tests/20-08-25_audionote
 

Audio Note Vindicator Silver und M2 Phono

25.08.2020 // Carsten Bussler

Jetzt kommt der Teil des Berichts, vor dem ich mich gerne drücken würde: der Hörtest. Am liebsten würde ich einfach immer eine abgestufte Empfehlung aussprechen, ob und für wen sich ein eigener Hörtest lohnt. Schließlich wird nur ein verschwindend geringer Prozentanteil der Leser meine Musikauswahl teilen und nachvollziehen können. Aber ich weiß, damit komme ich weder bei Ihnen noch beim Chefredakteur durch. Also los!

Die Audio-Note-Kombi lädt zum Neuentdecken der eigenen Plattensammlung ein und ich habe mal wieder einen der für mich besten Bluesrock-Songs aller Zeiten ausgebuddelt: „Ride on“ von AC/DC (Dirty Deeds Done Dirt Cheap, Atlantic Records, 1976). Wenn du ein und denselben Song so wie ich sieben- oder achtmal am Stück hintereinander hörst – nein, genießt! –, kann der Verstärker schon mal soviel nicht falsch machen. Mit welch unglaublicher Lässigkeit und gleichzeitig eindringlicher Wehmut Bon Scott hier singt, das habe ich zuvor wohl so bewusst noch nie gehört. Ein großartiger Sänger, der auf etwas obskure Art im Alter von nur 33 Jahren gestorben ist, als wolle er alle Klischees typischer Rockstars erfüllen. Ein Jammer jedenfalls nicht nur für ihn persönlich, sondern für alle Rockfans, wenn man sich vor Augen führt, wie viele großartige Songs der Musik- und Fanwelt dadurch vorenthalten wurden. Nichts gegen Brian Johnson, aber Scotts Leichtigkeit hat dieser einfach nie erreicht. Das sind alles Gedanken, die mir beim Hören von „Ride on“ kommen.

Unter dem Bodendeckel offenbart sich der blitzsaubere elektrische Aufbau der Audio Note Vindicator
Unter dem Bodendeckel offenbart sich der blitzsaubere elektrische Aufbau der Audio Note Vindicator

Drums und Gitarrenakkorde sind ungemein kraftvoll und energiegeladen und alle Töne schwingen in einem großen Raum richtig schön lange aus. In solchen Instrumental-Passagen wird der bereits zuvor erwähnte „Audio Note Punch“ besonders deutlich: Einzelne Töne – auch Obertöne von Gitarrenakkorden – sind so präsent, als hätten sie eine Extraportion Energie mit auf dem Weg in mein Ohr bekommen, große Trommeln klingen dunkel, substanziell, wuchtig und dennoch präzise und schnell. Die Audio Notes vereinen hier eher im Gegensatz zueinander stehende Eigenschaften: Schnelligkeit und hohes Auflösungsvermögen werden mit Druck und Wärme kombiniert. Das können nur ganz wenige Audiokomponenten in dieser Form und ich glaube, diese Eigenschaften gehen im Wesentlichen auf das Konto der exzellenten Röhrennetzteile sowie der außergewöhnlich guten Ausgangsübertrager der Vindicator.

Drummer Phil Rudd spielt in diesem Stück übrigens in einem der für ihn seltenen Fälle ein kleines Ride-Becken, das meiner Erinnerung nach über die meisten Musikanlagen eher silbrig-stumpf und trocken-matt klingt. Über die Audio Note Verstärker erscheinen die Patterns eher in goldfarbenen, warmen und glänzenden Klangfarben, fast schon in Richtung Rotgold driftend. Herrlich!


