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Cayin N8

03.09.2019 // Jürgen Saile

Das Gerät ist rein als Musikplayer konzipiert, ohne den manchmal üblichen Schnickschnack, wie Taschenrechner, Kalender oder Weltzeituhr. Telefonieren geht auch nicht. Man merkt dies deutlich an der Bedienoberfläche, die mit einfachen Symbolen nur die nötigen Funktionen bereithält. Hier gibt es natürlich schnuckeligere zum Ansehen. Das einzige, was mich ein bisschen stört, ist die Tatsache, dass es lediglich eine Listendarstellung der Alben gibt. Die wird dann bei ausgedehnten Dateien zum Bandwurm. Die Titel sind alphabetisch geordnet und es existiert eine Scroll-Einstellung mit der man zu einzelnen Buchstaben scrollen kann. Wenn man den Dreh einmal 'raus hat. Das Betriebssystem basiert übrigens nicht auf Android, sondern ist eine eigene Entwicklung in Zusammenarbeit mit dem chinesischen Hersteller Hiby. Damit lässt sich der Cayin auch problemlos an Apple Geräte anschließen. Das Ganze geschieht nun nicht aus Mitleid für die Firma Apple, sondern damit umgeht Cayin die Android-eigene Samplerate-Konvertierung und gewährleistet damit ein bit-genaues Signal. Im Inneren des Gerätes werkeln zwei AKM AK 4497EQ Wandler des japanischen Herstellers Asahi Kasai, mit denen alle gängigen Formate verarbeitet werden können, DSD allerdings nur bis DSD256. Bei einem portablen Gerät halte ich das aber für kein Manko. Mittlerweile gibt es mit dem AK4499 zwar einen neueren Chip, was aber nicht zwangsläufig bedeutet, dass damit die Wiedergabe dann noch besser wird. Der N8 stellt 128 Gigabyte internen Speicher zur Verfügung, kann aber mit Hilfe einer Micro-SD-Karte um 512 Gigabyte erweitert werden. Zudem lässt sich mit einem On-The-Go-Kabel – wie das neumodisch heißt – auch ein externer Speicher anschließen.

Eine schicke Lederhülle gehört zum Lieferumfang
Eine schicke Lederhülle gehört zum Lieferumfang

Cayin ist einer der ersten Hersteller, der die neue Korg NU Tube 6P1 Doppel-Triode einsetzt. Das japanische Unternehmen Korg kann ebenfalls immer wieder mit frischen bis schrägen Ideen aufwarten. Hierbei handelt es sich nun nicht um eine Elektronenröhre im Miniformat, sondern Korg greift dabei auf die von Noritake Itron entwickelte Vakuum Fluoreszenz Display Technologie zurück. Zwar werden hier, wie bei einer normalen Elektronenröhre, die Elektronen von einer direkt beheizten Kathode über ein Gitter zur Anode befördert, das Ganze ähnelt aber mehr einer LED. Mit dieser Konstruktion reduziert die 6P1 den Stromverbrauch auf etwa zwei Prozent einer herkömmlichen Röhre. Damit ist der Einsatz in batteriebetriebenen Geräten überhaupt erst möglich geworden. Zudem hat die Röhre mit 30.000 Stunden wesentlich höhere Standzeiten als eine herkömmliche Triode. Wenn man sich das Teil nun einmal anschaut, erinnert wirklich gar nichts mehr an die gute alte Glas-Triode. Das Ganze sieht eher aus wie ein Teil aus einem Klingonen-Raumschiff. Die 6P1 gilt als sehr mikrophonieempfindlich. Deshalb hat Cayin großen Aufwand getrieben, die Röhre schwingungsarm zu lagern.

In der Schaltung des N8 wird die 6P1 nun nicht als Ausgangsverstärker eingesetzt, sondern übernimmt die erste Verstärkungsstufe nach dem Wandler. An dieser Stelle wird auch zwischen Transistor- und Röhrenbetrieb umgeschaltet. Somit ist klar, dass es sich auch bei der Einstellung „Tube“ immer um eine Hybridverstärkung handelt. Böse Zungen werden jetzt natürlich gleich behaupten, dass es sich in diesem Fall nur um einen K2-Generator handelt. Sollen sie. Die Röhrenverstärkung funktioniert nur im unsymmetrischen Modus, eine zweite 6P1 konnte aus Platzgründen nicht mehr eingebaut werden. Zudem hätte die Akkukapazität erweitert werden müssen, was das Gerät dann zur echten Nahkampfwaffe gemacht hätte. Wie in der Röhrentechnologie üblich, benötigt auch die NuTube eine gewisse Warmlaufzeit, was bedeutet, dass man nach dem Umschalten vom Transistorbetrieb etwa fünf Sekunden warten muss. Wobei man im Display erst einmal suchen muss, wo diese Umschaltmöglichkeit überhaupt versteckt ist. Ein weiteres interessantes Feature bietet der N8 mit dem High2-Modus. Eigentlich gedacht für den Anschluss von hochohmigen Kopfhörern, die für den Betrieb einfach mehr Power benötigen. Hier kann durch Umschalten der Betriebsspannung die Ausgangsleistung nahezu verdoppelt werden. So liefert der N8 an einem 300-Ohm-Kopfhörer noch 200 Milliwatt im symmetrischen Betrieb, was ein beeindruckender Wert für ein tragbares Gerät ist.

Neben den symmetrischen und unsymmetrischen Kopfhöreranschlüssen existiert noch ein 3,5-Millimeter-Klinke-Line-Ausgang
Neben den symmetrischen und unsymmetrischen Kopfhöreranschlüssen existiert noch ein 3,5-Millimeter-Klinke-Line-Ausgang


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