tests/19-12-06_lab12
 

LAB 12 Melto2

06.12.2019 // Dirk Sommer

Da fällt mir ein weiterer Abtaster ein, der ebenfalls seine Wurzeln im Rundfunkstudio hat und den ich schon lange nicht mehr gehört habe, das Ortofon SPU. Allerdings gibt es einen triftigen Grund dafür, dass der passende Arm, Ortofons 309, beinahe seit Ewigkeiten nicht mehr auf dem LaGrange aufgebaut war: Er lässt sich dort nicht ohne weiteres montieren und benötigt eine spezielle, dreiteilige, exzentrische Basis, die mir AMG fertigte. Später bekam ich dann eine weitere Top-Platte für diese Basis zur Installation von Einsteins The Tonarm. Dessen Zwölf-Zoll-Variante verlangt nämlich ebenfalls einen so großen Montageabstand, wie er mit einer normalen LaGrange-Basis nicht zu realisieren ist. Als sich dann nach längerer Schrauberei die Nadel eines SPU Royal in die Rille senkt und ein paar Runden absolviert hat, steht fest, dass sich der Aufwand gelohnt hat: Milt Buckners Trio kommt von der hervorragend klingenden I Gigianty Del Jazz-Billig-Pressung mit so viel Energie und Drive, dass es unmöglich ist, bei dieser Scheibe unbeteiligt zu bleiben. Ich kann mich nicht erinnern, jemals eine so fette Bass-Drum über die Göbel Epoque Aeon Fine gehört zu haben. Der Melto bringt in High-Gain-Stellung und mit einer Last von 25 Ohm die wohlbekannten Vorzüge des SPU sehr eindrucksvoll rüber. Beim SPU geht es weder um das letzte Quäntchen Luft, noch um feingeistige audiophile Details. Dafür bringt es einen ungemein nah an die Musik, hier hat die Wiedergabe – selbst bei Studioaufnahmen – einen starken Live-Charakter. Aber über die Schwärmerei vom Royal sollte ich nicht vergessen, dass der Melto an diesem großartigen Erlebnis ebenso stark beteiligt ist.

Die 6n2p ist eine Doppeltriode
Die 6n2p ist eine Doppeltriode

Der Wechsel zum SPU ermöglich es mir auch, kurz den MM-Eingang des LAB 12 auszuprobieren, denn für das MC-System habe ich den passenden Übertrager in meinem Fundus, den Ortofon SPU T-100. Der stand vor knapp 20 Jahren mit 4600 DM in der Preisliste. Wenn es ihn heute noch gäbe, wäre also mindestens derselbe Betrag in Euro dafür fällig. Zudem ist er ja anders als die Lundahl-Übertrager im Melto speziell auf das SPU abgestimmt. Ich kann mich erinnern, dass ich schon beim Test des T-100 ganz entgegen meiner sonstigen Vorlieben die SPU-System/Übertrager-Kombination meiner übertragerlosen MC-Vorstufe vorgezogen habe. Da verwundert es nicht, dass der T-100 auch in Kombination mit dem MM-Eingang des Melto beim Concierto Andaluz in der Interpretation der Los Romeros und der Acadamy Of St. Martin-In-The-Fields unter Neville Marriner für eine etwas größere Bühne und etwas mehr Durchzeichnung sorgt als die bordeigenen Übertrager des Melto. Dessen MM-Stufe ist problemlos in der Lage, die Unterschiede zwischen den Übertragern deutlich zu machen. Gut so.

Nach leichten Verzögerungen zieht der LAB 12 nun aber wirklich in die Kette im Wohnzimmer um, in ein preislich passenderes Umfeld also. Aber es war – wie ich finde – sehr aufschlussreich, ihn in einer sehr hochauflösenden Anlage mit einem extrem teuren Tonabnehmer wie dem Tamino oder dem Rein-Silber-Übertrager T-100 zu hören: Er kann sich auch hier problemlos beweisen. Im Wohnzimmer nimmt der Melto dann über das Swiss Cable Reference Kontakt mit der Vorstufe auf. Für das Lyra Titan i lasse ich die Einstellungen des Eingangs Numero 1 des LAB 12 erst einmal, wie sie sind: High Gain bei 25 Ohm. Und wenn mich meine Erinnerung nicht täuscht, habe ich über diese Kette „Malinye“ vom Album Codona 2 nie so offen und lebendig gehört. Die Klangfarben der wohlbekannten und exotischen Instrumente strahlen nur so um die Wette. Und die Tiefe der imaginären Bühne erreicht beinahe die, die ich aus dem Arbeitszimmer kenne.

