Of Angels“ von der Secrets Of The Beehive die Gitarren groß und differenziert im Raum stehen, davor die Stimme von Sylvian – minimal kühl vielleicht –, später dann der Rhythmus des Schlagwerks groß und auch mit Wucht mitten im Zimmer.


  • AcousticPlan Mantra

    Ui, ein neuer Manta, Opelfahrer sind völlig aus dem Häuschen! Aber halt, da ist ja noch ein „r“; da steht doch glatt Mantra. Druckfehler? Nö, doch nicht, wir sind beim Spezialisten für indische Mythologie in der HiFi-Szene gelandet, nämlich bei AcousticPlan. Für Nicht-Mantafahrer durchaus ein deutliches Upgrade! Was hat uns Claus Jäckle nun diesmal mit auf den Weg gegeben? Hier geht es um den Nachfolger des beliebten Hybridverstärkers Sitar. Mantra ist nun nicht die tiefergelegte…
    25.09.2017
  • Crayon Audio CFA-1.2

    Ein alter Bekannter? Für einige von uns ist sicherlich. Auf den Norddeutschen HiFi-Tagen brachte eine gelungene Präsentation des RB-Audiovertriebs mir die Elektronik von Crayon wieder nah. Der CFA-1.2 ist nicht der neueste Verstärker des Herstellers aus Österreich, macht aber richtig was her. Er ist sicher ein Blickfang, da er mit seinem auffälligen Gehäuse beim Betrachter gleich Fragen aufwirft. Bei genauerem Hinsehen sind es nur diese runden, massiven Aluminium-Teile auf dem Gehäuse des CFA 1.2, die…
    11.04.2017
  • Lyngdorf Audio TDAI-2170

    Brandneu ist der Verstärker Lyngdorf TDAI-2170 nicht. Zwei bedeutsame Merkmale unterscheiden ihn von vielen seiner Mitbewerbern: Er besitzt einen automatisch einmessenden Prozessor zur Optimierung des Klanges im Raum und durch neue Einschübe lässt er sich auch nachträglich erweitern und modernisieren. Diesen schlichten und eleganten, komplett digitalen Verstärker habe ich in seiner Vielseitigkeit unterschätzt. Der TDAI-270 bietet eine ungeheure Vielfalt von ungewöhnlichen Einstell-Möglichkeiten. Bei näherer Betrachtung der Bedienungsanleitung und im praktischen Umgang mit ihm lernte ich…
    27.02.2017
     
  • PS Audio BHK Signature 300 Amplifier

    Rechnet man die Einstiegsdroge Sprout hinzu, hat sich PS Audio im Laufe der letzten Jahre zum Elektronik-Vollsortimenter entwickelt: Von der Stromversorgung über digitale Quellen, eine Phonostufe und den erwähnten Vollverstärker bis zu Vor/Endstufen-Kombinationen reicht das attraktive Angebot – und mit letzteren wendet sich Paul McGovan erstmals auch an „Tube Roller“. Als „Tube Roller“ bezeichnet man übrigens Hifi- und Technik-Begeisterte, deren Hobby es ist, die serienmäßig in den Geräten eingesetzten Röhren gegen ähnliche, kompatible Modelle auszutauschen…
    29.08.2016
  • Dayens Ecstasy III Custom 2

    Ein kleines, etabliertes und weltweit erfolgreiches Familien-Unternehmen aus Serbien baut Verstärker, die ihren eigenen Stil haben. Heute würde man eigentlich einen derart ausgestatteten Vollverstärker, wie es der brandneue Dayens Ecstasy III Custom 2 ist, eher nicht erwarten. Zutreffend ist das für die Version, die uns vom deutschen Importeur zum Test gegeben wurde. Wenn ich richtig informiert bin, ist dies hier die erste Besprechung des Ecstasy III in der neuen Custom-Version überhaupt. Es gibt international bereits…
    29.07.2016
  • EINSTEIN - The PowerAmp

    Ein Verstärker wandelt ein schwaches elektrisches Signal am Eingang in ein stärkeres elektrisches Signal am Ausgang um. Bei einem idealen Verstärker entspricht hierbei das Ausgangssignal exakt dem Eingangssignal. Es dürfen keine Störungen hinzugefügt und es darf auch nichts weggelassen werden; also das berühmte Stückchen Draht mit Verstärkung. Die wesentlichen Qualitätskriterien für einen Endverstärker aus messtechnischer Sicht sind möglichst geringe Verzerrungen, eine hohe Bandbreite, ein möglichst geringer Innenwiderstand, möglichst geringes Rauschen und eine hohe Arbeitspunktstabilität der…
    21.03.2016