tests/22-07-19_raidho
 
Test.
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Raidho X1t Super Mini Monitor

19.07.2022 // Roland Dietl

Die herausragende Eigenschaft der X1t ist für mich die außerordentlich hohe Sprachverständlichkeit menschlicher Stimmen, die eine besondere Verbindung mit dem Zuhörer schafft. Das beginnt damit, dass die X1t die charakteristischen Eigenschaften einer jeden einzelnen Stimme bestechend klar herausarbeitet. Hören wir in die Oper „Carmen“ (Bizet: Carmen - Herbert Von Karajan / Wiener Philharmoniker - The RCA Opera Treasury 74321 39495 2): auf der einen Seite die wundervolle Leontyne Price, deren dunkles, rauchiges Timbre ganz hervorragend zur Rolle der feurigen Carmen passt, und auf der anderen Seite Mirella Freni, die als Micaela glasklar, intensiv und betörend singt. Die Wiedergabe dieser so unterschiedlichen Stimmen gelingt der X1t phänomenal gut. Das gilt aber nicht nur für Stimmen im klassischen Bereich. Genauso beeindruckend ist, wie die X1t im Sampler Jazz Ballads (Jazz Ballads - 2xHD 24/44,1) die Unterschiede in den Stimmen einer Holly Cole, Amanda Martinez oder Jill Barber herausarbeitet, wobei die Sängerinnen zu jederzeit exakt zwischen den Lautsprechern stehen. Hinzu kommt eine verblüffende Auflösungsfähigkeit in komplexen Chorpassagen. Damit vermittelt die X1t in der berühmten Eröffnung „O Fortuna“ aus den Carmina Burana von Carl Orff (Carmina Burana - Seiji Ozawa / Boston Symphony Orchestra) mit dem frisch klingenden und wortgetreuen Chor genau den richtigen Sinn für Unerbittlichkeit und einen spürbaren Hauch von Bedrohung. Diese Fähigkeit, im Mittenbereich auch kleinste Details freizulegen, kommt auch der Wiedergabe akustischer Instrumente in besonderer Weise zu Gute. Bestechend ist, wie in „Galicia Flamenco“ mit Gino D‘ Auri (Flamenco Passion - FIM XRCD) Kleinigkeiten, wie das Knarzen des Cellos oder ein Klopfen auf dem Korpus freigelegt werden und dem Ganzen das besondere Extra verleihen.

Das Anschlussterminal nimmt Bananenstecker und Kabelschuhe auf
Das Anschlussterminal nimmt Bananenstecker und Kabelschuhe auf

Beeindruckt hat mich auch, wie harmonisch die Höhen an diesen herausragenden Mitteltonbereich anschließen können. Im „Divertimento K. 136“ von W.A. Mozart in der Aufnahme mit der Academy of St. Martin in the Fields unter der Leitung von Neville Marinner (FIM Supersounds! II) ist der Klang der Streicher weich, flüssig und brillant, aber völlig frei jeglichen Anflugs von Härte. Die Musik fließt in allen Tonlagen mit großer Harmonie dahin. Am anderen Ende des Frequenzspektrums hat die X1t – nicht wirklich überraschend – ihre klaren Grenzen. Unterhalb von etwa 70 Hertz fällt der Frequenzgang rasch ab. Echter Tiefbass ist damit nicht möglich, aber wer sich für einen Mini-Monitor wie die X1t entscheidet, sollte um diese Grenzen wissen. Wichtiger ist, was sich darüber abspielt. Und was die X1t hier abliefert ist sauber und durchaus knackig. Damit kann sich Dee Dee Bridgewater in „Memphis...Yes, I'm Ready“ auf ein sattes tonales Fundament stützen. Erst bei sehr hohen Lautstärkepegeln – die weit über meiner normalen Hörlautstärke liegen – oder Musik mit extremem Tieftonanteil beginnt der kleine Tiefmitteltöner hörbar zu begrenzen. Zu den exzellenten tonalen Eigenschaften kommt, dass sich das Klangbild zu jeder Zeit vollständig von den Lautsprechern löst und eine große räumliche Tiefe besitzt, die weit über das hinaus geht, was man von so einem kleinen Lautsprecher gemeinhin erwartet. Bei der Wiedergabe der hervorragende Aufnahme von „El Baile De Luis Alonso“ von Giminez (Music of Spain - Rafael Fruhbeck De Burgos Conducts the National Orchestra of Spain – HDTT 24/192) reicht der Klang weit in die Tiefe eines imaginären Raums hinein, bleibt aber klar strukturiert und durchhörbar, und die Lautsprecher „verschwinden“ völlig. Die Klangbühne, die diese winzigen Monitore bei dieser Aufnahme erzeugen, ist verblüffend.

Der gewaltige Antrieb des Tiefmitteltöners mit Neodym-Magneten
Der gewaltige Antrieb des Tiefmitteltöners mit Neodym-Magneten

Aufgrund meiner Begeisterung, werden Sie an dieser Stelle zu Recht fragen, wo denn nun überhaupt die Unterschiede zu einer vielfach teureren Raidho TD1.2 sind. Ein Hauptunterschied liegt für mich darin, dass die X1t zwar auch diese faszinierende „Kantenschärfe“ in der Wiedergabe von Stimmen oder Instrumenten besitzt, die nichts verfließen oder leicht unscharf wirken lässt, aber es fehlt ihr etwas an der „dritten Dimension“, die Stimmen oder Instrumente sich so klar vom Hintergrund abheben lässt, dass man meint, sie stünden körperlich vor einem. Hinzu kommt, dass sich bei der X1t der Charme und Schmelz der Hochtonwiedergabe nicht vollständig in die mittleren Lagen fortsetzt. Dabei geht es nicht um unterkühlte Mitten, aber es fehlt mir da ein Ticken Emotionalität. Bei orchestraler Musik, speziell in Tutti-Passagen, erstreckt sich die virtuelle Klangbühne nicht ganz so weit in die virtuelle Tiefe; das mag – insbesondere bei höherer Lautstärke – mit den Grenzen im Tieftonbereich zusammenhängen. Damit wir uns jetzt nicht falsch verstehen: Das sind Unterschiede auf höchstem Niveau im Vergleich zu einem absoluten Toplautsprecher – auch preislich. Aber je länger ich Musik über die X1t höre, desto faszinierter bin ich. Obwohl die X1t die gerade beschriebenen Einschränkungen im Bassbereich und bei der Fähigkeit, ohne Anstrengung laut zu spielen, mit sich bringt, liefert sie gerade im Mittel- und Hochtonbereich eine Klangqualität, die insgesamt schlicht und einfach herausragend ist. Dazu passen an dieser Stelle auch ganz gut meine Erfahrungen, was den Leistungslieferanten, sprich den angeschlossenen Verstärker, betrifft. Die X1t lässt sich mit meiner Omtec CA 25, die etwa 25 Watt pro Kanal im reinen Class A-Betrieb liefert, problemlos betreiben. Etwas überrascht bin ich allerdings, als ich probehalber eine gerade frisch restaurierte Stax DA-80M anschließe, die etwa 80 Watt pro Kanal ebenfalls im Class A-Betrieb bereitstellt. Das mehr an Leistung führt zu einem weitläufigeren Klangbild in allen Dimensionen und zu mehr Kraft im Bassbereich, als ich es erwartet habe. Der Zuwachs an Autorität und Souveränität ist nicht zu überhören. Was die Verstärkerwahl betrifft, ist die X1t anspruchsvoller, als es auf den ersten Blick scheinen mag.


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