Die Signale aus bewegten Spulen werden mit der Primärwicklung des Lundahl-Eingangsübertragers verbunden
Die Signale aus bewegten Spulen werden mit der Primärwicklung des Lundahl-Eingangsübertragers verbunden


  • Linear Tube Audio Century

    Century heißen die Röhren-Mono-Endverstärker von Linear Tube Audio, die ohne Ausgangsübertrager auskommen und sich dennoch grundlegend von anderen OTL-Konzepten unterscheiden. Wir haben uns intensiv damit beschäftigt, was die patentierte ZOTL-Technologie des Entwicklers so besonders macht und wie sie sich klanglich auswirkt. Für diesen Test haben Dirk Sommer und ich uns eine Arbeitsteilung vorgenommen, bei der ich (Carsten Bussler) mich auf die Technik der Century-Monos sowie die Hintergründe zu Linear Tube Audio und die Zusammenarbeit mit…
    29.09.2026
  • Final Tonalite

    Finals Tonalite ist nicht nur ein neuer In-Ear, sondern macht gleichzeitig Finals Timbreanpassung jedem Nutzer mittels einer App zugänglich. Seit der noch etwas kryptischen Ankündigung dieser Technologie auf der High End 2022 habe ich Ihnen über den Entwicklungsprozess berichtet. Das fertige Produkt halte ich persönlich für einen Meilenstein. Tonalite ist eine grundlegende Neuentwicklung mit neuem Formfaktor und neuer Technik. Die Tonalite In-Ears verfügen über eine eher ovale Form, in der die gesamte Elektronik untergebracht ist.…
    25.09.2026
  • Ortofon MC Vertex

    Die bisherigen Topmodelle von Ortofon, das Anna, das Anna Diamond und das Diamond, ähnelten einander auch optisch stark. Das Vertex macht schon durch sein Erscheinungsbild klar, dass es anders ist. Es ist der erste Tonabnehmer mit einem Diamanten mit Vertex-Schliff. Soweit mir bekannt, ist das der erste neue Nadelschliff seit rund 40 Jahren. Aber das ist nicht die einzige Veränderung gegenüber dem MC Diamond: Der Generator des Vertex besitzt einen deutlich höheren Innenwiderstand, die Nadelnachgiebigkeit…
    15.09.2026
  • Phonar Veritas M4.2 SE

    Es hat mir bislang stets Vergnügen bereitet, mich mit Phonar Lautsprechern zu beschäftigen. Nach einem Test kaufte ich die Veritas 9.2 SE und genieße seitdem ihre Musikalität. Phonar überzeugte immer wieder mit einem außergewöhnlich attraktiven Preis-Klang-Verhältnis. Bestätigt die neue, kompakte Phonar Veritas M4.2 SE diese Erfahrungen? Mein eindrucksvollstes Phonar-Erlebnis hatte ich vor zwei Jahren mit der Standbox Veritas p4.2 Next, die aktuell für einen Paarpreis von 2400 Euro auf der Phonar-Website zu sehen ist. Genau…
    08.09.2026
  • Ayon Iris Signature Streamer

    Auf der High End Vienna haben Dirk Sommer und ich den Ayon Iris erstmals entdeckt – nun steht der außergewöhnliche Streaming-Player bei uns bereits zum Test. So frisch ist der Iris, dass selbst die Roon-Zertifizierung zum Testzeitpunkt noch läuft. Brandneu, doch der Iris kommt keineswegs aus dem Nichts: Wer die Entwicklung der digitalen Ayon-Komponenten verfolgt hat, erkennt eine kontinuierliche Beschäftigung mit dem Thema Streaming. Auch wir konnten diesen Weg begleiten – nach dem S3 und…
    01.09.2026
  • Sumiko Starling

    Mein letzter Test eines Tonabnehmersystems befasste sich mit dem Sumiko Oriole. Nun drehen sich für diesen Test meine Schallplatten unter dem Sumiko Starling, dem teuersten System aus der Sumiko Referenz Serie. Nachdem ich überaus positiv überrascht vom Test des Oriole war und dies Peter Laitenberger vom deutschen ATR Vertrieb mitteilte, empfahl mir dieser mir doch einmal das Sumiko Starling anzuhören. Gesagt, getan und bereits wenige Tage später kam das kleine Päckchen mit dem Starling zu…
    28.08.2026

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.