  • Wilson Benesch Prime Meridian System

    Der erste, recht lange Artikel über Wilson Beneschs Prime Meridian System beschäftigte sich nur mit der Laufwerkseinheit, bestehend aus OMEGA Drive, ALPHA Drive, dem FrACTal Dämpfungssystem, in dem Motor und Tonarm montiert sind, und dem R1 Rack. Nun geht es neben der Vorstellung des Tonarms und des Abtasters endlich um den Klang des Plattenspielers. Dass der Plattenteller des Prime Meridian Systems von einem Motor mit dem anderthalbfachen Durchmesser einer Langspielplatte und damit vom größten Antrieb,…
    04.03.2026
  • Wilson Benesch Prime Meridian System – eine Annäherung

    Den ersten Plattenspieler von Wilson Benesch beschrieb ich 1996, den zweiten zwei Jahre später. Da sollte es kein großes Ding sein, auch den dritten für einen Test zu bekommen. Dachte ich. War es dann aber doch – aus mehreren Gründen: Er ist ein wirklich großes Ding, wiegt über 350 Kilogramm, und das dazugehörige White Paper umfasst 138 Seiten. Dass das Prime Meridian System, wenn ich mich richtig erinnere, das bisher teuerste Testobjekt in der Geschichte…
    24.02.2026
  • Takumi TT level 2.1DC

    Der Niederländer Rik Stoet, bekannt durch Röhrenverstärker, die unter den Markennamen Heart und Stoet Kit vertrieben wurden, hat eine neue Leidenschaft für sich entdeckt: Die Entwicklung und Herstellung von Plattenspielern. Als mir der Takumi TT level 2.1DC Plattenspieler zum Test angeboten wurde war mein erster Gedanke: Endlich wieder Vinyl, endlich wieder analog. Nicht, dass mir das Testen von digitalen Audiokomponenten zu irgendeiner Zeit langweilig geworden wäre, aber das analoge Hören, der Umgang mit den Schallplatten,…
    17.02.2026
  • Gold Note HP-10 deluxe und PSU-10 Evo

    Der Gold Note HP-10 deluxe Kopfhörer-Verstärker spricht auf den ersten Blick eher den anspruchsvollen Nutzer an. Er bietet vielfältige Möglichkeiten, die in dieser Kombination wohl einzigartig sind. Anders als moderne Alternativen aus Fernost setzt Gold Note auf hochkarätige Analog-Technik. Nutzt der Bedienungskomfort auch der Klangqualität? Die Typenbezeichnung deluxe täuscht. Denn die zwei weiteren, preisgünstigeren Alternativen, der Gold Note HP-10 BT oder der HP-10 ohne jeglichen Zusatz, sind keineswegs weniger luxuriös. Ihnen fehlt nur etwas Ausstattung,…
    10.02.2026
  • Alluxity Int One mkII

    Die Marke Alluxity war mir bisher fremd. Kann passieren. Das änderte sich schlagartig, als der dänische Vollverstärker Int One mkII in meinem Hörraum landete und ich mich ausgiebig mit ihm beschäftigen durfte. Achtung, Spoiler: Man sollte sich die Marke merken. Ich gebe es zu: Ich bin ein Dänemark-Fan. In jungen Jahren habe ich dort regelmäßig zwischen den Dünen am Strand geurlaubt und später dann einige wunderbare Jahreswechsel in gemütlichen Holzhäusern erlebt. Zudem ist mir der…
    27.01.2026
  • Rega Mercury / Solis

    Hifistatement hatte die Möglichkeit, Regas brandneue, im November 2025 erschienene Vor-/Endstufenkombination Mercury/Solis umfassend zu testen. Die Vorstufe hat einen hochwertigen DAC an Bord, die Endstufe liefert circa 300 Watt Ausgangsleistung an vier Ohm Impedanz. Mit diesen Boliden liefert Rega sein Verstärkerstatement! Der Name Rega löst bei mir unmittelbar diverse positive Assoziationen hervor, bislang zugegeben allesamt in der rein analogen Welt der Plattenspieler und Tonabnehmer verortet. So besaß ich unter anderen bereits einen Planar 1 oder…
    20.01.2026

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.