tests/22-12-06_huesmann
 

Huesmann Double Earth Conductor

06.12.2022 // Wolfgang Kemper

Beim Double Earth Conductor habe ich die Möglichkeit auszuprobieren, ob sich hörbare Veränderungen ergeben, wenn der Earth Conductor mit Geräte- und Netzerde gleichzeitig oder nur dem Netzerde-Kabel allein oder dem Geräteerde-Kabel allein angeschlossen ist. Das überprüfe ich in meiner mit dem Audioquest Niagara 5000 schon erheblich von Störungen gesäuberten Kette, was sich auch messtechnisch beweisen lässt. Dabei schließe ich das Huesmann-Netzkabel an die Wandsteckdose, parallel zum Anschluss für den Niagara an. Diese Dose ist frei, ich muss also nichts ändern. Zuvor hatte ich bei einem Freund einen Test gemacht, der ergebnislos verlief. Der Grund dafür bestand in einer Fahrlässigkeit meinerseits. Wir haben den frisch gelieferten Earth Conductor, den ich für ein benutztes Vorführexemplar hielt, aus dem Kofferraum geholt, angeschlossen, und gehört. Großer Fehler! Denn der EC braucht Zeit zur Formatierung, wenn ich das mal so nennen darf. Im Telefonat mit Norbert Huesmann erfuhr ich, dass es für den Klang wichtig ist, dass der EC eingespielt ist. Je länger er im Setup mitspielt, um so größer würde seine Wirkung sein. Also habe ich ihn bei mir im Hörraum erst einmal zwei Tage mit beiden Leitungen an beiden Kammern betrieben, eine an der Stromnetz-Erde, die andere am Gehäuse des Vorverstärkers.

Das 5N Silberkabel zur Geräte-Erdung besitzt einen vergoldeten Gabelschuh
Das 5N Silberkabel zur Geräte-Erdung besitzt einen vergoldeten Gabelschuh

Beim Hörtest zog ich zum ersten Vergleich beide Kabel am EC ab und musste eine unüberhörbare Einbuße registrieren. Im Song „Hey Now“ vom Debüt-Album If You Wait von London Grammar, gestreamt bei Qobuz in CD-Qualität, wirkte die Bühne mit dem Earth Conductor erheblich offener, der tiefe Bass ertönte konturengeschärft, die Gitarre klang filigraner, allerdings mit minimal weniger Korpus und auch Hannah Reids Stimme hatte etwas weniger Körper. Jetzt ist bei Stimme ja ohnehin schwer zu sagen, wie sie zu klingen hat, weil allein der Abstand zum Mikrofon schon enorme Auswirkungen mit sich bringt. Dennoch war das so nicht optimal. Entscheidend zu Gunsten des EC bei diesem Vergleich war der erhebliche Gewinn an Spannung in der Musik. Es handelt sich nicht um Nuancen, der Unterschied ist sehr ausgeprägt. Dieses Mehr war für mich absolut beeindruckend, vor allem wegen der Präzision, der großen Bühne und diesem unerwarteten Spannungsgewinn. Aber die Stimme von Hannah Reid hätte ich gerne etwas fraulicher. Deshalb schloss ich folgend nur das Netzerdungs-Kabel wieder an und erlebte Ähnliches, als hätte ich den EC gar nicht im Spiel. Zwar war die Bühne wieder weiträumig, aber der Bass weniger artikuliert und die Spannung war weg. Hannah Reid und auch die Gitarre ertönten jedoch erfreulicherweise mit mehr Körper. Der nächste Versuch war nun, allein das Geräte-Erdungskabel ohne Netzerdung anuschließen. Und das war es dann in diesem Falle: Hannah Reid hatte Figur, die Gitarre bestand nicht nur aus Saiten, die imaginäre Bühne war beinahe schon sphärisch, aber dennoch schön stabil. Der Bass hatte wieder an Präzision gewonnen und vor allem: Die Spannung in der Musik fesselte mich wieder. Mit der Hör-Erfahrung vieler unterschiedlicher Alben über mehrere Wochen kann ich die räumliche Darstellung mit dem Earth Conductor durchaus holografisch nennen und die Raumöffnung vor allem nach hinten enorm. Diese Tiefe, die verbunden ist mit einer frappierenden Detailauflösung, platziert Stimmen weiter hinten als ich es gewohnt bin. Je nach Aufnahme ist dies mehr oder weniger ausgeprägt. So steht Mick Jagger auf Beggars Banquet, Let It Bleed oder Exile on Main Street nicht vor, sondern hinter den Lautsprechern, umgeben von Gitarre und anderer Begleitung. Charlie Watts trommelt dahinter wie es sich gehört. Daraus kann ich nur folgern: Der Earth Conductor ist ausgesprochen effektiv, es macht aber Sinn auszuprobieren, wie oder wo man ihn einsetzt. Theoretisch mag es optimal sein, jeder Audio-Komponente und dem Strom einen eigenen Single-Earth-Conductor zu spendieren. Dann wird´s aber kostspielig. In meiner Anlage reicht schon ein Earth Conductor.

Meine zweite Anlage ist weniger aufwändig Netzstrom-gefiltert: Die Mudra Max Stromleiste enthält zwei Trenntrafos, mit denen ich üblicherweise Schaltnetzteile wie sie in der Stromversorgung des Antelope und des Mutec Reclockers zu finden ist, galvanisch isoliere. Für den Versuchsaufbau schloss ich den EC zur Ableitung der Netzerde an einen der vier ungefilterten Schukodosen im Max an. Die anderen drei waren durch die Air Tight Röhrenmonos und mein Wadia CD-Transport belegt. Mutec und Antelope schloss ich an zwei gefilterte Netzdosen im Max an. Die beiden Trenntrafo-Sektionen blieben erst einmal ungenutzt. Der Double Earth Conductor bekam seine Verbindung zur Geräte-Erde am Gehäuse des Antelope. Zuerst durfte sich der Double Earth Conductor nochmal ein paar Stunden in dieser Konfiguration akklimatisieren.

Die beiden verschlossenen Öffnungen am Testexemplar sind nicht serienmäßig und dienten nur einem Versuch des Herstellers an diesem Exemplar. Die Spikes stammen von ViaBlue
Die beiden verschlossenen Öffnungen am Testexemplar sind nicht serienmäßig und dienten nur einem Versuch des Herstellers an diesem Exemplar. Die Spikes stammen von ViaBlue


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