Dayens Menuetto

03.11.2017 // Matthias Jung

Modern aufgenommenem Soloklavier trotzt der Dayens noch Resonanz und Körper ab, wobei auch feine Abstufungen der Anschläge gewahrt bleiben. Manchmal verliert er dabei zwar die Ortung in der Mitte bei tiefen Tönen, enttechnisiert dafür auch noch so sterile Aufnahmen.

Das Gebotene macht einen erst mal etwas sprachlos und lässt Fragen nach Auflösung und Tonalität in den Hintergrund treten. Geht natürlich nicht, muss ich ja trotzdem machen. Deswegen erst mal zum Hochtonbereich. Sehr sauber, fein setzt der Menuetto die Glanzlichter obenrum gut aufgelöst, aber keinesfalls laut und analytisch. Im Bass herrscht pralle Fülle bei gleichzeitig gegebener Durchhörbarkeit. Am untersten Ende duckt er sich ein wenig weg. Warum auch nicht, zwischen den Extremen spielt die Musik.

Unterstreicht den musikalischen Anspruch und macht den Menuetto in Verbindung mit den Eingangsbuchsen zur Custom-Version: Ölgetränkte Mundorf MCaps Supreme SilberGold in der Eingangstufe
Unterstreicht den musikalischen Anspruch und macht den Menuetto in Verbindung mit den Eingangsbuchsen zur Custom-Version: Ölgetränkte Mundorf MCaps Supreme SilberGold in der Eingangstufe

Ob die räumliche Darstellung und der Zauber kleiner Besetzungen auch auf deftiges übertragen werden können, lässt sich nicht so leicht beantworten. Kommt drauf an. Mit Großorchestralem funktioniert das ganz prächtig. Anstrich und Körper der Streicher sind punktgenau realistisch und ganzheitlich. Bei Pizzicati sieht man quasi das Anzupfen der Saiten. Blechblasinstrumente haben viel Strahlkraft und Glanz, Hörner den ganz charakteristischen Druck, den der Dayens sehr imposant transportiert. Bei Chorwerken vermittelt der Dayens Menuetto sehr echt die Kraft der Stimmen und behält die Mitte zwischen Mündern und Körpern.

Obwohl der Dayens nicht als Detailfetischist durchgeht, fehlt nichts. Auch leise Melodiebögen im Hintergrund lassen sich ausgezeichnet verfolgen. Der Menuetto zeigt darüber hinaus ein ausgesprochenes Gespür für Zusammenhang und Timing, ohne dabei „schnell“ zu sein wie einige Vertreter von der Insel. Der „Fußwippfaktor“ ist trotzdem, oder vielleicht auch genau deswegen, sehr ausgeprägt.


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