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Velodyne Digital Drive Plus 10 – eine Annäherung

12.03.2021 // Dirk Sommer

So viel Aufhebens um nicht einmal 20 zusätzliche Hertz? Ja und abermals Ja! Bei dieser moderaten Einstellung darf niemand mehr Druck im Tieftonbereich erwarten. An dem fehlt es der Göbel ja auch wirklich nicht. Die letzten paar Hertz, die von so gut wie keinem Instrument mehr wiedergegeben werden, sorgen nicht nur für eine weiter ausgedehnte Raumillusion. Diese wirkt jetzt natürlicher und selbstverständlicher. Das scheint mir noch halbwegs schlüssig mit diesem beliebten Beispiel erklärbar zu sein: Auch mit verbundenen Augen hat man sofort einen Eindruck von der Größe eines Raumes, in den man kommt. Wenn man eine Kirche betritt, erschließt sich Größe des Raum durch das etwa durch das Schließen einer Tür angeregte minimal resonierende gewaltige Luftvolumen. Dabei ist es völlig egal, ob wir die Schwingungen mit dem Körper oder dem Gehör wahrnehmen. Dem lässt sich auch nicht mit dem Argument begegnen, dass sich in einem Hörraum mit moderaten Abmessung die einer sehr tiefen Frequenz entsprechende lange Welle gar nicht vollständig aufbauen kann. Wir reagieren auch auf die Druckveränderungen – selbst bei bewusst kaum wahrnehmbarem Pegel.

Viel schwerer – wenn überhaupt – sind für mich die akustischen Effekte zu erklären, die die minimale Ausdehnung des Frequenzgangs nach unten in anderen Frequenzbereichen bewirkt: Transienten wirken noch realistischer, die Abbildung von Instrumenten und Stimmen erscheint klarer und präziser umrissen. Zudem kommt mir das gesamte Klangbild dank der beiden Velodynes in sich geschlossener, einen Hauch geschmeidiger und natürlicher vor – ein Begriff, den ich in Klangbeschreibungen nur ungern verwende. Aber hier komme ich einfach nicht darum herum.

Bisher habe ich immer beide Velodynes benutzt, je einen pro Stereokanal. Jetzt, wo so langsam die Erkenntnis reift, dass ich in Zukunft auf Subwoofer nicht mehr verzichten möchte, stellt sich natürlich die Frage, ob man wirklich in zwei Exemplare investieren muss – zumal mein Raum ja nicht gerade der größte ist. Also schließe ich das XLR-Kabel, das bisher mit dem linken DD+ 10 verbunden war, auch an den rechten an und erhöhe hier den Pegel. Auch ein Velodyne ermöglicht schon ein intensiveres Musikerlebnis als die Aeon Fine allein. Dennoch kommt kein Zweifel daran auf, dass zwei für eine räumlich noch glaubwürdigere Darstellung sorgen – auch wenn nach aller Theorie die Frequenzen, die der oder die DD+ 10 abstrahlen nicht mehr ortbar sein sollen. Ob es an der gleichmäßigeren Anregung der Raumes liegt? Egal, weiter geht’s zwei DD+ 10.

Die Membran des massiven Basstreibers besteht aus einem Laminat aus Fiberglas und Rohacell
Die Membran des massiven Basstreibers besteht aus einem Laminat aus Fiberglas und Rohacell

Anfangs hatte ich nur Files vom Melco oder von Qobuz über die mit den Velodynes noch faszinierender spielende Kette gehört. Bei zusätzlicher sehr tieffrequenter Bassenergie im Hörraum besteht ja die Gefahr, dass sich eine nicht ideal abgestimmte Tonarm/Tonabnehmer-Kombination zur einer Rückkopplung aufschwingt. Ich habe dann sehr vorsichtig den Thiele TA01 in Verbindung mit einen Lyra Etna ausprobiert. Dabei habe ich gar nicht erst mit sehr geringen Pegeln angefangen. Die Vorsichtsmaßnahme war viel mehr der Daumen auf der Mute-Taste des Audio Exklusiv R7. So hätte sich eine akustische Katastrophe durch die schnelle Stummschaltung der Vorstufe einfach verhindern lassen. Aber meine Bedenken erwiesen sich als unbegründet. Die Aufstellung des LaGrange auf dem Artesania-Audio-Rack und die Arm/System-Kombination erwiesen sich als immun gegen tieffrequente Anregungen. So langsam konnte ich auch bei der Schallplattenwiedergabe beginnen, den Zugewinn an Raumgröße, Durchzeichnung und Intensität bei Impulsen dank der Velodynes zu genießen. Noch blieb die Fernbedienung aber immer in Reichweite.


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