Stenheim Alumine Five

18.12.2017 // Dirk Sommer

Glücklicherweise gehört es zum Konzept von Hifistatement, eine ganze Weile mit einen Testobjekt zu leben und es nicht nach ein paar Tagen oder gar Stunden abschließend zu beurteilen. Das setzt natürlich voraus, dass es auf einem so hohen Niveau agiert, dass man damit auch verlässlich arbeiten kann. Und das war bei der Stenheim überhaupt kein Problem: Regelmäßig nehme für die Stiftung Neuburger Barockkonzerte eine der vier Aufführung des jährlichen Festivals auf. Da die Aufzeichnungen für die Archiv-CDs der Stiftung gemacht werden, ist es nicht sinnvoll, sie live für die beiden Spuren eines Tonbandes zu mischen. Da ist es sicherer – und bequemer – sechs Signale in hoher Auflösung auf die Festplatte einer Nagra VI zu bannen. In diesem Jahr hatte ich die Gelegenheit, erstmals im Kongregationssaal aufzunehmen und zwar die großartige Sopranistin Julia Lezhneva mit dem Laute-Spieler Luca Pianca und dem Ensemble La Voce Strumentale unter der Leitung von Dmitry Sinkovsky, der auch als Violinist und Countertenor brillierte. Vielleicht ist es in meinen Texten ja schon deutlich geworden, ich bin nicht unbedingt ein Freund weiblichen Gesangs, sondern eher tieferen Frequenzbereichen zugetan. Aber die Stimme von Julian Lezhneva hat mich während des Konzertes nachhaltig beeindruckt. Beim Mischen der sechs Spuren auf zwei über die Stenheim empfand ich den Gesang niemals auch nur ansatzweise zu hell oder gar nervig. Auch das Ensemble kann man nicht gerade tieftonlastig nennen, und dennoch war es ein Vergnügen, das Material für die beiden CDs über die Alumine Five abzumischen. So viel zu meiner ersten spontanen Einschätzung, die Stenheim seien nicht gerade zurückhaltend im Hochtonbereich. Nein, ihre recht hohe Auflösung und tonale Stimmigkeit macht sie auch zu einem hochpräzisen Monitor.

Die Innenflächen und Verstrebungen sind großflächig mit Dämmmaterial beklebt
Die Innenflächen und Verstrebungen sind großflächig mit Dämmmaterial beklebt

Nach diesen positiven Erfahrungen habe ich mich auch bei der Beurteilung des IsoTek Evo3 Genesis One auf die Alumine verlassen: Sie zeigte unter anderem auch sehr präzise auf, wie der Netzgenerator die räumliche Abbildung verbesserte, ja vor allem wie sich dank seiner die imaginäre Bühne weiter in die Tiefe ausdehnte. Oder anders ausgedrückt: Die Stenheim gibt überaus verlässliche Informationen über den Aufnahmeraum, auch wenn er absolut betrachtet nicht ganz so tief reich wie bei der Kawero!, die in dieser ihrer Paradedisziplin auch mehr zu bieten hat, als alle anderen Lautsprecher in meinem Hörraum jemals zuvor. Genauso eindeutig ist für mich auch ohne nochmaligen Vergleich der beiden Schallwandler, dass die Stenheim dynamisch noch ein wenig beherzter zur Sache geht und mit ihren beiden Zehnzöllern angenehm viel Druck erzeugt: Der Bass ist im Raum auch spürbar, ohne jemals zu viel des Guten zu sein.

Die Gehäusewände und die Verstrebungen der Five sind vielfach verschraubt
Die Gehäusewände und die Verstrebungen der Five sind vielfach verschraubt

Jonas Hellborgs „It's The Pits, Slight Return“ von der LP Elegant Punk wird zur reinen Freude, da die Alumine Five die schnelle Folge von Bass-Impulsen druckvoll, ungemein lebendig und dennoch kontrolliert in den Raum schleudert. Dass ihr selbst in den allertiefsten Lagen weder die Puste ausgeht, noch die Präzision abhanden kommt, beweist eindrücklich Victor Bootens E-Bass-Solo auf dem Titelstück von Béla Flecks Flight Of The Cosmic Hippo. Vielleicht sollte ich langsam mal aufhören, so haltlos von der Basswiedergabe der Stenheim zu schwärmen, sonst könnte das Missverständnis aufkommen, die besonderen dynamischen Fähigkeiten der Five beschränkten sich auf diesen Teil des Frequenzspektrums. Dass dem nicht so ist, wissen zumindest die Leser des Berichts über den IsoTek: Bei Keith Jarretts Köln Concert faszinierte mich die ungemein differenzierte Dynamik der Anschläge – und zwar in allen Oktaven. Die Aufzählung der besondern Klangeindrücke, die die Stenheim vermittelte, könnte ich noch eine ganze Weile fortsetzen, da ich – wie gesagt – das Vergnügen hatte, mich einige Wochen mit ihr zu beschäftigen. Aber wie alles hat auch das seine Schattenseiten: Ich befürchte, ich habe mich an diese Schnelligkeit und Spielfreude schon so gewöhnt, dass ich sie künftig bei anderen Schallwandlern vermissen werde.


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